Trockenheit: Dem Wild geht das Wasser aus
Hitzeperioden
Die anhaltende Trockenheit wird für Rehe, Rot- und Schwarzwild rund um Güssing zunehmend zum Problem. Natürliche Wasserstellen trocknen aus, die Tiere legen weitere Wege zurück und überqueren dabei Straßen. Die Jägerschaft versorgt das Wild mittlerweile regelmäßig mit Wasser und bittet auch die Bevölkerung um Unterstützung.
Für Wild geht es in den Tagen enormer Trockenheit ums Überleben.
© Christine Hell
Bäche, Tümpel und Quellen haben über Jahrzehnte für Wasser gesorgt. Doch in diesem Sommer ist vieles anders. Die anhaltende Trockenheit macht mittlerweile auch dem Wild rund um Güssing massiv zu schaffen. Rehe, Rotwild und Schwarzwild müssen teilweise mehrere Kilometer zurücklegen, um überhaupt noch Wasser zu finden. Auf der Suche nach Wasser überqueren die Tiere verstärkt Straßen, wodurch nach Angaben der Stadtgemeinde auch die Zahl der Wildunfälle deutlich gestiegen ist.
Gleichzeitig werden immer wieder verendete Tiere gefunden, die der Hitze zum Opfer gefallen sind. „Die Wasserversorgung des Wildes ist in diesem Sommer zur drängendsten Aufgabe unserer Jägerinnen und Jäger geworden. Was früher Bach, Tümpel und Quellen von selbst geregelt haben, organisieren wir heute mit Fässern, Kübeln und Malterkisteln – alle zwei bis drei Tage, bei 35 Grad, freiwillig und ohne Aufwandsentschädigung“, sagt Jagdleiter Rainer Schwarz. Gleichzeitig geht es längst nicht nur um das jagdbare Wild. „Die Jägerschaft in Güssing übernimmt Verantwortung – nicht nur für das jagdbare Wild, sondern für das gesamte Ökosystem“, sagt Schwarz, der angesichts der Trockenheit auch beim Wasserrückhalt Handlungsbedarf sieht.
„Ich appelliere an Gemeinden, Grundeigentümer und die Politik, das Thema Wasserrückhalt im Revier endlich ernst zu nehmen. Biberdämme, Feuchtbiotope und Rückhaltebecken sind keine Hindernisse – sie sind in Zukunft überlebenswichtig“, sagt der Güssinger Jagdleiter.
Wo Gras, Feldfrüchte und Wildwiesen fehlen, weichen die Tiere auf jene Flächen aus, auf denen noch Grün vorhanden ist. Dazu zählen Sojafelder und Waldränder. Damit steigt wiederum die Gefahr von Verbissschäden. Für die Güssinger Jägerschaft bedeutet die Trockenheit mittlerweile zusätzlichen Einsatz. Wo sich das Wild früher selbst an natürlichen Wasserstellen versorgen konnte, müssen die Jäger nun nachhelfen.
Doch trockene Sommer und längere Hitzeperioden treffen nicht nur landwirtschaftliche Flächen. Verschwinden kleine Wasserstellen aus Wäldern und Revieren, fehlt auch den Wildtieren eine Grundlage, die bisher selbstverständlich vorhanden war.
Die Jägerschaft bittet deshalb auch die Bevölkerung um Unterstützung. Wer einen Garten besitzt, kann besonders unter Obstbäumen Schalen oder Kübel mit Wasser aufstellen. Vor allem während der Nachtstunden könne das Wild diese Wasserstellen nutzen.
Gleichzeitig ersuchen die Jäger darum, Tiere in dieser angespannten Situation möglichst wenig zusätzlich zu stören. Spaziergänge in Waldnähe sollten nach Möglichkeit in den Morgen- und Abendstunden vermieden werden und Hunde solle man auch nicht frei laufen lassen.