Wolfgang Wograndl: „Mein ganzes Leben ist Musik“
Interview der Woche
Der Mattersburger Wolfgang Wograndl ist Vollblutmusiker und hat während seiner musikalischen Laufbahn mit unzähligen prominenten Künstlern, darunter Andi Borg, Steffi Werger, Eva Maria Marold oder Viktor Gernot zusammen gearbeitet. Allerdings merkte er dabei, dass ihm etwas fehlte. Und so begab er sich musikalisch auf die Suche nach sich selbst...
Wolfgang Wograndl bei seinem Auftritt in Wiesen im November 2023, wo er sein Programm „Love Dance“ vorstellte.
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BVZ: Wann entstand für Sie der erste Kontakt zur Musik?
Wolfgang Wograndl: Das weiß ich noch ganz genau. Ich war von Kleinkind auf immer der Musik sehr zugewandt, habe gesungen, mit Kochlöffeln getrommelt oder mit dem Besen Gitarre gespielt. Mit acht Jahren entstand mein großer Wunsch, ein Instrument zu lernen. Ich habe auch sofort gewusst, welches es sein soll: Ich wollte Saxophon lernen. Allerdings hat man mir gesagt, ich soll Klarinette lernen, weil wenn man Klarinette lernt, kann man auch Saxophon spielen – umgekehrt nicht. Genauso war es dann auch. Ich habe mit der Klarinette angefangen und habe später Saxophon dazu gelernt.
Sie beherrschen darüber hinaus eine Vielzahl von verschiedenen Musikinstrumenten. Welche sind das?
Wograndl: Wenn wir statt „beherrschen“ „spielen“ sagen würden, wäre mir das lieber. Beherrschen heißt für mich, dass man es perfektioniert hat. Ja, ich spiele heute sehr viele Instrumente. Mein Hauptinstrument ist der E-Bass, den ich auch an der Joseph Haydn Privathochschule in Eisenstadt als Dozent unterrichte. Ich spiele außerdem Didgeridoo, verschiedene indianische Flöten oder überhaupt Flöten aus verschiedenen Kulturen, ich trommle sehr viel, spiele Percussions und nach wie vor Klarinette und Saxophon. Das ist im Großen und Ganzen das Instrumentarium, das ich bediene. Und – nicht zu vergessen – ich singe sehr gerne.
Eine interessante Mischung, die man so in unserer Region wahrscheinlich nicht so häufig findet. Sie haben bisher zwei CDs veröffentlicht und traten zuletzt mit Ihrem neuen Live-Soloprogamm „Love Dance“ auf. Wie würden Sie ihre Musik beschreiben? Welche Einflüsse finden sich in ihr wieder?
Wograndl: Genau das eben nicht. Es sind keine Einflüsse von außen. Meine Musik kommt aus meinem tiefsten Inneren. Wenn ich meine Musik entwickle, ziehe ich mich zurück. Ich gehe zum Beispiel in den Wald oder sitze in der Natur. Ich war sehr viele Jahre als Profimusiker mit diversen Projekten und vielen nationalen und internationalen Künstlern unterwegs. Das war als junger Musiker immer mein Ziel: Profimusiker zu werden. Deshalb habe ich wirklich sehr, sehr viel geübt. Man könnte fast sagen, ich war besessen vom Üben. Oft waren es zehn Stunden am Tag. Was ich aber erfahren habe, war, dass wenn ich bei einem Projekt dabei war, es am Anfang immer super und toll gewesen ist: die Spannung, das Neue, neue Leute kennen lernen usw. Als das aber verklungen war, musste ich feststellen, dass oft für mich persönlich nichts übrig geblieben ist. Ich habe mich immer bemüht sehr professionell zu arbeiten, habe aber oft gemerkt, mir fehlt etwas. Ich wusste nicht genau, was. Aber es entstand oft eine gewisse Leere. Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht, nach mir selber. Ich habe bis dahin immer nur für andere musiziert. Auf der Suche zu mir selbst und zu meiner Musik, die ich in mir höre, kam das heraus, was ich jetzt schon seit vielen Jahren mache.
Wann war das ungefähr?
Wograndl: Ich habe mich mit ungefähr 30 Jahren auf diese Suche gemacht. Das ist aber ein Weg, der noch nicht zu Ende ist. Deswegen gibt es immer wieder neue Programme, weil ich mich ständig weiter entwickle.
