Beatrix Fischer-Pochtler: „Steckt viel Herzblut und Tradition drinnen“

Interview der Woche

Beatrix Fischer-Pochtler, Präsidentin der Oberpullendorfer Faschingsgilde „Die Krebsler“ im BVZ-Gespräch darüber, dass Lachen das ganze Jahr wichtig ist und wie sie mit ihrem Team dazu beiträgt, dass die Menschen auch Grund dazu haben.

Beatrix Fischer Pochtlers (r.) Lieblingsrolle war jene im Stück „Beim Heurigen“ an der Seite von Dolfi Schnucker als burgenländisches Ehepaar, das beim Heurigen auf zwei Amerikaner – gespielt von Werner und Doris Hosiner trifft. Sie stand aber auch schon in vielen anderen Rollen auf der Bühne und sogar vor der Fernsehkamera.

Beatrix Fischer Pochtlers (r.) Lieblingsrolle war jene im Stück „Beim Heurigen“ an der Seite von Dolfi Schnucker als burgenländisches Ehepaar, das beim Heurigen auf zwei Amerikaner – gespielt von Werner und Doris Hosiner trifft. Sie stand aber auch schon in vielen anderen Rollen auf der Bühne und sogar vor der Fernsehkamera.

© Michaela Grabner

In Villach heißt es in der Faschingszeit Lei - Lei, in Oberpullendorf Pulai, Pulai - wie ist dieser Ruf entstanden?

Beatrix Fischer-Pochtler:Jede Gilde hat einen Ruf - unserer leitet sich aus Ober„pul“lendorf ab und dann kam noch das lai dazu, wann er entstanden ist, das entzieht sich meiner Kenntnis.

1994 wurde die Oberpullendorfer Faschingsgilde aus der Taufe gehoben, um das Faschingsbrauchtum zu pflegen, zu erhalten und zu erneuern. Wie gut ist das aus heutiger Sicht - also 30 Jahre später - geglückt?

Beatrix Fischer-Pochtler:Am 30. März 1994 wurde die Faschingsgilde bei einer Gründungsgeneralversammlung gegründet — damaliger Obmann war Josef Buchinger. Aus heutiger Sicht finde ich es einfach schön, dass es bis heute in diesem Verein Menschen gibt, die das Faschingsbrauchtum pflegen und mit vollem Einsatz dabei sind.

Was ist Ihnen als Präsidentin für die Gilde und deren Zukunft ein besonderes Anliegen?

Beatrix Fischer-Pochtler:Ein besonderes Anliegen ist mir natürlich, dass die Gilde auch in Zukunft weiter besteht und die Energie und der Elan unserer Mitglieder erhalten bleiben. Natürlich wünsche ich mir auch, dass uns der Nachwuchs nicht ausgeht und wenn jemand Lust zum Theaterspielen oder Talent zum Stücke Schreiben hat — darf er/sie sich gerne bei uns melden.

Die Oberpullendorfer Krebsler sind eine von nur vier Faschingsgilden im Burgenland. Macht einen das stolz?

Beatrix Fischer-Pochtler: Natürlich macht einen das stolz, vor allem, dass ich so ein tolles Team habe und dass wir auch erfolgreich sind mit all dem, was wir auf die Beine stellen. Es steckt das ganze Jahr viel Arbeit dahinter und nur mit Mitgliedern, die Spaß an der Sache haben, kann man Erfolg haben.

Was unterscheidet die Oberpullendorfer Gilde von anderen?

Beatrix Fischer-Pochtler:Ich denke, jede Gilde ist etwas Besonderes auf ihre Art. Bei uns steckt jedenfalls viel Herzblut und Tradition drinnen. Vielleicht unterscheidet uns von den anderen Gilden, dass wir sehr präsent sind. Wir beginnen mit Martini die Saison. Wir haben unsere sieben Kapplsitzungen. Wir organisieren für die Stadt Oberpullendorf jedes Jahr den Faschingsumzug. Wir vertreten Oberpullendorf bzw. das ganze Burgenland bei der TV-Sendung „Narrisch guat“ und seit vorigem Jahr haben wir noch unser Sommerkabarett. Dann sind wir noch in der glücklichen Lage eine Garde zu haben - also viel mehr kann man als Gilde gar nicht mehr haben.

Ein besonderes Highlight ist jedes Jahr das Kapplkabarett. Wie lange wird geprobt und woher kommen die Ideen?

Beatrix Fischer-Pochtler:Wir bekommen nach Martini unsere Texte - diese muss dann vorerst jeder mal für sich selbst lernen. Anfang Jänner geht es los mit den Proben - wir haben echt tolle Schauspieler, die beim Lernen und Proben sehr konsequent sind. Die Ideen kommen aus dem, was sich im Laufe des Jahres in der Bundes-, Landes- und Gemeindepolitik abspielt, Alltagsgeschichten, die man vielleicht selbst erlebt hat, und manchmal sammelt oder ergänzt man Geschichten von Kabarettisten und schreibt sie passend auf unsere Gilde um. Ich habe jedoch das Glück, dass ich tolle Texter habe.

Worauf darf man sich beim heurigen Kabarett schon besonders freuen?

