Chefin in Männerdomäne: Kristin Karolyi-Ensbacher übernimmt Betrieb

Installations-Unternehmen

Seit Juli leitet Kristin Karolyi-Ensbacher das Installations-Unternehmen Karolyi in Neusiedl am See. Die 37-Jährige kombiniert akademische Ausbildung, handwerkliche Expertise und Familienverantwortung und steht damit in einer Branche an der Spitze, die nach wie vor von Männern dominiert wird.

Neo-Chefin Kristin Karolyi-Ensbacher und ihr Vater Robert

Neo-Chefin Kristin Karolyi-Ensbacher und ihr Vater Robert

© WKB

Aufgewachsen im Familienbetrieb

Kristin Karolyi-Ensbacher ist mit dem väterlichen Betrieb aufgewachsen. Dass sie ihn einmal übernehmen würde, habe sich „Schritt für Schritt“ ergeben, erzählt die neue Geschäftsführerin. Nach der Handelsakademie begann sie ein Wirtschaftsstudium und arbeitete parallel im Accounting. „Dann ist daheim eine Bürokraft ausgefallen und ich bin übergangsmäßig neben der Uni eingesprungen – seitdem bin ich da“, erinnert sie sich mit einem Schmunzeln.

Mit 37 Jahren führt sie nun 15 Mitarbeitende, darunter zwei Lehrlinge, fast ausschließlich Männer. Trotz der männlich geprägten Belegschaft sei sie rasch anerkannt worden: „Gegenseitige Wertschätzung hat sich schrittweise schon in den Jahren davor aufgebaut.“

Akademische Ausbildung und handwerkliche Meisterschaft

Mit einem abgeschlossenen Studium in der Tasche stand für sie letztendlich immer mehr auch die Frage nach einer Übernahme des väterlichen Betriebs im Raum. „Meine beiden jüngeren Brüder zeigten kein Interesse. Das war bei mir schon da - woran es bei mir haperte, war die erforderliche handwerkliche Ausbildung.“ Mit viel Eigeninitiative holte die heute zweifache Mama diesbezüglich fehlende Qualifikationen nach – außerordentlicher Lehrabschluss, Meisterprüfung, „einmal für Heizung und einmal für Gas und Wasser.“ Alles mit Bravour und oft unter erschwerten Bedingungen, etwa hochschwanger oder mit Kleinkind.

Mit Geschlechtsstereotypen sei sie kaum konfrontiert gewesen, betont Karolyi-Ensbacher: „Das war eigentlich nie wirklich ein Problem. Nur ein einziges Mal hat ein Lehrer bei einem Kurs, an dem fast nur Männer teilnahmen, gemeint, diese sollten mir doch bitte alles erklären. So nach dem Motto: ,Eine Frau kann das ja nicht wissen‘. Meine Mitschüler haben dann den Lehrer aufgeklärt, dass umgekehrt ich ihnen geholfen hätte.“

Alles aus einer Hand

Das bisherige Konzept des Unternehmens wird im Wesentlichen fortgeführt: „Wir haben uns auf Badezimmersanierungen spezialisiert und bieten Kundenservice mit 3D-Planung und einer Koordination aller Gewerke. Das heißt bei uns gibt es alles aus einer Hand – was nicht viele anbieten.“

Zu den Kundinnen und Kunden des Unternehmens zählen renommierte Betriebe wie die Plachutta Restaurants, die Lugner City in Wien, Mars Austria in Bruck an der Leitha und Ritter Sport in Breitenbrunn.

Abschließend richtet Kristin Karolyi-Ensbacher einen Appell an Frauen in handwerklichen Berufen: „Es wäre schön, wenn es mehr weibliche Lehrlinge in Männerberufen gäbe. Wir selbst hatten bisher noch kein einziges auszubildendes Mädchen in unserem Unternehmen. Es ist wie beim Schritt in die Selbstständigkeit: Traut euch!“