Zehn Fragen an zwei Frauen in der Politik
Im Gespräch
Am 8. März wurde der Internationale Weltfrauentag begangen. Die BVZ richtete zehn Fragen an zwei Politiker-Frauen. Die Mattersburger SPÖ-Politikerin Claudia Schlager ist Bürgermeisterin, Landtagsabgeordnete und Bezirksfrauenvorsitzende. Julia Schneider-Wagentristl aus Zemendorf/Stöttera vertrat die ÖVP eine Periode im Landtag, ist Landesleiterin der ÖVP-Frauen und Gemeinderätin.
Julia Schneider-Wagentristl (l.) ist 32 Jahre alt, Landwirtin in Kleinfrauenhaid, zweifache Mutter und war von 2020 bis 2025 Abgeordnete zum Burgenländischen Landtag. Claudia Schlager (r.) ist gebürtige Mattersburgerin, verheiratet und Mutter einer Tochter. Nach Abschluss der Pädak war sie lange Zeit als Lehrerin tätig, mittlerweile ist sie Berufspolitikerin.
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Was bedeutet der Weltfrauentag persönlich für Sie ?
Schneider-Wagentristl: Der Weltfrauentag ist für mich ein wichtiger Anlass, um auf das aufmerksam zu machen, was Frauen täglich leisten. Gleichzeitig ist er auch ein Moment der Wertschätzung. Als Mama von zwei kleinen Mädchen – meine Töchter sind ein und drei Jahre alt – denke ich an diesem Tag natürlich besonders daran, in welcher Gesellschaft sie einmal aufwachsen sollen und welche Chancen ihnen offenstehen werden.
Schlager: Der Internationaler Frauentag ist für mich ein wichtiger Tag der Wertschätzung und der Erinnerung. Wir feiern die vielen Errungenschaften, die Frauen über Generationen hinweg erkämpft haben. Gleichzeitig zeigt dieser Tag aber auch, dass Gleichstellung noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. Gerade in meinen Funktionen als Bürgermeisterin, Landtagsabgeordnete und Obfrau der Frauenservicestelle „Die Tür“ sehe ich täglich, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt.
Was hat Sie ursprünglich motiviert, sich politisch zu engagieren und sich besonders für Frauenpolitik einzusetzen?
Schneider-Wagentristl:Mich hat schon immer motiviert, Dinge aktiv mitzugestalten. Gerade auf Gemeindeebene sieht man sehr direkt, wie politische Entscheidungen das Leben der Menschen beeinflussen. Seit ich selbst Mutter bin, haben viele Themen noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen – etwa Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder gute Lebensbedingungen für Familien.
Schlager: Ich bin eher spät in die Politik gegangen. Meine Motivation war es, sich in der Gemeinde zu engagieren und dort aktiv mitgestalten zu können. Gerade auf Gemeindeebene merkt man sehr schnell, wie stark politische Entscheidungen den Alltag der Menschen beeinflussen. Frauenpolitik ist für mich dabei kein Randthema – sie betrifft ganz viele Lebensbereiche, von der Kinderbetreuung bis zu fairen Chancen im Beruf.
Welche Themen stehen aktuell im Mittelpunkt deiner Arbeit als Obfrau der ÖVP/SPÖ−Frauen?
Schneider-Wagentristl:Mir ist besonders wichtig, Frauen zu stärken und miteinander zu vernetzen. Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Chancen für Frauen im ländlichen Raum oder auch Frauen in Verantwortung spielen dabei eine große Rolle. Gleichzeitig geht es mir darum, Frauen zu ermutigen, ihre Ideen einzubringen und aktiv mitzugestalten.
Schlager: Wir beschäftigen uns intensiv mit Themen wie gleicher Bezahlung, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie dem Schutz vor Gewalt an Frauen. Durch meine Arbeit weiß ich auch, wie wichtig niederschwellige Beratungsangebote und Unterstützung für Frauen und Mädchen sind.
Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Frauen in Österreich?
Schneider-Wagentristl: Eine der größten Herausforderungen bleibt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viele Frauen leisten enorm viel – beruflich und gleichzeitig in der Familie. Es braucht Rahmenbedingungen, die Frauen echte Wahlfreiheit ermöglichen. Gerade als junge Mutter erlebe ich selbst, wie wichtig flexible Lösungen und gute Kinderbetreuung sind.
Schlager: Frauen leisten nach wie vor sehr viel – sowohl im Berufsleben als auch im privaten Bereich. Trotzdem verdienen sie im Durchschnitt weniger als Männer und arbeiten häufiger in Teilzeit. Eine weitere große Herausforderung bleibt der Schutz vor Gewalt. Hier braucht es weiterhin klare politische Maßnahmen und ausreichende Unterstützungseinrichtungen.
Wie kann man Ihrer Meinung nach mehr junge Frauen motivieren, sich politisch zu engagieren – gerade auch auf Gemeindeebene?
