Neue Gynäkologie-Primaria Eva Pavelka im Interview der Woche
Klinik Oberpullendorf
Vom „Baby- und Familyfriendly Hospital" über Beckenbodengesundheit bis zum zertifizierten Endometriose-Zentrum: die neue Gynäkologie-Primaria der Klinik Oberpullendorf, Eva Pavelka, präsentierte mit Gesundheit Burgenland-Geschäftsführer Franz Öller Zukunftspläne.
Freuen sich schon auf die Eröffnung der neuen Geburtenstation im Frühjahr. Primaria Eva Pavelka, die seit 2. Jänner die Gynäkologie und Geburtshilfe in der Klinik Oberpullendorf leitet, Stationsleitung Eva Sommer und Gesundheit Burgenland-Geschäftsführer Franz Öller. Foto: Grabner
© Michaela Grabner
Wieso verlässt man eine große Klinik wie Wiener Neustadt, um an ein verhältnismäßig kleines Spital wie Oberpullendorf zu wechseln?
Pavelka:Oberpullendorf ist ein kleines Haus, aber alle Abteilungen genießen einen wirklichen ausgezeichneten Ruf bis ins südliche Niederösterreich. Das Leistungsspektrum in der Gynäkologie ist zwar konzentriert auf gutartige Erkrankungen, aber in diesem Bereich wird ausgezeichnete Arbeit vom Team geleistet. Etwas ganz Besonderes ist die Kombination aus Kinderwunschmedizin und operativer Therapie bzw. auch die Diagnostik in einem Klinikum. Ich konnte mich schon in den ersten Tagen überzeugen, dass das Ausbildungsniveau der Assistenten und Assistentinnen wirklich sehr hoch ist. Und die Kombination mit der familiären Atmosphäre in einem kleineren Haus war unter anderem ein Grund, mich zu bewerben. Ich habe auch das klare Commitment von der Politik gespürt, die klinische Arbeit zu stärken und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Das ist ein besonderes Merkmal und macht es als Leitung leichter, hochqualitative Versorgung für Patientinnen zu gewährleisten.
Es soll Medizin auf neuestem Stand der Wissenschaft geboten werden, aber gleichzeitig ein Umfeld, wo gerade in einem sehr intimen Bereich wie der Gynäkologie die Würde, die Selbst- bestimmung und die Geborgenheit an oberster Stelle stehen. Primaria Eva Pavelka
Sie möchten die Zertifizierung zum „Babyfriendly Hospital“ erreichen: Welche Schritte sind erforderlich und was macht ein „Babyfriendly Hospital“ aus?
Pavelka: Wir hoffen, dass wir den Zertifizierungsprozess bis Anfang 2026 schaffen. Die Idee ist, das Personal so zu schulen, dass Frauen in Bezug aufs Stillen gut unterstützt werden können und dafür optimale Bedingungen vorfinden. Das Österreichische Netzwerk Gesundheits- fördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen nimmt diese Zertifzierung vor. Es müssen zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen umgesetzt werden, die sich an WHO- und UNICEF-Kriterien orientieren, wie laufende Schulungen, unmittelbarer Hautkontakt nach der Geburt oder kein Zufüttern, außer es ist medizinisch indiziert. Das Gute ist, dass viele dieser Maßnahmen schon umgesetzt sind. Die Hebammen in Oberpullendorf sind sehr engagiert – auch in der Betreuung von Frauen, die nach der Entlassung Probleme mit dem Stillen haben. Wir geben den Frauen tagtäglich ein geborgenes Umfeld und intensive Beratung, um diesen natürlichen Prozess des Stillens zu unterstützen. Es geht jetzt darum, dass dies extern beurteilt wird.
Öller: Der Stillprozess ist dabei das Maß, an dem man festmacht, inwieweit man ein Baby gut versorgt. Es geht darum mit dem „Babyfriendly Hospital“ ein Umfeld zu schaffen, wo ein natürlicher Versorgungsprozess des Babys entsteht.
Pavelka: Das eine ist babyfriendly, das andere familyfriendly. Die Partner sollen durch den Umbau der Geburtenstation besser miteinbezogen werden in den ersten Tagen nach der Geburt.
Wie sehen da die konkreten Umbaupläne aus?
Pavelka: Mit drei Familienzimmern soll eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen werden, diese sind in Fertigstellung. Die umgebaute Geburtenstation soll im Frühjahr eröffnet werden.
