„Jeder Hund, unabhängig von Rasse und Alter, ist lernfähig“
Interview mit Babsi Fink
Schon früh entdeckte die aus Marz (Bezirk Mattersburg) stammende Barbara Fink ihre Leidenschaft für das Arbeiten mit Hunden – eine Begeisterung, die sie bis heute begleitet. Aus persönlichen Erfahrungen, intensiven Ausbildungen und der täglichen Arbeit mit ihren eigenen Hunden entwickelte sich ein Trainingsansatz, der individuell, positiv und alltagsnah ist. Im Interview erzählt Fink, wie sie zur Hundetrainerin wurde, was ihre Hundeschule ausmacht und warum Hundetraining immer auch bedeutet, an sich selbst zu arbeiten. Außerdem gibt sie Einblicke in ihre Kurse und Pläne für die Zukunft.
Hundetrainerin Babsi Fink mit Baghira, einer deutschen Schäferhündin und ihre treue Begleiterin über viele Jahre hinweg: „Sie hat mich geprägt und wahrscheinlich am meisten gefordert, um eine gute Hundetrainerin zu werden“, sagt Fink.
© zVg
BVZ: Seit wann bist du Hundetrainerin?
Barbara Fink:Meinen ersten Versuch, einen Hund zu trainieren, startete ich mit vier Jahren mit unserem Familienhund. Natürlich ohne Erfolg. Ich denke, mir fehlten ein wenig das Wissen und die Ausstrahlung, um Ernst genommen zu werden. Aber die Begeisterung fürs Hundetraining war bereits mit diesem Alter da. Jahre später, genauer gesagt 2013/2014, machte ich meine Ausbildung zur Hundeverhaltensberaterin. Das fast 2-jährige Studium bildete eine fundierte Basis, um mit Hunden zu arbeiten. In den letzten zehn Jahren folgten viele weitere Ausbildungen rund um Verhaltensstörungen beim Haushund, generelles Stressverhalten, Rally Obedience, Trickdog, dem perfekten Fuß uvm. Die strengsten und besten Lehrmeister waren jedoch immer meine eigenen Hunde. Außer mit dem Familienhund in jungen Lebensjahren, habe ich bisher mit allen sportliche Prüfungen abgelegt. Und auch im Alltag durfte ich extrem viel von ihnen lernen.
Wie kam der ursprüngliche Entschluss, Hundetrainerin werden zu wollen, schließlich zustande?
Fink: Hundetrainer wird man, denke ich, aus zwei Gründen: Entweder, weil der eigene Hund so extrem einfach auszubilden ist oder weil das genaue Gegenteil der Fall ist – der Hund erweist sich als extrem schwierig im Alltag. Mein Grund hieß damals Baghira, eine deutsche Schäferhündin. Sie war alles andere als einfach. Ich suchte mit meinen damals 21 Jahren verzweifelt nach Hilfe in mehreren Hundeschulen und auch bei privaten Trainern, die damals eher noch Mangelware waren.
Leider konnte mir niemand so richtig weiterhelfen, weshalb ich mich dazu entschied, selbst die Ausbildung zu machen. Mit meinem neu gewonnenen Wissen und dem richtigen Training sowie Geduld wurde Baghira zu einer megatollen Begleiterin im Alltag und Sporthündin. Ohne sie hätte ich den Weg zur Hundetrainerin vermutlich nicht eingeschlagen. Sie hat mich geprägt und wahrscheinlich am meisten gefordert, um eine gute Hundetrainerin zu werden.
Bist du das mittlerweile schon hauptberuflich?
Fink: Nein, die Hundeschule führe ich nicht hauptberuflich. Ich arbeite Teilzeit in der Telekommunikationsbranche. Freitags und samstags widme ich mich dann voll und ganz meinen vierbeinigen Kunden.
Wie würdest du das Konzept deiner Hundeschule beschreiben? Wie ist dein Trainingsansatz? Und gibt es für verschiedene Ziele verschiedene Ansätze?
Fink: Ich verkaufe keine Methode oder arbeite nach Schema F, sondern ich schaue mir jedes Hund-Besitzer Pärchen im Detail an und helfe ihnen dabei ihre Ziele zu erreichen – egal ob in Kursen oder Einzeltrainings. Mein Trainingsansatz ist positiv, individuell und alltagsnah. Ich arbeite über Motivation, klare Kommunikation und gutes Management. Dabei schaue ich mir immer den Hund als Ganzes an – Charakter, Bedürfnisse, Emotionen – und genauso den Menschen. Mir ist wichtig, dass das Training fair, verständlich und für beide Seiten gut umsetzbar ist.
Was können Hunde bei dir lernen? Von den Basics bis zu fortgeschrittenen Sachen ist alles dabei?
