Markt der Erde: „Nach 270 Markttagen ist immer noch jeder spannend“

Interview der Woche

Der Markt der Erde in Parndorf findet bereits seit 15 Jahren einmal im Monat statt. Am kommenden Samstag, 07. Juni, ist wieder von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Am 05. Juli findet der Jubiläumsmarkt statt.

Auch in der Pension hat Monika Liehl noch einige Ziegen auf ihrem Hof.

Auch in der Pension hat Monika Liehl noch einige Ziegen auf ihrem Hof.

© Klaus Zwinger

Erinnern Sie sich noch, wie damals die Idee entstanden ist, einen Markt der Erde zu gründen?

Monika Liehl:Ja, daran erinnere ich mich noch ziemlich genau. Bei uns im Nordburgenland haben damals Slow Food-Stammtische stattgefunden, die Michael Andert organisiert hat. Ich habe damals schon begonnen Ziegenkäse zu produzieren und mich hat damals ein Winzer, der Jörg Bretz, mitgenommen. Er meinte „komm mit, das interessiert dich ganz sicher.“

Ich bin ab diesem Zeitpunkt zu fast allen Stammtischen gegangen, das war immer in Kombination mit einer interessanten Führung im Betrieb eines Produzenten. Und bei diesen Stammtischen ist im Prinzip die Idee entstanden. Weil wir gesehen haben, welch herausragende Betriebe es schon alleine im Seewinkel gibt und es gleichzeitig irre Strecken sind, die man als Konsument zurücklegen müsste, um an alle Produkte für einen umfassenden Einkauf zu kommen. Und da habe ich schon an den großen Stadel daheim gedacht und meinen Mann überzeugt.

In weiterer Folge haben wir den Stadel hergerichtet, ein neues Dach darauf gemacht und Kerstin Rohrer von Slow Food Burgenland hat mir vom globalen Slow Food-Konzept der Earth Markets erzählt, das hat mich inspiriert, gleich einen Markt nach besonderen Kriterien zu eröffnen. Und in wenigen Monaten ging es los.

Wissen Sie noch, wann genau der erste Markt der Erde stattgefunden hat?

Liehl:Ja, das war am 28. August 2010. Die ersten Ziegen bekam ich im Dezember 2009, damals habe ich von meinem Mann zwei trächtige Ziegen geschenkt bekommen.

Markt der Erde: „Nach 270 Markttagen ist immer noch jeder spannend“

© Mara Hohla

Was haben Sie davor gemacht?

Liehl:Ich war davor im Verkauf und Marketing und zuletzt über zehn Jahre in der Finanzdienstleistung tätig. Die Banken- und Finanzkrise 2008-2009 war dann für mich der ausschlaggebende Zeitpunkt, wo ich echt angefangen habe, über die wesentlichen Dinge im Leben nachzudenken. Es war schon immer mein Traum – ich hab immer gesagt: „Wenn ich mal in Pension bin, dann will ich Ziegen haben und Käse machen.“

Und Gott sei Dank hat sich das dann so schon früher ergeben. Jetzt bin ich seit sechs Jahren in Pension, und da merkt man schon: Fürs Käsemachen ists körperlich irgendwann einfach zu viel. Seit einem Jahr mach ich keinen Käse mehr – ich soll nicht mehr so schwer heben. Aber die Zeit davor war wunderschön, und ich bin froh, dass ich's gemacht hab.

Haben Sie aber dennoch weiterhin Ziegen?

Liehl:Natürlich habe ich noch Ziegen, aber eben nicht mehr im selben Ausmaß wie früher - was wäre schon ein Ziegenhof ohne Ziegen (lacht). Nachdem es ja zuletzt Auflagen aufgrund der Maul- und Klauenseuche gab, waren einige Gäste, allen voran natürlich Kinder, ganz verzagt, dass sie sie am Markttag nicht füttern und streicheln durften. Jetzt werden wir das langsam mit gewissen Vorsichtsmaßnahmen wieder zulassen.

Wie viele Ziegen sind es derzeit?

Liehl: Aktuell habe ich zehn große und zwei Babys. Primär eben zum Streicheln und wenn es uns einfällt machen wir uns zwei Scheiben Käse, so ungefähr (lacht).

