Friederike Pirringer: „Eine besondere Lebenseinstellung und Haltung“
Interview der Woche
Rot Kreuz-Präsidentin Friederike Pirringer über das tolle Engagement der Mitarbeiter, Herausforderungen durch die Covid-Pandemie, absolvierte und anstehende Infrastruktur-Projekte für das Rote Kreuz.
Friederike Pirringer: "Mein Dank gehört unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - ob beruflich oder ehrenamtlich – deren herausragendes Engagement durch eine besondere Lebenseinstellung und Haltung geprägt ist.“
© Richard Vogler
Welche waren 2023 die größeren Projekte für das Rote Kreuz Burgenland im Bereich der Infrastruktur und was steht für heuer an?
Friederike Pirringer: Bei unserer Landeszentrale haben wir unser Katastrophenschutzlager erweitert. Die ersten Planungen haben mit der Pandemie begonnen, die endgültige Fertigstellung ist im vergangenen Jahr erfolgt. Es gibt nun auch eine neue Rot Kreuz-Stelle in Oberwart. Nach diesem Großprojekt müssen wir nun einmal durchatmen. Die Nutzfläche der neuen Bezirksstelle auf 6.457 Quadratmetern beträgt 1.900 Quadratmeter, die Bauzeit betrug 17 Monate. Wir wissen jedoch auch, dass Mattersburg eine Veränderung braucht, es soll einen Aus- und Umbau geben. Der Standort ist viel zu klein geworden. Heuer ist die Planungsphase, im kommenden Jahr soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Im Oktober 2023 übten im Raum Güssing Rotkreuz-Teams aus ganz Österreich in 15 Szenarien verschiedene Gefahren- und Schadenslagen. Mit etwas Abstand betrachtet, wie waren Sie mit dem Ablauf zufrieden?
Pirringer: Die Planung hat das Burgenland gemeinsam mit dem Generalsekretariat durchgeführt, dies hat fast ein Jahr Vorlaufzeit benötigt. Es waren über 500 Sanitäter aus ganz Österreich dabei. Rechnet man noch das weitere Personal dazu, waren 1.000 Menschen beteiligt. Dies war eine logistische Herausforderung. Die Übung ist wirklich gut verlaufen, wir hatten die verschiedensten Szenarien wie einen Chlorgasunfall im Schwimmbad, einen Reitunfall, bei dem Menschen in der Lafnitz gelandet sind, von der Burg Güssing eine Seilbergung durchgeführt, es war breit gefächert. Es war dann auch bei der Präsidentenkonferenz zu hören, dass es nicht nur fachlich, sondern auch menschlich top war. Unsere zwei Feldküchen und einer steirischen Feldküchen haben 1.000 Leute über fünf Tage rund um die Uhr mit Essen versorgt. Das muss man einmal schaffen.
Das Projekt „Lesepaten“ nahm seinen Ursprung im Burgenland, mittlerweile ist es in Österreich eine Institution. Mit Corona musste einen Pause eingelegt werden. Wie steht es nun um das Projekt?
Pirringer: Der Bedarf ist mittlerweile höher, weil den Kindern oft die Übung fehlt, laut zu lesen. Corona war eine Zeit, wo viele an den sozialen Medien 'gehangen' sind und wenige an den Büchern. Diese Lücke merkt man nun einfach.
Sie haben bereits angekündigt, dass Sie 2025 ihr Amt als Präsidentin des Roten Kreuzes übergeben werden. Gibt es diesbezüglich schon einen „Fahrplan“ und einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin?
Pirringer: Es wird Mitte des Jahres sein. Wir sind auf der Suche nach einem guten Team, weil das Rote Kreuz funktioniert nur im Team. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Es ist immer einfacher, Mitarbeiter für ein Projekt zu finden als jemanden, der sich vorne hinstellt und die gesamte Verantwortung übernimmt. Als Verein sind ja auch die Funktionäre in der Haftung.