Ihr neuestes Programm heißt wie erwähnt„Love Dance“. Damit sind Sie im November unter anderem in Wiesen aufgetreten. Können Sie uns ein bisschen mehr dazu sagen?
Wograndl: Konzerte mit meiner eigenen Musik sind seit vielen Jahren Solokonzerte, ich stehe immer alleine auf der Bühne. Das neue Programm lasse ich sozusagen vor dem Publikum entstehen. Dafür verwende ich sogenannte Loops (Wiederholungen). Ich nehme zum Beispiel am elektrischen Schlagzeug eine kurze Passage auf – und dann läuft das. Danach singe ich zum Beispiel die erste Stimme – dann rennt auch die erste Stimme dazu. Dann singe ich die zweite Stimme, die dritte Stimme usw. Und auf einmal entsteht ein ganzer Chor auf der Bühne. Als Publikum ist man am Entstehungsprozess live dabei.
Meine Stücke sind auch relativ lang. Sie dauern 15 Minuten, 17 Minuten. Ich kann sie aber auch fünf Minuten spielen. Diese Freiheit, die ich mir auf der Bühne nehme, ist mir sehr wichtig. Auch das Publikum, vor dem ich an dem Abend spiele, nimmt einen wichtigen Einfluss auf das Ganze. Die Menschen tauchen dabei in meine Musik ein. Die einen tanzen sich in Trance, andere sitzen oder legen sich hin. Viele empfinden etwas sehr Tiefes dabei. Ich glaube, dass jeder für sich selbst seine eigene Botschaft empfängt, wenn er sich dafür öffnet und meine Musik auf sich wirken lässt.
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Sie sprechen es an. Jede Musik hat im Idealfall auch eine Botschaft. Welche findet sich in Ihrer Musik?
Wograndl: Bei meinem neuen Programm war es das erste Mal in meinem Leben so, dass ich Texte geschrieben habe. Ich singe aber auch in meiner eigenen Seelensprache. In den Texten geht es viel um Themen wie Liebe, Vergebung oder um das Zuhören und Vertrauen auf seine innere Stimme oder dass man sie wieder findet. Es berührt alles den spirituellen Bereich. Musik ist für mich nämlich etwas ganz Großartiges, ich sage sogar: Musik ist etwas Heiliges für mich. Ich behandle Musik deshalb sehr, sehr respektvoll. Darum werde ich etwas grantig, wenn Menschen das nicht tun.
Sie sagten, Ihre Musik ist spirituell. Sind Sie gläubig? Beziehungsweise ist spirituell und gläubig für Sie das selbe?
Wograndl: Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Für manche Menschen ist jemand gläubig, der jeden Sonntag in die Kirche geht. Ich sehe das anders. Für mich gibt es etwas ganz Großes, und an das glaube ich fest. Wobei das für mich losgelöst ist von jeglicher Religion.
Wir sollten auch auf Ihre Zusammenarbeit mit verschiedensten nationalen und internationalen Künstlern und Künstlerinnen zu sprechen kommen. Die Liste ist sehr umfangreich. Unter anderen befinden sich Andi Borg, Stefanie Werger, Nicole, Viktor Gernot oder Eva Maria Marold darauf. So könnte man noch lange fortsetzen. Wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?
Wograndl: Meistens war es so, dass die Künstler für einzelne Auftritte einen Bassisten benötigt haben. Mit Steffi Werger war ich hingegen dreizehn Jahre lang auf Tournee. Namen wie Bob Berg, Rick Margitza, Bob Mintzer, die nicht erwähnt wurden und mit denen ich auch zusammen gearbeitet habe, gehören zu den berühmtesten Saxophonisten der Welt. Das sind wirkliche „Super-Heros“, aber im Jazzbereich. Deshalb kennt man sie nicht so. Die sind zum Beispiel in Österreich für einen Auftritt und brauchen jemanden, der Bass spielt. Dann ist keine Zeit, um eine Woche zu proben, sondern man trifft sich eine Stunde vorher, bespricht ein paar Dinge, geht auf die Bühne und spielt. Das setzt schon sehr viel voraus, damit so etwas funktionieren kann. Das habe ich sehr lange gemacht. Wie schon gesagt, hat sich dann aber für mich herauskristallisiert, dass meine eigene Musik einen immer höheren Stellenwert einnahm.