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© zVg / Liehl

Wie ist die Anfangszeit des Marktes verlaufen?

Liehl: Das war spannend und in mancher Beziehung herausfordernd, besonders was das Finden der Produzenten betrifft. Als Markt der Erde muss man nämlich ein gewisses, sehr regionales und hochwertiges Sortiment anbieten. Es muss Brot und Gebäck da sein, Milch da sein, Fleisch und Gemüse da sein, damit man mehr oder weniger einen kompletten Einkauf am Markt erledigen kann. Die Produzenten müssen aus der näheren Umgebung kommen, aber mit der Vorgabe von 40 Kilometer Luftlinie um den Standort kommt man schon ganz schön weit.

Ebenso müssen die Produzenten direkt vor Ort sein, denn das Vertrauensverhältnis zwischen Konsument und Produzent ist sehr wichtig. Außerdem gibt es natürlich noch die Kriterien „gut, sauber und fair“. „Gut“ bedeutet, dass es von Qualität und Geschmack hervorragend ist, „sauber“, dass ökologisch einwandfrei und möglichst bio-zertifiziert produziert wird und „fair“ steht für den respektvollen Umgang mit allen Beteiligten und angemessene Preise für alle.

Gab es dabei Produzenten, die schwieriger zu finden waren als andere?

Liehl:Herausfordernd war es, einen Bio-Bäcker aus der Umgebung zu finden, der dann obendrein auch noch bereit ist, auf den Markt zu gehen. Wir konnten dann Gott sei Dank den Bäcker Waldherr aus Kleinhöflein überzeugen, der bereit war, diesen Schritt mit uns zu machen. Das war dann der Moment wo ich mir dachte „Ha, jetzt haben wir's!“ (lacht). Der Rest der Produzenten hat sich dann aus der Riege der Slow Food-Stammtische zusammengefunden.

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© Mara Hohla

Ist nach 15 Jahren auch noch jemand als Produzent aktiv, der von Anfang an dabei war?

Liehl:Ja, das sind noch genau zwei Produzenten. Einerseits die Bio-Freilandeier Lunzer und andererseits eben der Bäcker Waldherr - beide begleiten uns schon von Anfang an!

War das Interesse der Leute gleich von Anfang an da?

Liehl:Wir haben natürlich noch kleiner mit etwa zehn Produzenten angefangen, aber im Grunde lief es von Anfang an schon recht gut.

Wie viele Produzenten finden mittlerweile hier Platz und wie hat sich der Markt in Parndorf über die Jahre entwickelt?

Liehl:Also, der Markt in Parndorf hat sich über die Jahre echt toll entwickelt. Mittlerweile sind an einem Markttag rund 30 Produzenten dabei, und es hat sich ganz schön was getan. Früher ging's vor allem um hervorragende, regionale Qualität – heute sind wir schon einen Schritt weiter Richtung bioregional. Das heißt, wir setzen auf die nachhaltigsten Lebensmittel, die nicht nur gut für unsere Gesundheit sind, sondern auch für den Erhalt der lokalen Landwirtschaft und unsere Umwelt.

Von Anfang an war uns wichtig, dass es hier nicht nur ums Einkaufen geht, sondern auch ums Zusammensein und Genießen. Deshalb gibt's seit Beginn eine Schauküche, die mittlerweile zu einer kleinen Gastroküche gewachsen ist. Dort kann man nicht nur zuschauen, sondern auch probieren, was man aus den frischen Produkten vom Markt alles machen kann. Natürlich gibt's auch an den Ständen Verkostungen, aber in der Schauküche zeigen wir live, wie man daraus eine richtige Mahlzeit macht. Dadurch ist der Markt nicht nur ein Ort, um einzukaufen, sondern auch ein geselliger Treffpunkt – genau so, wie Märkte früher mal waren. Jeder Markttag ist einzigartig und bringt immer wieder neue Überraschungen.

Apropos Schauküche, wie kann man sich das vorstellen?