Gibt es schon Pläne für die Zeit danach?
Pirringer: Es wird für mich die absolute Zäsur werden, ich war bis dato nicht in Pension, dieses Wort kenne ich nicht. Ich war Direktorin in der Landwirtschaftlichen Fachschule, habe damals schon die Neusiedler Rot Kreuz-Bezirksstelle übernommen und dann den Landesverband. Dies ist nahtlos übergegangen. Damals ohne Pensionsschock, den habe ich dann nächstes Jahr (lacht).
Was werden Sie dann mit Ihrer freien Zeit anfangen?
Pirringer: Ich liebe Theater, Musik, meinen Garten und vielleicht lerne ich dann einmal das Wort 'Freizeit' kennen.
Die acht Standorte der Team Österreich Tafel wurden vor mittlerweile 14 Jahren aus der Taufe gehoben, dort werden kostenlose Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Mittlerweile gibt es mit den Sonnenmärkten ein Angebot vom Land Burgenland, das dieselben Güter zu stark vergünstigten Preisen – ebenso an Bedürftige – vergibt.
Pirringer:Unser System funktioniert völlig anders. Wir bekommen Lebensmittel geschenkt und wir verschenken sie, wir haben noch nie etwas verkauft. Und alles, was an Logistik dazwischen ist, wird von Freiwilligen gemacht. Die Kosten, die anfallen, stemmen wir aus Spenden. Wir beziehen unsere Waren von umliegenden Supermärkten und Bauern.
Gibt es durch die anderen Anbieter Engpässe bei den Waren?
Pirringer: Alle anderen Anbieter beziehen aus den gleichen Quellen wie wir. Natürlich wird die Ware dann etwas weniger und auch die Supermärkte 'fahren' eigene Programme, mit denen sie Lebensmittelverschwendung vermeiden.
Gibt es aufgrund der Inflation weniger Geldspenden in letzter Zeit?
Pirringer: Nein, erfreulicherweise sind sie nicht weniger geworden, sie verteilen sich nur etwas anders. Es wurde zum Beispiel viel für die Ukraine gespendet. Die Burgenländer sind großartig!
Mit der Fertigstellung der S7 inklusive Tunnel gibt es eine neue Herausforderung für die Einsatzkräfte des Roten Kreuzes. Wie ist man dafür vorbereitet?
Pirringer:Wir haben unseren Stützpunkt in Rudersdorf nun rund um die Uhr besetzt. Wir haben bereits gemeinsame Übungen mit unseren steirischen Kollegen, der Polizei und der Feuerwehr durchgeführt. Wir sind gut vorbereitet.
Wie haben Sie die Auswirkungen von Corona auf die Mitarbeiter des Roten Kreuzes wahrgenommen?
Pirringer:Die Mitarbeiter sind unter hohem Stress gestanden. Ich bewundere jeden einzelnen der Hauptberuflichen und Freiwilligen. Als die Pandemie abgeklungen ist, hat man gemerkt, dass alle etwas zusammenbrechen. Wir haben uns dann auch bemüht, Zeit zum Durchatmen und für Psychohygiene zu schaffen.
Eine Organisation wie das Rote Kreuz wäre ohne die zahlreichen Freiwilligen nicht zu „stemmen“.
Pirringer:Dies ist richtig. Mein Dank gehört unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - ob beruflich oder ehrenamtlich – deren herausragendes Engagement durch eine besondere Lebenseinstellung und Haltung geprägt ist. Auch bei der burgenländischen Bevölkerung möchte ich mich herzlich bedanken, die unsere Arbeit nicht nur wertschätzt, sondern auch großzügig unterstützt. Ich kann versprechen, dass wir auch in den nächsten Jahren als Rotes Kreuz für die Burgenländerinnen und Burgenländer mit unseren vielfältigen Angeboten da sind und Verantwortung übernehmen!
© Richard Vogler