Ewald Tatar: „Man muss sich ständig weiterentwickeln“
Interview der Woche
Ewald Tatar über die Ursprünge und die Entwicklung des Nova Rock, andere Events und zukünftige Pläne.
Ewald Tatar veranstaltet das diesjährige Nova Rock vom 13. bis 16. Juni, er steckt jedoch bereits mitten in den Planungen für das kommende Jahr.
© Pascal Riesinger, PASCAL RIESINGER
BVZ: 2005 ging zum ersten Mal das Nova Rock über die Bühne. Können Sie sich noch an die Ursprünge des Mega-Events erinnern?
Ewald Tatar: Ursprünglich war geplant, dass das Nova Rock Festival der Nachfolger des Aero Drome mit Schauplatz Civitas Nova in Wiener Neustadt wird – so entstand der Name für das Nova Rock. Es hat dann vertragliche Probleme gegeben. Als Burgenländer habe ich mir dann gedacht, dass ich mir ein Gelände im Burgenland suche. Wichtig war, dass die Anbindung an die Autobahn eine sehr gute ist. Wir sind dann auf die Fläche in Nickelsdorf gestoßen. Das erste Mal wurde das Nova Rock bei der Abfahrt Mönchhof veranstaltet. Im nächsten Jahr sind wir dann „übersiedelt“, ich denke dies ist ein idealer Standort für ein solches Groß-Event.
War es damals sehr schwierig, Top-Acts zu überzeugen, bei einem neuen Festival aufzuspielen?
Tatar:Unser Vorteil war, dass wir den Rückenwind vom Aero Drome hatten. Mit Metallica, Red Hot Chilli Peppers und einigen anderen hat dort alles gespielt, was Rang und Namen hat. Im ersten Jahr haben wir uns an die 'ganz großen Dinge' noch nicht herangetraut, weil das Gelände doch neu war. 2006 war Metallica dabei und das Nova Rock hatte sich bereits damals etabliert.
Wie würden Sie das Erfolgsgeheimnis des Nova Rock beschreiben?
Tatar: Man darf nicht stehen bleiben, man muss sich ständig weiterentwickeln. Im Jahre 2015 zum Beispiel haben wir gemerkt, das wir breiter, im Bereich der Musikrichtungen offener werden müssen. Auch das Angebot ist nun ein anderes als noch vor zehn, 15 Jahren. Mit der Food Truck-Entwicklung hat man das Festival auch gastronomisch etwas anders aufsetzen können. Ein 'Burger'- oder 'Hot Dog−Festival' gibt es nicht mehr. Wir offerieren zum Beispiel auch Diamond−VIP-Tickets, mit denen die Leute in 4−oder 5−Stern-Hotels wohnen, vom Hotel zum Festival gebracht und dann wieder abgeholt werden.
In diesem Jahr findet das Nova Rock vom 13. bis 16. Juni, also wieder an vier Tagen, statt. Soll dies zur Regel werden?
Ta tar:Bei meinen Planungen gehe ich zu Beginn immer von drei Tagen aus. Wenn es Sinn macht, eine vierten Tag d'ranzuhängen, machen wir dies, wir schauen jedoch von Jahr zu Jahr.
Wann starten immer die Planungen für das Nova Rock?
Tatar:„Ich bin jetzt schon eigentlich mitten drin in den Planungen für nächstes Jahr. Durch die Corona−Pandemie hat sich alles etwas verschoben. Mit einigen Positionen sind wir bereits für 2025 in Kontakt, bestätigt ist jedoch noch nichts.
© Klaus Zwinger
Sie haben Ihre musikalischen Ursprünge als DJ im Jazz Pub. Legen Sie selber noch auf ?
Tatar: Ja. Drei-, viermal pro Jahr bei der Kama-Party in Oberwart, bei der Nova Rock Warm-Up-Party im U4 und beim Picture on in Bildein. Es macht nach wie vor großen Spaß und es tut mir gut, um etwas 'herunterzukommen'.
Jetzt sind Sie schon sehr lange im Geschäft. 'Green Day', einer der Haupt-Acts des diesjährigen Nova Rock, war zum Beispiel auch bereits 2005 dabei. Baut man über die Jahre hinweg persönliche Beziehungen zu manchen Künstlern auf?Tatar: Nein, die Künstler stehen ja unter enormem Stress, sie 'schießen' von einem Gig zum anderen, die Kommunikation läuft auf Small Talk-Basis ab.