Öller: Schwangere sind ja keine Kranken. Eine Geburt soll ein grundlegend schönes Erlebnis sein. Als Krankenhaus muss man ein Umfeld schaffen, wo so etwas möglich ist. Das ist auch der Grund, warum wir uns entschieden haben, die Geburtenstation neu zu gestalten. „Babyfriendly Hospital“ ist ein Label nach außen, um zu zeigen, dass wir sehr weit sind mit diesen Themen.
Pavelka: Wir wollen Geborgenheit und Fürsorge in einem familiären Umfeld und gleichzeitig doch die Sicherheit einer Klinik bieten. Es ist auch eine regelmäßige kinderärztliche Versorgung durch den ehemaligen Primar der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Krankenhaus Eisenstadt, Dr. Wagentristl, sichergestellt. Es ist mir wichtig dies zu betonen, weil die Thematik, ob es einen Kinderarzt gibt, in der Bevölkerung anscheinend immer ein wenig für Unsicherheit sorgt.
Diese Unsicherheit ist wohl auch entstanden, weil die noch vor einigen Jahren geplante Verlagerung der Geburtshilfe von Oberpullendorf nach Oberwart unter anderem mit dem Thema Sicherheit und dem Fehlen einer Neonatalogie argumentiert wurde. Wieso diese durchaus erfreuliche Kehrtwende?
Öller: Als Gesundheit Burgenland ist uns eine regionale Versorgung wichtig und zu einer vitalen gynäkologischen Abteilung gehört eine Geburten- station. Ganz wesentlich ist es, dass es eine gewisse Anzahl an Geburten gibt, weil das eine Frage des Qualitätsniveaus darstellt und daher auch unsere Bemühungen ein Umfeld zu schaffen, um Frauen eine „schöne“ Geburt zu ermöglichen und dadurch attraktiv genug zu sein, Daher haben wir auch die Abteilung mit Primaria Pavelka neu besetzt, um den Standort in eine gute Zukunft führen zu können.
Wie sehen Ihre Zukunftspläne in Hinblick auf das an die Abteilung angeschlossene Kinderwunsch-Institut aus?
Pavelka:Das Kinderwunsch-Institut ist ein ganz besonderes Aushängeschild und mit Privatdozent Nouri ist ein herausragender Experte nach Oberpullendorf geholt worden. Das Besondere ist die Kombination aus dem Kinderwunschinstitut und der Möglichkeit, Sterilität in der Klinik sowohl zu diagostizieren als auch operativ zu beheben. Durch die Vortragstätigkeit von Privatdozent Nouri ist das Institut national und international gut repräsentiert und ich bin beeindruckt wie hoch das Ausbildungsniveau der Assistentinnen und Assistenten ist. Ein anderer Bereich, der durch Primar Fabsits lange Tradition in Oberpullendorf hat, ist die Beckenbodengesundheit, die neben der Geburtshilfe auch mein große Liebe ist und wo ich meine Expertise einbringen kann.

© Leo Szemeliker
Welche Angebote sind hier konkret geplant?
Pavelka: Wir wollen mit einer urogynäkologischen Ambulanz die Betreuung von Frauen mit Harnverlust, Stuhlverlust oder auch Senkungen gut abdecken. Mir ist wichtig, auch schon in der Schwangerschaft und unmittelbar nach der Geburt die Sensibilität für dieses Thema zu schärfen. Mein Plan wäre , auch mit Laienvorträgen dieses Thema in der Bevölkerung anzusprechen und da eine wirklich hochqualifizierte Anlaufstelle zu bieten.
Welche weiteren medizinischen Schwerpunkte sollen künftig im Zentrum der Arbeit in Ihrer Abteilung stehen?
Pavelka: Ein weiterer Schwerpunkt wird der Ausbau der Betreuung von Frauen mit Endometriose. Wir werden eine Spezialambulanz für Endometriose einrichten. Auch in diesem Bereich ist eine Zertifizierung im Laufe des Jahres als Endometrioseklinik geplant. Wir wollen hier eine Anlaufstelle für Frauen über die Grenzen des Burgenlands hinaus bis ins südliche Niederösterreich sein.
