Blau-roter „Münchhausen“-Streit und hartes Match auf Facebook
Hofer gegen Fürst
Die burgenländische SPÖ und die Freiheitlichen waren bei ihren Facebook-Diskussionen noch nie zimperlich - in den vergangenen Tagen haben beide Seiten das Tempo und die Schärfe aber noch erhöht. Auslöser waren unter anderem das Münchhausen-Syndrom und das Stockholm-Syndrom: Hier die Geschichte - und die Videos - zum kuriosen Landtags-Streit!
© Facebook, Collage: BVZ
Wenn in einer Landtagsrede das Wort „Lügner“ fällt, dann gibt's (je nach Formulierung) in der Regel einen Ordnungsruf. In den Sozialen Netzwerken sind die Regeln andere, und ausgeteilt wird von allen Seiten ordentlich. Derzeit vor allem zwischen SPÖ und FPÖ.
Denn während die Videos von ÖVP-Klubobmann Bernd Strobl („Was gibt's heut zu essen, Bernd?“) zuletzt seltener den roten Unmut hervorriefen und der Online-Zwist um den „Sozialisten-Sager“ von VP-Chef Christoph Zarits langsam verfolgen ist, liefern sich SPÖ-Klubchef Roland Fürst und die Freiheitlichen ein regelrechtes Facebook-Match. Lieblingsgegner auf blauer Seite ist Klubobmann Norbert Hofer.
Aus der „Facebook-Galerie“ der Klubchefs
Dass Fürst und Hofer auch „live“ im Landtag aufeinanderprallen würden, hatte sich schon in der Vorwoche abgezeichnet. Woran sich der rot-blaue Streit nach der 15-stündigen Sitzung dann schließlich entzündete, das geht wohl als ein weiteres Kuriosum in die Landtags-Geschichte ein. Am Tag danach jedenfalls zeigte sich Norbert Hofer auf seiner Facebook-Seite „ehrlich betroffen“, wie er schrieb:
„In meine Richtung wurde sinngemäß der Vorwurf erhoben, man könne eine Verletzung oder eine Behinderung auch vortäuschen, um Mitleid erregen zu wollen. Wer so etwas sagt, hat vielleicht nie erlebt, wie es ist, nach einem schweren Unfall wieder ins Leben zurückzufinden.“

© Gregor Hafner, Hafner Gregor
Was genau war passiert? Hofer, der nach seinem Paragleiter-Unfall im Jahr 2003 mit den gesundheitlichen Folgen kämpfen musste, fühlte sich von Fürsts Ausführungen über das sogenannte „Münchhausen-Syndrom“ persönlich angegriffen. In der dringlichen Debatte um die Landesfinanzen erklärte der rote Klubchef nämlich auf diesem Weg, wie er die „Skandalisierungen“ der FPÖ - und auch der ÖVP - einschätzt.
Dazu zitierte Fürst aus der Definition: „Eine Störung, bei der die Betroffenen körperliche Beschwerden erfinden – oder psychische Beschwerden – und meist dramatisch präsentieren, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Zuneigung von den anderen zu erlangen.“

© Gregor Hafner, Hafner Gregor
Auf die Empörung in Hofers Facebook-Posting antwortete Fürst selbst, sprach von „Unwahrheiten“ und teilte auch den entsprechenden Redebeitrag aus der Sitzung. Alle Reden sind auf www.bgld-landtag.at als Video abrufbar. Hier die besagte Passage:
Eine Antwort auf den „Münchhausen“-Ausspruch gab's auch noch in der Sitzung: FPÖ-Abgeordneter Markus Wiesler attestierte Roland Fürst nämlich das „Stockholm-Syndrom“: Er sei „in Geiselhaft“ und verteidige „einen Täter, der in Geldverschwendung lebt“, so Wiesler - zu sehen im Landtags-Video:
Videos: Landtag Burgenland
In den Kommentaren der Facebook-Postings mischten Funktionärinnen und Funktionäre sowie Anhänger beider Seiten fleißig mit, und das nicht gerade zimperlich. Und: Der rot-blaue Schlagabtausch hatte auch danach noch kein Ende.
Denn über den Besuch von FPÖ-Bundesobmann Herbert Kickl beim „Heimat-Herbst“-Tourstopp in Neudörfl scherzte Fürst, das habe im Burgenland niemand bemerkt. Dieses Mal antwortete FPÖ-Abgeordneter Christian Ries („lächerlich“) - natürlich per Facebook-Posting. Der Schlagabtausch geht bis heute weiter.