Am 5. Juli wird heuer im Eisenstädter Schlosspark zum zweiten Mal das “Butterfly Dance„-Festival veranstaltet.
Tatar: Es war ein Konzept, das ich schon länger umsetzen wollte. Es sollte tanzbar und musikalisch bunt, nach vielen Richtungen offen sein. Im vergangenen Jahr sind zunächst viele Besucher wegen Parov Stelar gekommen. Das Gesamt-Konzept und der eine oder andere Act hat vielen Besuchern zugesagt, das 'Butterfly Dance' war ein großer Erfolg. Da lag es somit auf der Hand, dass wir es heuer wieder veranstalten.
Der Eisenstädter Schlosspark ist mittlerweile ein fixer Bestandteil von Veranstaltungen.
Tatar: Als die Zusammenarbeit mit 'Wiesen' endete, habe ich mich umgeschaut, wo man im Burgenland Festivals veranstalten kann. Die Kooperation mit Esterhazy klappt hervorragend und der Schlosspark ist eine perfekte Location für solche Events.
Dort finden am 5. und 6. Juli auch die 'Lovely Days' mit Künstlern wie Status Quo, Uriah Heep oder auch Earth Wind and Fire statt. Gestaltet sich die Zusammenarbeit mit älteren Musikern anders als mit den 'jungen'?
Tatar: Ja, dies ist etwas relaxter, die ganze Abwicklung ist einfacher zu handhaben. Grundsätzlich sind die Festivals in Eisenstadt etwas entspanntere Tage. Der Vorverkauf für das 'Lovely Days' läuft extrem gut, es wird sicherlich bereits eine Zeit lang vor der Veranstaltung ausverkauft sein.
Wie geht man als Konzert-Veranstalter mit den Teuerungen um?
Tatar:Es wird jeder gemerkt haben, dass die Ticket-Preise in den letzten zwei, drei Jahren sukzessive gestiegen sind. Ich kann aktuell nicht sagen, wie es weitergehen wird oder wann der Zenit erreicht ist. Faktum ist jedoch, dass in jedem Bereich alles teurer geworden ist, auch für die Musik-Bands. Es ist wie eine Spirale, die die Kosten in die Höhe treibt. Beim Lovely Days und beim Butterfly Dance waren wir jedoch sehr konstant. Auch hier werden wir wahrscheinlich erhöhen müssen.
Beim Nova Rock Festival gibt es heuer zum ersten Mal „Sozialtickets“.
Tatar:Wir vergeben in Kooperation mit der Volkshilfe 1.000 Tagestickets an armutsgefährdete Menschen, um mehr soziale Teilhabe zu ermöglichen. Diese Besucher können gratis zum Festival rein und werden an diesem Tag auch von uns gratis verpflegt. Es war mir schon lange ein großes Anliegen, dass man in diesem Bereich etwas macht. Umgesezt wird dies in Kooperation mit Erich Fenninger und der Volkshilfe, die ganze Abwicklung erfolgt über die Organisation. Mit Erich Fenninger hat es ja bereits Zusammenarbeiten wie bei 'We stand with Ukraine' gegeben.
Heuer veranstalten Sie zum ersten Mal auf der Seebühne Konzerte.
Tatar: Wir bringen am 15. Juli Zucchero und am 30. Juli James Blunt nach Mörbisch. Dies ist eine Kooperation mit dem Land Burgenland auf einige Jahre. Es sollen andere Shows im Pop-Rock-Bereich in Mörbisch positioniert werden. Ziel ist, zwischen zwei und vier Shows zu veranstaltetn.
Welches Rezept verfolgen Sie, um nicht auszubrennen?
Tatar: Auch bei mir gibt es anstrengendere und entspanntere Phasen. Ich versuche, so viel Zeit wie möglich aufzubringen, dass ich immer wieder abschalten kann und auch wegkomme. Ich war erst drei Wochen in Costa Rica. Bei uns ist die Zeit von Jännner bis Mitte Februar nicht so dicht bestückt, dann geht es wieder voll durch.
Gibt es Pläne für neue Projekte?
Tatar:Wir haben in den letzten ein, zwei Jahren in den Osten etwas reingeschnuppert. Wir haben drei Shows mit Ed Sheeran in Budapest, in Zagreb und in Bukarest im Nationalstadtion, Nik Cave in Zagreb. Unser Plan ist, in den östlichen Ländern etwas mehr auf die Beine zu stellen.