Beatrix Fischer-Pochtler:Das wird nicht verraten. Jedes einzelne Stück ist etwas Besonderes.

Sie stehen bei den Kabaretts ja auch immer selbst mit auf der Bühne. Welche Rolle haben Sie bislang am liebsten gespielt und warum? In welchen Rollen werden Sie heuer zu sehen sein?

Beatrix Fischer-Pochtler: Meine Lieblingsrolle durfte ich zwei Mal spielen. „Beim Heurigen“ war ein Stück, bei dem zwei Amerikaner beim Heurigen auf ein burgenländisches Ehepaar treffen und das burgenländische Ehepaar spielten Dolfi Schmucker und meine Wenigkeit. Dieses Stück zu spielen war eine Herausforderung, da es schwierig war, nicht selbst einen Lachanfall zu bekommen. Heuer bin ich nicht viel auf der Bühne zu sehen. Ein Stück darf ich mit Joschi Patek spielen, der zu mir in die Partnervermittlungsagentur kommt - man darf gespannt sein, wie dies ausgeht. Einen kurzen Auftritt habe ich dann noch bei einer Gerichtsverhandlung, bei der ich die Verteidigerin spielen darf.

Mit ihren Kabarettnummern ist die Gilde ja auch Stammgast im Fernsehen bei „Narrisch guat“. Wie ist es vor der Kamera zu spielen – leichter oder schwerer als vor Live-Publikum?

Beatrix Fischer-Pochtler:Auch in Kärnten hat man sein Live-Publikum für die Aufnahmen, aber das ist weit nicht das selbige wie auf unserer Bühne mit unserem Publikum — ich liebe einfach unser Publikum. Da steckt viel mehr Herzlichkeit dahinter, man kennt teilweise die Personen, die im Publikum sitzen. Wir freuen uns immer wieder auf unsere Stammgäste.

Es ist natürlich jedes Mal eine Herausforderung vor der Kamera zu stehen und es macht natürlich auch Spaß in Kärnten, wenn man auch immer mit Herzklopfen und Lampenfieber auf die Bühne geht. Aber erwähnen muss ich auch, dass das ORF-Team in Klagenfurt ganz besondere Menschen sind, die sich immer auf uns freuen und mit ihrer Herzlichkeit uns doch etwas von unserem Lampenfieber nehmen.

Heuer fällt der Faschingdienstag in die burgenländischen Semesterferien, aber es soll wieder einen großen Umzug geben. Wann hat der allererste stattgefunden? Wie ist es dazugekommen?

Beatrix Fischer-Pochtler:Wie es dazu gekommen ist - kann ich nicht wirklich sagen - das ist zu lange her und weit vor meiner Zeit gewesen. Schön ist es, dass es den Umzug gibt. Laut meinen Aufzeichnungen war der erste Umzug 1977 und 2024 findet der 46. Umzug statt - lediglich im Jahr 2022 ist der Umzug ausgefallen.

Es ist uns immer wieder eine Freude, diesen Umzug für die Stadtgemeinde zu organisieren. Ob er in die Semesterferien stattfindet oder nicht - das ist eigentlich nicht relevant - es gab schon so oft einen Umzug in den Semesterferien und immer war es eine großartige Sache. Wir freuen uns auf alle, die dabei sein wollen - als Fußtruppe oder mit einem Fahrzeug - jeder ist herzlich eingeladen und braucht sich nur bei mir oder Isi Prattinger melden.

Die meisten Menschen meinen, dass am 11.11. der Fasching beginnt. Wieso ist das ein Irrglaube?

Beatrix Fischer-Pochtler:Wahrscheinlich weil am 11.11. die Narren geweckt werden, verbinden viele den Faschingsbeginn damit - und dann wird es leider oft auch von den Medien falsch übermittelt.

Beatrix Fischer-Pochtler: „Steckt viel Herzblut und Tradition drinnen“

© Michaela Grabner

Wieso ist der Fasching Ihre liebste „Jahreszeit“?

Beatrix Fischer-Pochtler:Erstens, weil es eine schöne Tradition ist und zweitens, weil imFasching alles so schön bunt und verrückt ist.

Wie haben Sie sich als Kind am liebsten verkleidet?

Beatrix Fischer-Pochtler:Ich bin ein Mädchen.... natürlich als Prinzessin.

Wie wichtig ist Lachen in Zeiten wie diesen?

Beatrix Fischer-Pochtler:Ich bin ein Mensch, der das Leben liebt und immer versucht positiv zu denken. Mir ist das Fröhlichsein und Lachen das ganze Jahr wichtig.

Was ist Ihnen als Präsidentin für die Gilde und deren Zukunft ein besonderes Anliegen?

Beatrix Fischer-Pochtler: Ein besonderes Anliegen ist mir natürlich, dass die Gilde auch in Zukunft weiter besteht und die Energie und der Elan unserer Mitglieder erhalten bleiben. Natürlich wünsche ich mir auch, dass uns der Nachwuchs nicht ausgeht und wenn jemand Lust zum Theaterspielen oder Talent zum Stücke Schreiben hat — darf er oder sie sich gerne bei uns melden.