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Würden Sie einen dieser Künstler herauspicken, mit dem Sie besonders gern zusammengearbeitet haben?
Wograndl: Ich habe mit allen sehr gerne zusammen gearbeitet. Ich würde keinen favorisieren. Es hat zu meinen Lebensphasen passend immer welche gegeben, deren Musik man sich vielleicht intensiver angehört hat. Aber ich war schon als junger Musiker keiner, der andere Musiker oder Bassisten kopiert hat und Stücke von anderen gelernt hat, weil mich das nicht so sehr interessierte. Ich habe mir die wichtigsten Punkte angesehen, was sie ausmacht. Ich habe aber sofort meinen Teil dazu gegeben. Ich bin der Meinung, wenn du jemanden eins zu eins nachmachst, kannst du selber nicht viel dabei empfinden. Du klingst zwar so wie er, bist aber stets nur der Zweite, eine Kopie. Ich empfehle jedem Musiker oder wünsche es ihm, dass er sich in der Musik findet. Jeder sollte den Mut haben, er selbst in der Musik zu sein. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum man lieber andere nachmacht. Wenn man dann hört, es ist nicht so gut, kann man immer noch sagen: „Ja, aber das ist ja auch nicht von mir.“
Sie lehren außerdem an der Joseph Haydn Privathochschule. Was machen Sie dort?
Wograndl: Ich leite verschiedene Lehrveranstaltungen wie Auftrittspraktikum oder Studiopraktikum. Ich gebe also zum Beispiel meine Bühnenerfahrung an junge Musiker weiter, gebe Ihnen Tipps, wie man sich auf der Bühne verhält, wie man Körpersprache einsetzt oder eben auch, wie man im Studio arbeitet. Mein Hauptinstrument, das ich lehre ist der E-Bass.
Ursprünglich sollten Sie allerdings Bürokaufmann werden?
Wograndl: Genau. Ich selbst hatte zwar schon mit 14 gewusst, dass ich Musik für mich eine Lebensaufgabe ist. Das wurde aber zunächst von meinen Eltern nicht angenommen. Ich habe deshalb Bürokaufmann gelernt und sollte später mit meinem Bruder den elterlichen Betrieb übernehmen. Aber durch viele Dinge, die sich im Leben ereignen, hat sich alles anders entwickelt. Ab einen bestimmten Zeitpunkt gab es keine Diskussionen mehr mit meinen Eltern, weil sie gesehen haben, wie ernst ich es nehme. Ich habe dann von ihnen absolute Unterstützung und Verständnis erfahren und bin ihnen sehr dankbar dafür.
Wenn Sie weder Musiker noch Bürokaufmann geworden wären, wo würden Sie sich heute sehen?
Wograndl: Es ist nicht vorstellbar, nicht Musiker zu sein. Aber es gibt etwas in meinem Leben, das mir auch sehr wichtig ist, und das sind die Pferde. Ich glaube, ich habe einen angeborenen sehr guten Draht zu Pferden. Ich habe auch eine Ausbildung zur telepathischen Tierkommunikation gemacht, was natürlich wieder zu meiner Musik passt, weil sie auch auf einer anderen Ebene passiert. Ich bin sogar große Showprogramme geritten. Ja, Pferde sind sehr wichtig für mich. Zu ihnen gehe ich, wenn ich mich erden möchte und eine Auszeit brauche, weil mein ganzes Leben ist Musik. Musik ist stets präsent. Das ist aber nicht immer lustig.
Sie sind auch schon Großvater.
Wograndl: Das ist eine der schönsten Lebensaufgaben überhaupt. Wir sehen unser Enkelkind fast täglich. Kinder haben eine unglaublich reine und powervolle Energie. Das ist großartig. Opa zu sein ist wirklich eine meiner schönsten Rollen.
Am 13. April kann man Wolfgang Wograndl live im Kulturzentrum in Eisenstadt sehen. Beim Programm „That“s what friends are for“ tritt er unter anderem mit Uschi Zezelitsch, Joachim Moser und Eva Maria Marold auf. Wenige Restkarten sind noch erhältlich.