Tunkel: „Für Qualität zahlen die Gäste gerne auch einen höheren Preis“
Interview der Woche
Burgenland-Tourismus-Geschäftsführer Didi Tunkel freut sich über ein Nächtigungs-Plus und will für nachhaltige Qualität sorgen. Im Interview verrät er seine Pläne für 2024.
„Wenn man jedes Monat auf jede einzelne Nächtigungszahl hinhaut, dann taugt mir das nicht so ...“ Didi Tunkel über politische Diskussionen und touristische Aktivitäten.
© Wolfgang Millendorfer
Wie ist das „Weihnachtsgeschäft“ im Tourismus gelaufen? Wie sehr hat man 2023 die Teuerungskrise gespürt?
Eine Blitz-Umfrage hat ergeben, dass die Feiertage erfolgreich verlaufen sind und die Betriebe mit der Wintersaison zufriedener sind als im Vorjahr. Besonders erfreulich ist die Buchungslage in den Thermenhotels, die bis zu den Semesterferien gut ausgelastet sind. Das zeigt, dass der Thermenurlaub eine echte Alternative zum Schi-Urlaub geworden ist.
Weil das Schifahren so teuer geworden ist?
Interessanterweise gehen die Prognosen trotz Teuerung heuer generell vom stärksten Winter österreichweit aus. Ein Thermenurlaub gehört ja auch nicht zum Günstigsten, ist aber eine Alternative. Es kommen mehr Menschen aus dem Ausland zum Schifahren nach Österreich, und auch mehr Inländer zum Wellness-Wochenende ins Burgenland.
Schon seit Längerem will man das Burgenland als Ganzjahresdestination etablieren. Vieles ist da bereits passiert, aber wieviel fehlt noch?
Während man früher klassisch auf den Sommer fokussiert war, wird jetzt viel gemacht, um die Saison zu verlängern. Das pannonische Klima ermöglicht mit dem Anradeln im März den „frühesten Frühling“, die Mountainbike-Trails können das ganze Jahr über befahren werden. Mit gutem Wetter bist du dann schon beim See-Opening und in der Sommersaison. Die wurde im Herbst zum Beispiel mit der Weintourismus-Kampagne mit Nicholas Ofczarek oder mit dem Martiniloben verlängert.
Der letzte November war der stärkste bisher, wir decken also schon sehr viel ab. Ich würde uns noch nicht als Ganzjahresdestination bezeichnen, aber die Aktivitäten machen sich durchaus bemerkbar.
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Und das, wo man provokant sagen könnte, für den Preis einer Thermenwoche könnte man auch auf die Malediven fliegen.
Das nicht ganz, aber da muss man dazusagen, dass es eine ganze Woche in der Therme in den seltensten Fällen spielt. Passend zur Inflation haben wir 2023 gesehen, dass wir bei den Ankünften auf absolutem Rekordniveau sind, aber bei den Nächtigungen nicht ganz. Das heißt, es kommen mehr Leute, sie sparen nicht beim Urlaub per se, sondern bei den Ausgaben während des Urlaubs, und sie bleiben kürzer.
Ist der Kurzurlauber so gesehen weniger wichtig?
Überhaupt nicht! Es müssen nur mehr Leute kommen, damit wir diese für alle so bedeutenden Nächtigungszahlen erreichen.
Das ist ja der Punkt, der am meisten diskutiert wird. Wie bedeutend sind die Nächtigungszahlen für Sie?
Nicht so sehr, denn ein Faktum ist: Wir haben im Burgenland Tourismus ein Pensum hingelegt, das seinesgleichen in Österreich sucht. Am Ende des Tages diskutiert man aber wieder nur um Prozentzahlen. Natürlich sind die Nächtigungen die Währung, weil daraus unter anderem die Tourismusabgaben resultieren.
Aber man muss auch bewerten, was in den vergangenen drei Jahren gemacht wurde – vom digitalen Meldewesen über die Strukturen bis zu neuen Events. Das alles wird dazu beitragen, dass wir künftig Freude daran haben werden, wenn wir das Gesäte ernten. Wenn man aber jedes Monat auf jede einzelne Nächtigungszahl hinhaut, taugt mir das nicht so.
Beschränkt sich diese Diskussion nur auf die Politik?
Kritik kommt immer nur von der politischen Opposition. Im Tourismus vernehme ich keine Kritik, und das zählt für mich. Ich arbeite ja nicht für die politische Opposition, sondern für die burgenländischen Tourismusbetriebe.
