Carport als Kraftwerk: Neues Energieprojekt im Nationalparkzentrum

Illmitz

Vor dem Nationalparkzentrum Neusiedler See – Seewinkel ist am Freitag ein neues Mobilitäts- und Energiekonzept vorgestellt worden. Die Burgenland Energie errichtete dort eine Photovoltaik-Carportanlage mit Batteriespeicher und acht öffentlich zugänglichen Ladestationen. Das Projekt soll das Zentrum weitgehend energieunabhängig machen und die regionale Energiewende stärken.

Apetlons Bürgermeister Silvia Pitz, Illmitzer Bürgermeister Maximilian Köllner, Landesrätin Daniela Winkler, Landeshauptmann Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Stephan Sharma (CEO Burgenland Energie) und Nationalpark-Direktor Johannes Ehrenfeldner

Apetlons Bürgermeister Silvia Pitz, Illmitzer Bürgermeister Maximilian Köllner, Landesrätin Daniela Winkler, Landeshauptmann Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Stephan Sharma (CEO Burgenland Energie) und Nationalpark-Direktor Johannes Ehrenfeldner

© Birgit Böhm-Ritter

Ein neuer Blick auf einen vertrauten Parkplatz

Der Nebel hängt tief über dem Seewinkel, als die Anlage präsentiert wird. Die diffuse Helligkeit wirkt wie ein leiser Widerspruch zu einer Infrastruktur, die auf Sonnenkraft setzt. Warum das kein Problem ist, erklärt Stephan Sharma, Geschäftsführer der Burgenland Energie, gleich zu Beginn. Das Unternehmen hat den gesamten PV-Carport samt Speicher und Ladeinfrastruktur geplant, errichtet und in Betrieb genommen.

Sharma beschreibt das Vorhaben als Teil eines größeren Weges: „Wir haben uns im Burgenland das Ziel gesetzt bis 2030 klimaneutral.“ Dieses Ziel sei nur gemeinsam erreichbar – mit Gemeinden, Betrieben, Landespolitik und den Menschen vor Ort. Das Nationalparkzentrum bilde dafür ein Beispiel. Die Anlage ist zudem in die burgenlandweite Energiegemeinschaft Fanclub Burgenland Energieunabhängig eingebunden, die erneuerbaren Strom gemeinsam nutzt und verteilt.

Strom für das Zentrum und acht Ladestationen

Der neue Carport auf dem Parkplatz des Informationszentrums besteht aus Photovoltaikmodulen, die jährlich rund 60 000 Kilowattstunden Sonnenstrom erzeugen. Auf rund 240m2 Carport schauen 110 PV-Module in den Himmel. Ein 40 kWh-Batteriespeicher deckt Zeiten ab, in denen weniger Energie produziert wird.

Carport als Kraftwerk: Neues Energieprojekt im Nationalparkzentrum

© Birgit Böhm-Ritter

„Die Anlage versorgt das Nationalparkzentrum und acht öffentliche Ladestationen“, sagt Sharma. Der Jahresverbrauch des Zentrums liege bei rund 40 000 Kilowattstunden, der Rest fließe in die Ladeinfrastruktur. Sechs der Ladestationen laden langsamer, zwei sind Schnelllader.

Sharma betont die Kombination aus erneuerbaren Quellen und Speichertechnologie: „Das Projekt ist so ausgelegt, dass wenn die Sonne – so wie heute – nicht scheint, Windstrom genutzt wird und diesen auch speicherfähig macht, sodass acht Fahrzeuge problemlos laden können – wetterunabhängig.“ Der Geschäftsführer sieht darin ein Modell für die künftige Mobilität: weg von importiertem Öl, hin zu regionaler Energieproduktion aus Sonne und Wind.

Die Kosten der Anlage belaufen sich auf rund 200 000 Euro, die fast zur Gänze die Burgenland Energie GmbH trägt. Nach Unternehmensangaben amortisiert sich eine vergleichbare Photovoltaikanlage in etwa fünf Jahren und hält länger als zwei Jahrzehnte.

Sowohl Sharma als auch Nationalparkdirektor Johannes Ehrenfeldner sprachen die starke Partnerschaft an. Das Projekt sei zwar nur ein kleiner Baustein am Weg zu einem ausgeglichenen Klima, aber nur durch starke Kooperationen, wie in diesem Fall, werde es möglich sein, dass unsere Erde für uns und für kommende Generationen lebenswert bleibe, sagt Ehrenfeldner.

Potenzial auf Parkplätzen und Dächern

„Wir sehen an diesem Standort, dass es für den Einsatz und die Nutzung von Photovoltaik keine Grenzen gibt. Photovoltaik kann mittlerweile auch an Fassaden eingesetzt werden, als Zaun, auf der Fläche, wie ein paar Kilometer entfernt im Agri-PV-Park Tadten Wallern, oder - wie heute hier zu sehen - als Parkplatzüberdachung, die bereits verbrauchte Fläche mehrfach nutzt“, so Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne). Es sei wichtig, dass man all diese Formen möglichst umfangreich einsetze und nutze.

Sie weist zudem auf strukturelle Fragen hin, die im Land diskutiert werden: „Wir haben im Regierungsprogramm vereinbart, dass wir uns Lösungen überlegen wollen, wenn neue Parkplätze versiegelt werden. Dann soll es eine Verpflichtung für PV-Anlagen über den Parkplätzen geben.“ Der Ansatz ist allerdings noch Zukunftsmusik, der Bedarf an zusätzlichen Flächen für Solarenergie wächst. Neben Agri-Photovoltaik gebe es ein goßes Potenzial auf asphaltierten Flächen und Dächern, so Haider-Wallner.

Sharma ergänzt, dass sein Unternehmen bereits mit Einkaufszentren verhandle, um ähnliche Carports zu errichten. Die Projekte seien wirtschaftlich attraktiv, weshalb er von einer starken Ausweitung ausgehe. Mit dem Tourismusunternehmen Vila Vita in Pamhagen gebe es derzeit Gespräche über eine Anlage, und gemeinsam mit der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) und der Gemeinde Parndorf sei ein großes Projekt beim Park-and-Ride-Platz des Bahnhofs geplant.

Auf dem Weg zu mehr Energieunabhängigkeit

Das Nationalparkzentrum Illmitz ist nun Mitglied der Energiegemeinschaft Fanclub Burgenland Energie, die Strom aus Sonne und Wind gemeinsam nutzt. Für Sharma ist das ein wichtiger Baustein einer langfristigen Strategie: „Wind, Sonne, Speicher- das ist die ideale Kombination für Energieunabhängigkeit – auch im Mobilitätsbereich.“

Mit der neuen Anlage will die Burgenland Energie zeigen, wie bestehende Parkflächen doppelt genutzt werden können: als Infrastruktur für Besucherinnen und Besucher und als Kraftwerk für die Region.