„Zum ersten Mal sicher gefühlt hab ich mich über Griechenland ...“

Heimkehr aus Nahost

Die Lage im Nahen Osten spitzt sich seit zwei Wochen laufend zu, noch immer sitzen Österreicherinnen und Österreicher in der Krisenregion fest. Die Rückhol-Aktionen des Außenministeriums gestalten sich schwierig. Im Gespräch mit der BVZ erzählen heimgekehrte Burgenländerinnen und Burgenländer, wie sie die Zeit überstanden haben.

Das Außenministerium im Einsatz. Österreichische Reisende - hier in Jordanien - werden oft in mehreren Etappen heimwärts gebracht.

Das Außenministerium im Einsatz. Österreichische Reisende - hier in Jordanien - werden oft in mehreren Etappen heimwärts gebracht.

© BMEIA

Auch Tage nach der sicheren Landung in Österreich und zuhause im Burgenland wirken die Ereignisse nach: Anna Chmel und ihr Freund waren auf Zwischenstopp in Doha, Katar, als beim Besuch eines Supermarktes der Alarm am Handy losging. Das war ganz zu Beginn des Iran-Krieges, wie angespannt die Lage ist, zeigte sich schnell. „Am Abend gab es schlimme Explosionen, die Druckwellen waren richtig zu spüren“, erzählte die Mittelburgenländerin nach ihrer Heimkehr.

„Man weiß zuerst nicht, wie man in so einem Ausnahmezustand reagieren soll. Ich habe fast nicht geschlafen, das ist sechs Tage lang so gegangen: Immer morgens gab es neue Anschläge auf die amerikanische Basis.“ Dennoch habe man sich relativ sicher gefühlt, im Hotel sei man gelassen und gut vorbereitet mit der Situation umgegangen; Katar habe die Lage gut gemeistert.

Das Warten auf den Rückflug ist auch in Urlaubsländern der Krisenregion eine Nervenprobe. Es gibt auch Reisende, die sich von der Unterstützung enttäuscht zeigen - bei Anna Chmel hat die Rückhol-Aktion geklappt, auch wenn es noch einmal abenteuerlich wurde. Sowohl die österreichischen, als auch die kroatischen Behörden halfen mit, da der Freund der Burgenländerin aus Kroatien stammt.

Der Transfer von Doha nach Saudi Arabien wurde - nach fünf Stunden Wartezeit - mit einem alten Linienbus bewerkstelligt: „Quer durch die Wüste nach Riad“, erzählt Anna Chmel. Danach noch einmal Anspannung: „Busse durften nicht über die Grenze, die österreichische und die kroatische Botschaft haben deshalb sogar Taxis organisiert.“ Mit einer gecharterten Maschine ging die Reise dann endlich heimwärts.

„Zum ersten Mal sicher gefühlt hab ich mich beim Flug über Griechenland“, sagt die Burgenländerin im BVZ-Gespräch. „Ich habe gar nicht richtig realisiert, was da alles passiert ist. Erst als ich zuhause war, sind die Gedanken nach und nach gekommen.“

Sicher zuhause angekommen sind inzwischen weitere Urlauberpaare aus dem Burgenland, zwei davon waren in Dubai, als der Krieg begann. Lukas Roznyak aus Lackendorf und Michelle Reingruber aus Stoob erzählten von mehreren Stunden im Schutzraum des Hotels und wiederkehrendem Alarm. Sie sind in der Vorwoche wieder sicher gelandet. Ebenso wie der gebürtige Oberwarter Hans-Robert Leeb und seine Lebensgefährtin.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten landete einen Tag vor Kriegsausbruch im Iran der bekannte burgenländische Unternehmer und Wirtschaftskammer-Spartenobmann Anton Putz, zusammen mit seiner Frau, der Tochter und deren Familie. Die Organisation der Rückreise war nicht leicht, auch vom Außenministerium sei letztlich eine E-Mail gekommen, in der es hieß, man solle sich „auf kommerzielle Weise um eigene Ausreise aus der Region kümmern“.

Wenn man hört, dass Reisende einzelne Angebote des Außenministeriums nicht angenommen hätten, dann ärgert das Toni Putz im Rückblick: Mit zwei Kleinkindern könne man in der Wüste zum Beispiel keine 21-stündige Busreise in Anspruch nehmen. Die Heimreise gelang schließlich auf eigene Initiative. Über die Wirtschaftskammer bekam Putz den Kontakt des Handelsdelegierten Johannes Brunner.

„Er hat mir in kürzester Zeit einen Tipp gegeben und Flüge gefunden, die noch buchbar waren“, sagt Toni Putz, „jetzt bin ich froh, dass wir seit einer Woche zuhause sind.“ Man habe in der Urlaubsregion nicht um sein Leben fürchten müssen, aber die Lage sei durchaus angespannt gewesen: „Wir haben Detonationen in der Ferne gesehen und auch den Abschuss eines Flugkörpers. Das war in weiter Ferne, und vor Ort waren alle ruhig. Trotzdem gibt einem das zu denken, wenn wir hier von einem Land sprechen, das als eines der sichersten der Welt gilt.“