Schneider-Wagentristl:Ich glaube, es ist wichtig zu zeigen, dass Politik sehr viel mit dem täglichen Leben zu tun hat. Gerade in der Gemeinde kann man konkret etwas bewegen. Wenn junge Frauen sehen, dass ihre Ideen gehört werden und sie wirklich etwas verändern können, dann steigt auch die Motivation, sich einzubringen.
Schlager: Wichtig ist, junge Frauen zu ermutigen und ihnen zu zeigen, dass ihre Stimme zählt. Politik beginnt vor Ort – in der Gemeinde, im Verein oder in der Nachbarschaft. Wenn junge Frauen sehen, dass sie wirklich etwas bewegen können, wächst auch die Bereitschaft, sich politisch einzubringen. Dafür möchte ich auch ein Vorbild sein.
Welche Initiativen oder Projekte der ÖVP / SPÖ- Frauen liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen?
Schneider-Wagentristl:Besonders wichtig sind mir Veranstaltungen und Projekte, bei denen Frauen miteinander ins Gespräch kommen können. Netzwerke sind unglaublich wertvoll – gerade für Frauen, die Familie, Beruf und Engagement miteinander verbinden. Oft sehe ich jedoch, dass derartige Netzwerke von uns Frauen zu selten und nicht intensiv genug gepflegt werden.
Schlager: Besonders wichtig ist mir die Arbeit der Frauenservicestelle „Die Tür“. Dort können Frauen Beratung, Unterstützung und Orientierung bekommen – oft in sehr schwierigen Lebenssituationen. Gleichzeitig sind mir auch Projekte wichtig, die Frauen miteinander vernetzen und stärken.
Wenn Sie auf Ihre bisherige politische Arbeit zurückblicken: Worauf sind Sie besonders stolz?
Schneider-Wagentristl: Ich bin besonders stolz darauf, dass es gelungen ist, Frauen zu motivieren, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Wenn jemand den Mut fasst, sich politisch oder gesellschaftlich zu engagieren, dann ist das für mich ein sehr schöner Erfolg.
Schlager: Mich erfüllt es mit großer Freude, wenn Frauen und Mädchen den Mut finden, ihre Stimme zu erheben und Verantwortung zu übernehmen. Besonders wenn ich mit meiner Arbeit dazu beitragen können, dass Frauen sich stärker einbringen – sei es in der Politik, im Beruf oder im gesellschaftlichen Leben – dann ist das ein großer Erfolg. Besonders stolz bin ich auch, dass wir bei uns in Mattersburg das Projekt „STOP – Stadtteile ohne Partnergewalt umsetzen konnten und eine Übergangswohnung für von Gewalt betroffenen Frauen anbieten können
Welche Themen sind Ihnen besonders wichtig, wenn es um die Zukunft von Frauen im Burgenland geht?
Schneider-Wagentristl: Mir ist wichtig, dass Frauen im Burgenland gute Chancen haben – egal ob sie sich für Familie, Beruf oder beides entscheiden. Dazu gehören gute Kinderbetreuung, starke regionale Arbeitsplätze und lebendige Gemeinden.
Schlager: Mein Ziel ist es, dass Frauen im Burgenland die gleichen Chancen haben – egal ob im Beruf, in der Ausbildung oder in der Politik. Gute Kinderbetreuung, faire Löhne und sichere Arbeitsplätze sind dafür ganz entscheidend. Aber auch Themen rund um die Frauengesundheit dürfen nicht vernachlässigt werden und leider nach wie vor besonders wichtig ist die Unterstützung für von Gewalt betroffenen Frauen.
Wo sehen Sie im Burgenland noch Potenzial, Frauen stärker zu unterstützen oder zu fördern?
Schneider-Wagentristl: Potenzial sehe ich vor allem bei der Stärkung von Frauen in Führungspositionen, in der regionalen Wirtschaft und auch in der Politik. Gleichzeitig können Netzwerke und Weiterbildungsmöglichkeiten Frauen zusätzlich unterstützen.
Schlager: Vor allem bei der stärkeren Beteiligung von Frauen in Führungspositionen und Entscheidungsprozessen gibt es noch Potenzial – sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft und im Sport. Vielfalt in Entscheidungsprozessen bringt immer neue Perspektiven und bessere Lösungen.
Was möchten Sie Frauen – besonders im Burgenland – zum Weltfrauentag mit auf den Weg geben?
Schneider-Wagentristl: Ich möchte Frauen ermutigen, an sich zu glauben und ihre Ideen einzubringen. Jede Frau hat Fähigkeiten und Erfahrungen, die unsere Gesellschaft bereichern. Gerade für meine beiden Töchter wünsche ich mir eine Zukunft, in der Frauen selbstverständlich ihre Chancen nutzen und ihren eigenen Weg gehen können.
Schlager:Der Internationaler Frauentag erinnert uns daran, wie wichtig Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung sind. Ich möchte Frauen Mut machen, an sich selbst zu glauben, ihre Ideen einzubringen, ihre Stimme zu nutzen und ihren Weg selbstbewusst zu gehen – denn gemeinsam können wir viel bewegen.