Was wäre für Sie dann die „harte Währung“ im Tourismus – die Wertschöpfungskette?
Natürlich die Wertschöpfung! Da gehören die Tagesgäste dazu, ebenso geht's um die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Betriebe. Das sind für mich Werte, auf die man auch schauen sollte.
Wenn es dann zum Beispiel so wie im vergangenen Mai und Juni schüttet wie aus Schaffeln, und ich werde für die Zahlen kritisiert, dann sage ich: Ich bin kein Zauberer, der aus dem Burgenland eine Regendestination machen kann.

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Wie sehen Sie die Stimmung in den Betrieben? Manchmal wird doch auch gemeckert ...
Das Meckern gehört, glaube ich, zum Burgenländer dazu. Und wir haben ja kein leichtes Jahr hinter uns: Krieg vor der Haustür, Inflation und dazu die hohen Energiekosten – da können nicht alle jubelnd durch die Welt gehen.
Aber die Betriebe machen gute Arbeit, und das sieht man auch an den Zahlen. Die Umfrage zu den Weihnachtsfeiertagen hat auch gezeigt, dass die Stimmung besser als vor einem Jahr ist. Ich glaube aber, dass es heuer wieder herausfordernd wird.
Die Diskussion um die Zahlen ist zuletzt immer auch darauf zurückgekommen, dass seit 2023 die Camping-Gäste am Nova Rock ebenfalls mitgezählt werden. Wie sehen Sie den Vorwurf der „Schönfärberei“ im Nachhinein?
Kritisiert hat das wieder nur die politische Opposition, und das ist ihr Job. Würden wir diese Nächtigungen nicht in die Statistik nehmen, würde man kritisieren, dass wir hinter anderen Bundesländern liegen. Denn die Steiermark zählt den Grand Prix mit vielen tausenden Camping-Nächtigungen dazu, Oberösterreich das Woodstock der Blasmusik oder Niederösterreich das Frequency-Festival. Ich glaube nicht, dass es Kritik von den burgenländischen Touristikern gibt, denn jetzt können wir endlich Äpfel mit Äpfeln vergleichen, noch dazu mit den Voraussetzungen des digitalen Meldewesens.
Ich glaube, ein Oppositionspolitiker, der früher einmal für Tourismus zuständig war, ist nur neidisch, dass meine Vorgänger das nicht geschafft haben. Deshalb sehe ich das sehr relaxt. Wenn man außerdem die Nächtigungszahlen vom Nova Rock rausrechnet, haben wir gegenüber dem Jahr 2022 immer noch ein Plus, und zwar 7,4 Prozent bei den Ankünften und zwei Prozent bei den Nächtigungen.
Was war trotz des schwierigen Jahres Ihr Highlight 2023, womit hätten Sie vielleicht so nicht gerechnet?
Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der Herbst so gut wird, dass der zweite Teil der Kampagne mit Nicholas Ofczarek es wieder schafft, so aufzufallen, dass wir innerhalb der ersten Woche einen unbezahlten Werbewert von 170.000 Euro verbuchen konnten.
Und der gute Sommer, wo wir nicht so stark gestartet sind, nach der Belastung durch das See-Wasserstands-Bashing und mit dem Regen im Mai und im Juni.
Und was erwartet uns 2024 touristisch?
Zum einen gibt es die Hoffnung, dass durch die Lohnabschlüsse die Inflation ausgeglichen wird, dass die Menschen weiter auf Urlaub fahren. Was unsere Projekte betrifft, werden wir einen Schwerpunkt setzen und in allen Regionen die Nachhaltigkeitszertifizierung anstreben. Dazu wurden jetzt auch vier Nachhaltigkeitsmanagerinnen eingesetzt, eine beim Burgenland Tourismus und jeweils eine in den Verbänden.
Was genau kann man sich von der Zertifizierung erwarten?
Das hängt auch mit EU-Verordnungen zusammen, etwa mit den „grünen“ und „braunen Krediten“, wo man um ein Prozent mehr Zinsen bezahlt, wenn man nicht zertifiziert ist. Es gibt in Österreich bis jetzt nur drei Regionen, die Nachhaltigkeits-zertifiziert sind. Das geht nach 119 Kriterien, davon 63 Muss-Kriterien, von Sozio-Ökologie über Kultur bis zum Klimaschutz.
Wir wollen das Österreichische Umweltzeichen und das internationale „TourCert“. Und wir haben den Vorteil, dass wir mit drei zertifizierten Regionen sicher für lange Zeit das einzige Bundesland sind, das als Ganzes zertifiziert ist. Das ist mein Ziel.