Liehl:Wir haben immer wieder Gastronomen aus der Region oder Gäste aus dem Slow Food-Umfeld, die kochen. Beim Jubiläums-Markt im Juli wird dann der österreichische Spitzenkoch Johann Reisinger in der Schauküche sein. Er ist Slow Food-Pionier und setzt sich mit Leidenschaft für natürliche Küche, regionale Vielfalt und den Erhalt traditioneller Lebensmittel ein. Er hat beispielsweise gemeinsam mit der Arche Noah die Naturküche groß gemacht, in der wirklich alles verwertet wird.

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© Mara Hohla

Wer war sonst schon unter den Gastköchen?

Liehl:Zum Beispiel der Max Stiegl vom Gut Purbach, der Martin Kugler von der Dankbarkeit, der Hannes Tschida vom Fröhlichen Arbeiter, die Bio-Buschenschank Lehner, der Oliver Wiegand, der Peter H. Müller bekannt als Heimlich Wirt und viele viele weitere.

Wie wählen Sie die Produzenten aus, die im Markt der Erde ihre Produkte anbieten dürfen?

Liehl:Es gibt natürlich laufend Anfragen, denn wenn etwas gut läuft, dann will man dabei sein (lacht). Wir besuchen natürlich die Betriebe und schauen, wie sie arbeiten. Seit drei Jahren ist es auch so, dass Produzenten, die neu dazu kommen bio-zertifiziert sein müssen und generell sollen die Produkte etwas Besonderes sein. Gleichzeitig versuchen wir, möglichst wenig Produktüberschneidungen zu haben.

Markt der Erde: „Nach 270 Markttagen ist immer noch jeder spannend“

© Klaus Zwinger

Wie setzt sich das Publikum beim Markt der Erde zusammen, hat sich in den letzten 15 Jahren etwas verändert?

Liehl:Ich würde sagen, das Publikum ist ein bisschen jünger geworden, was erfreulich ist. Ich merke, dass viele Jungfamilien kommen, die sich bewusster ernähren wollen und auch darauf achten, welchen ökologischen Fußabdruck die Lebensmittel hinterlassen. Aber im Grunde ist das Publikum auch weiterhin ganz durchmischt.

Haben Sie jemals daran gedacht, aufzuhören?

Liehl:Nein. Mir ist der Markt eine derartige Herzensangelegenheit, dass mir das noch nicht in den Sinn gekommen wäre. Ich denke manchmal darüber nach, wer es weitermachen wird, wenn ich es nicht mehr kann, aber das wird sich dann im Verein entscheiden. Der Markt der Erde findet zwar größtenteils auf unserem Privatgrund statt, aber das wird bestimmt kein Hindernis sein.

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© zVg / Liehl

Haben Sie einen besonderen Höhepunkt aus den vergangenen Jahren, der Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Liehl:Vor ein paar Jahren hatten wir Besuch vom Bundespräsidenten und seiner Frau – das war schon was Besonderes! Vor allem seine Frau war total begeistert vom Markt, und auch der Herr Bundespräsident war sehr interessiert, hat überall ein bisschen gekostet und sich wirklich Zeit genommen. Das war ein richtig aufregender Tag (lacht).

Nach über 270 Markttagen muss ich sagen – es ist immer noch jeder einzelne besonders. Kein Markttag ist wie der andere, und genau das macht's so spannend.

Jubiläumsjahr 2025: Termine und Höhepunkte

Veranstaltungsort:Ziegenhof „Ziegenliebe“, Parndorf, jeweils 9–14 Uhr

Nächste Termine:

  • 7. Juni – Alles Kräuter
  • 5. Juli– Großer Jubiläumsmarkt „Sommerfreuden“ mit Live-Musik, Kochshows, Schnippeldisco und Tombola

Weitere Themenmärkte:

  • 2. August– Paradeis & Paprika
  • 6. September– Kürbis & Co
  • 4. Oktober– Erntedank
  • 8. November– GANS gans anders
  • 6. Dezember– Adventglühn
  • 22. Dezember– Abendmarkt WEIHNACHTSFRISCHE (16-20 Uhr)

Rahmenprogramm:

  • Regionale Kochvorführungen
  • Workshops zu Kräuterkunde, Fermentation und Kochen
  • Kinderecke mit kreativen Mitmachaktionen