Öller:Als Betreiber ist es für uns wesentlich, an allen Klinikstandorten eine gute regioale Versorgung, aber auch Schwerpunkte zu schaffen, die über eine regionale Versorgung hinausgehen. Wir versuchen auch in der Gynäkologie eine Ausdifferenzierung zwischen den Standorten Oberpullendorf und Oberwart auszutarieren. In Oberpullendorf können wir mit dem IVF-Zentrum, der gynäkologischen Abteilung und der Geburtshilfe ein tolles Spektrum abdecken. Das ist wesentlich, um auch für medizinisches Fachpersonal attraktiv zu sein. Denn es ist nicht so, dass an jeder Ecke Fachpersonal Schlange steht, daher ist es auch ein Wettbewerb ein interessantes Arbeitsumfeld zu schaffen.
Pavelka: Je spezialisierter ein Team ist, desto besser ist die Routine und das trägt zur qualitativen und sicheren Behandlung bei.
Neben einer guten medizinischen Basisversorgung für die Region versuchen wir Schwerpunkte zu entwickeln, die überregionale Bedeutung haben und damit auch nachhaltig und langfristig das medizinische Angebot am Standort absichern. Gesundheit Burgenland-Geschäftsführer Franz Öller
Wie zufrieden sind Sie mit der momentanen personellen Situation der Gynäkologie?
Pavelka: Momentan sind wir, nach einer eher schwierigen Phase im Herbst, in der glücklichen Situation, mit hochqualifiziertem Personal und auch gut und voll ausgestattet in das heurige Jahr zu starten. Eine Kollegin aus Wiener Neustadt wird mich begleiten, die kommt im Februar, ein weiterer Kollege im April. Wir müssen uns ein bisschen neu strukturieren, dass diese Ressourcen auch wirklich effizient eingesetzt werden.
Öller: Wir sind bei der Gesundheit Burgenland mit medizinischem Personal äußerst gut aufgestellt. Im ärztlichen Bereich sind wir so gut wie voll besetzt, und auch im pflegerischen. Das ist sicher auch ein Verdienst der Landespolitik, die dort entsprechende Maßnahmen gesetzt hat, angefangen vom Ärztepaket über das Gesundheitsberufepaket bis zur Schaffung eines Umfelds, das Personen gerne bei uns arbeiten.
Pavelka: Ein Umfeld, indem man wirklich wirken und die optimale Betreuung der Patientinnen gewährleisten kann, wird im Burgenland sehr stark gefördert.
Was ist Ihnen bei der Betreuung von Patientinnen und Patienten am wichtigsten?
Pavelka: Ausreichend Zeit zum Zuhören, das erspart leere Kilometer, wo Patientinnen herumgeschickt werden. Aber auch ein infrastrukturelles Setting wie OP-Ausstattung, Ultraschall, Kolposkop, also moderne Geräte, mit denen gute Diagnostik möglich ist und die Operieren in einem sicheren Umfeld möglich machen. Wir bekommen demnächst ein Kolposkop und einen neuen Ultraschall. Man sieht, dass da ein Wile da ist, ein Umfeld zu schaffen, um gut versorgen zu können. Baulich ,vor allem in den Ambulanzen, wurde wirklich drauf geachtet, die Privatsphäre der Frauen zu wahren. Auch das finde ich beeindruckend, weil das ist leider nicht selbstverständlich. Das ist der eine Bereich, der andere ist Aus- und Weiterbildung. Dass es die Möglichkeit gibt im Alltag voneinander zu lernen, aber auch auf Weiterbildungen zu fahren. Mir ist besonders wichtig, dass wir uns mit anderen Kliniken vernetzen, damit die Assistenten und Assistentinnen in ihren Spezialinteressen auch gefördert werden können, um dann dieses Wissen der Abteilung wieder zur Verfügung zu stellen.
Welche Pläne gibt es über die Gynäkologie hinaus für den Standort Oberpullendorf?
Öller: Derzeit befindet sich die Zentrale Aufnahmeeinheit in einer Umbauphase, die an moderne medizinische Gesichtspunkte angepasst wird. Dieses Jahr werden wir außerdem ein Magnetresonanztomographie-Gerät etablieren. In der Abteilung für Chirurgie wird ein Schwerpunkt im Bereich der Schilddrüsenchirurgie etabliert. Generell wird für Standort Oberpullendorf noch einmal das Weiterentwicklungskonzept reevaluiert unter den geänderten medizinischen Bedingungen, so dass wir ein Konzept erstellen, welche Maßnahmen auch baulicher Natur wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren setzen werden.