Fünf Fragen an ÖVP-Staatssekretärin Claudia Plakolm
Interview
Claudia Plakolm ist Staatssekretärin mit den Arbeitsschwerpunkten Jugend und Zivildienst. Die 29-jährige Oberösterreicherin besuchte den Bezirk Güssing und traf sich mit der BVZ zu einem Exklusivinterview im Gemeindeamt in Ollersdorf. Die Fragen stellte die 19-jährige Jus-Studentin Linda Toth.
Linda Toth, Staatssekretärin Claudia Plakolm und ÖVP-Güssing Bezirksvorsitzender Bernd Strobl.
© Bertie Unger, Jens Krauss
Ich interessiere mich sehr für Politik, doch die letzten Jahre haben nicht nur an meinem Vertrauen in die Regierung genagt. Glauben Sie, dass Streitigkeiten zwischen den Parteien Jugendliche davon abschrecken, selbst politisch tätig zu werden?
Claudia Plakolm: Worauf es in einer Demokratie ankommt, ist das aufeinander Zugehen und das ist auch mit Kompromissen verbunden. Wir sind in einem Superwahljahr, indem es auch darum geht, was nach diesem Wahltag passieren wird. Jede Partei, die demokratisch legitimiert ist, auf die müssen wir zugehen und Gräben überwinden. Dieses aufeinander Zugehen war uns als Volkspartei immer wichtig. Wo es sich anders verhält, das sind einzelne Personen und das ist in unseren Augen ganz klar Herbert Kickl. Man hat als Politiker eine große Verantwortung, da sind Menschen die darauf vertrauen, was man von sich gibt. Politiker, die ein Sicherheitsrisiko darstellen, mit denen kann ich auch ganz persönlich nicht zusammen arbeiten.
Sie sind eine Politikerin, die mit 15 schon voll dabei war. Wenn Jugendliche später in die Politik einsteigen wollen, gibt es da Organisationen, die den Einstieg erleichtern?
Plakolm: Natürlich ist jeder herzlichwillkommenn, die Zukunft unseres Landes mit zu gestalten. Man kann sich nicht nur in Vereinen einbringen, sondern auch kommunalpolitisch. So habe ich damals auch angefangen, im Gemeinderat. Aber gleichzeitig müssen sich alle politischen Parteien überlegen, wie man diese Einladung dazu auch kontinuierlich aussprechen kann. Und da geht es vor allem bei Jugendlichen darum, welches Bild man von der Politik vermittelt. Das war in den letzten Jahren da und dort ein bisschen abschreckend. Und deshalb müssen sich da alle an der Nase nehmen, um so zu agieren, dass Jugendliche Lust auf Politik bekommen. Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, politische Jugendorganisationen zum Beispiel. Und wenn man das mit einem Fußballspiel vergleicht, ist es in anderen Partien nach wie vor so, dass 89 Minuten die Älteren am Spielfeld sind. Der Junge der dann eingewechselt wird, muss sehen, in der restlichen Spielzeit ein Tor zu machen und das ist unrealistisch. Wir als Volkspartei haben den Anspruch, dass wir repräsentativ sind und die breite Mitte der Gesellschaft abbilden. Mir ist es wichtig, dass junge Menschen nicht auf der Ersatzbank sitzen, sondern schon von Minute 1 an mitspielen.
Sie sind ja als Staatssekretärin für Jugend und Zivildienst zuständig. Wie finden Sie die Idee, auch für Frauen den Zivildienst einzuführen?
Plakolm: Die Diskussion, warum es da keine vergleichbaren Modelle gibt, kommt vor allem bei Frauen häufig auf. Wir haben für den sozialen Bereich das Freiwillige Soziale Jahr als Möglichkeit. Beim Grundwehrdienst gibt es mittlerweile auch den freiwilligen Grundwehrdienst für Mädchen. Da stehen viele Türen offen, um auch Karriere zu machen. Ich selbst hab mit 16 überlegt, zum Bundesheer zu gehen, um bei der Militärmusik anzufangen. Wer Interesse hat, soll diese Angebote sowohl beim FSJ, als auch beim Heer annehmen. Ganz generell ist das eine Verfassungsmaterie, warum das nicht verpflichtend ist. Aber diese Debatte wird in Österreich noch nicht geführt. Manchmal auch aus gutem Grund, weil es punkto Gleichberechtigung in anderen Bereichen zuerst wird das Pensions-Antrittsalter angeglichen. In der Familienarbeit braucht es mehr Anreize zur Gleichberechtigung. Wenn das passiert ist, können wir diese Debatte dann auch gerne führen.
Ich habe selbst ein Freiwilliges soziales Jahr in einer Jugend WG absolviert und hatte das Glück in einer Vorzeige WG zu arbeiten. Das ist nicht überall so. Was haben Sie geplant, um die Situationen in diesen Häusern zu verbessern?
Plakolm: Ich habe schon viele unterschiedlichste Einrichtungen dieser Art besucht. Man spürt die Leidenschaft, mit der Menschen in diesen Einrichtungen arbeiten und diese Infrastruktur kann man nicht bereitstellen. Das steht und fällt mit dem Feuer, das die Menschen haben, die dahinter stehen. Aber ich bemühe mich, diese Einrichtungen gemeinsam mit den Ländern, die auch dafür verantwortlich sind, auf aktuellem Stand zu halten und das insbesondere auch die Pflegeausbildung attraktiviert wird. Denn viele junge Menschen trauen sich das zu.
Auf Ihrer Instagram-Seite haben sie geäußert, dass es mehr Klima und Umweltschutz braucht. Klimakleber lehnen Sie ab. Wie kann man darauf mehr aufmerksam machen?
Plakolm: Ich kann mit solchen Formen von Klima-Aktionismus wenig anfangen, ich sitze lieber am Verhandlungstisch. Und ich bin eher eine, die konsequent aufs Tempo drücken will. Wir haben eine ökosoziale Steuerreform eingeführt und dabei geben wir CO2 erstmalig einen Preis. Wir setzen Anreize, um weniger Emissionen auszustoßen, egal ob als Betrieb, oder als Einzelperson. Und man spürt schon ein Umdenken. Wir haben 2022 5,8 Prozent CO2 eingespart und 2023 noch einmal fast sieben Prozent insgesamt. Diesen vernünftigen Weg müssen wir weiter gehen.