Soll das noch heuer gelingen?
Das wird sich zeigen, es ist ja ein riesen Prozess. Auf jeden Fall ist es ein Hauptbereich der heurigen Tätigkeiten. Hinzu kommt die EURO, das Burgenland ist seit 26 Jahren Sponsor des Nationalteams. Das werden wir mit Public-Viewing-Events nutzen. Teil drei der Ofczarek-Kampagne zum Thema Kultur-Vielfalt ist ebenfalls geplant, und die klassischen Themen wie Bewegung, Genuss oder Wellness sind sowieso unser tägliches Brot, so wie unzählige Events und Messe-Auftritte.

© Wolfgang Millendorfer
Welche Bilanz ziehen Sie bislang zu einzelnen Projekten, wie dem digitalen Meldewesen, der Burgenland Card oder dem „my burgenland Shop“?
So wie das digitale Meldewesen gelebt wird, sind wir Vorreiter, das hat man auch bundesweit bemerkt. Die Burgenland Card mit knapp 700 Partnern und über 340 Attraktionen ist eine etablierte Nächtigungskarte von Kittsee bis Kalch. „Burgi“ als digitaler Concierge für Nächtigungsgäste hat jetzt auch eine kleine Schwester für Tagesgäste und Einheimische bekommen: Auf dem Smartphone gibt's bald für alle Informationen zur jeweiligen Destination.
Der „my burgenland Shop“ in Parndorf hat sich als Marketing-Instrument mehr als gerechnet, wenn man bedenkt, dass jährlich 6,5 Millionen Menschen das Designer Outlet besuchen.
Bei 6,5 Millionen Besuchern würden sich in Parndorf noch mehr Hotels rechnen. Sind generell neue Hotelprojekte in Planung?
Parndorf gehört zu den am stärksten wachsenden Regionen, ein drittes Hotel würde es sicher vertragen. Wir recherchieren immer im Hinblick auf neue Hotels, derzeit wird geprüft, ob sich das im Blaufränkischland anbieten würde. Denn richtig wachsen kannst du nur mit den entsprechenden Unterkünften.
Im Privatzimmerbereich, der 55 Prozent ausmacht, könnte man auch einen Modernisierungsschub vertragen. Wobei ich weiß, dass die Zinssituation für die Betriebe derzeit keine leichte ist. Man sieht aber, dass der Kunde vor allem auf Qualität schaut und bereit ist, dafür den entsprechenden Preis zu bezahlen.
Wie sehen Sie es da als Tourismusdirektor, dass die Therme Stegersbach samt Hotel nun vom Land geführt wird?
Der Region wird das gut tun. Dass die Therme in die Hände des Landes kommt und kein privates „Experiment“ wird, freut mich besonders. Das wird zusätzliche Investitionen und neue Privatzimmer in der Region zur Folge haben.
Und der angesprochene Wasserstand des Neusiedler Sees wird wohl nächstes Jahr nicht mehr diskutiert werden, oder?
Es sieht so aus. Wir stehen jetzt bei 34 Zentimetern über dem Vorjahres-Wert. Man darf das Thema aber nie außer Acht lassen. Ich bin nach wie vor dafür, dass alles getan wird, was möglich ist, damit der Wasserstand auf Dauer gesichert ist.
Wie hat sich zuletzt das Nachwuchsproblem im Tourismus entwickelt?
Es ist immer noch schwierig, aber es ist Licht am Ende des Tunnels. 2023 hat es wieder mehr Lehrlinge gegeben. Unsere Aktion „Check the Prak“ wird fortgesetzt, und wir starten mit der Bildungsdirektion eine Kampagne für die Unterstufen, um möglichst viele für die Tourismusschule zu begeistern. Denn eines ist klar: Der Burgenländer hat Schmäh und Gastfreundschaft – es macht authentisch sozusagen viel mehr her, wenn ein Burgenländer im heimischen Betrieb arbeitet.
Da muss auch jeder Betrieb kreativ sein und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Zuckerln bieten, von der Vier-Tage-Woche bis zu den Unterkünften.
Wenn Sie in die Zukunft blicken: Die Nächtigungen können ja nicht unendlich steigen, was sehen Sie langfristig als Aushängeschild des Landes?
Den nachhaltigen Qualitätstourismus, der auch seinen Preis haben kann. Das wird unsere Zukunft sein. Das wird vor allem bei der nachkommenden Generation ein Thema sein, und dort wollen wir hin.