Fink: Am wichtigsten ist mir eine positive Bindung zwischen Halter:in und Hund, eine klare und faire Führung und eine geeignete Auslastung je nach Rasse oder Individuum – das zieht sich durch jeden einzelnen Kurs und jede Einzelstunde. Im Welpenkurs lernen Hunde natürlich die Grundkommandos wie Sitz, Fuß laufen, Platz, Bleib und Hier. Im Vordergrund steht aber auch eine gute und positive Sozialisierung, wie auch viele, viele Übungen für einen reibungslosen und schönen Alltag mit dem Hund.
Zum Alltagstraining gehören für mich Leinenführung, Maulkorbtraining, das richtige Verhalten auswärts, zum Beispiel in einem Restaurant, wie man mit anderen Hunden auf der Straße umgeht uvm. In den weiteren Grundkursen werden die Übungen ausgebaut und dem Alter – vorwiegend auch der Pubertät – angepasst. Hier gibt es dann mehrere Übungen zur Impulskontrolle. Bei den Spezialkursen beschreiben die Titel ganz gut, was wir machen: zum Beispiel Abruftraining, Hundebegegnungen, Anti-Giftköder-Training usw.
Wie lange sollte zum Beispiel so ein Grundkurs mindestens besucht werden, bis Fortschritte erkennbar sind?
Fink: Den ersten Fortschritt sieht man bereits nach der ersten Stunde. Ich arbeite sehr intensiv und eng mit meinen Kunden zusammen und mein Grundstein ist eine klare und respektvolle Kommunikation zum Hund aufzubauen. Das heißt, wenn man hier schon ein wenig am eigenen Verhalten oder Kommunikation schraubt, gibt der Hund bereits bessere Antworten. Für jeden Familienhund empfehle ich jedoch mindestens einen Welpenkurs und einen Basis-Junghundekurs von jeweils 10 Wochen.
Ist jeder Hund lernfähig?
Fink: Ja, definitiv! Jeder Hund, unabhängig von Rasse und Alter, ist lernfähig. Dreh- und Angelpunkt sind hierbei die Besitzer. Ausnehmen würde ich aus dem Ganzen kranke Hunde oder Hunde mit schwerwiegenden Traumata. Aber sofern der Hund gesund ist, kommt es darauf an, wie viel Training Hundehalter in ihre Vierbeiner stecken, wie sehr sie sich selbst auch anpassen möchten und wie realistisch die Zielsetzung ist. Einen Chihuahua werde ich zum Beispiel eher schlecht zu einem Schlittenhund ausbilden können. Die Ziele sollten auf jeden Fall zur Rasse und zum Individuum passen.
Einen Hund schulen heißt also zugleich auch, Herrchen und Frauchen zu schulen?
Fink: Ja, absolut. Ich unterrichte auch die Halter und diese setzen die Übung dann in meiner Hundeschule um. Einmal die Woche in die Hundeschule zu gehen, reicht aber nicht ganz aus. Man sollte das Gelernte auf jeden Fall auch zu Hause umsetzen und in den Alltag integrieren. Hundetraining lebt unter anderem von Geduld, vielen Wiederholungen und konstanter Führung.
Dein nächster Kurs ist die Vorbereitung zur Begleithundeprüfung, beginnend ab 14. März. Was kann man sich darunter vorstellen?
Fink: Die Begleithundeprüfung, kurz BH Prüfung dient zur Ermittlung des Wesens eines Hundes und besteht aus der Unbefangenheitsprüfung, dem Unterordnungsteil (Laufschema, Leinenführigkeit, Sitz/ Platz mit und ohne Leine, Ablegen unter Ablenkung uvm.) und dem Verkehrsteil. Dabei bewertet ein Richter die einzelnen Übungen. Die Prüfung dient als Einstieg in jede weitere sportliche Tätigkeit, die man durchführen möchte. Die Prüfung selbst kann man antreten, sobald man als Person den Sachkundenachweis absolviert hat und der Hund mindestens zwölf Monate alt ist. Da meine Hunde (bis auf meinen Hund in der Kindheit) alle im Sport geführt wurden, begleite ich gerne bei der Prüfung und bereite meine Kunden genauestens in einem 10-wöchigen Kurs darauf vor.
Gibt es bei dir ganzjährig Kurse? Beziehungsweise sind jederzeit alle Themenbereiche im Angebot oder immer nur mal dieser, dann wieder jener?
Fink:Unsere Grundkurse für Welpen, Junghunde und erwachsene Hunde starten zweimal im Jahr – einmal im März und einmal im September – und dauern insgesamt zehn Wochen (immer samstags). Für mehr Beschäftigung, Gesundheit und Spaß gibt es ebenso zweimal im Jahr die Kurse Hundefit, Trickdog und Zielobjektsuche. Dann bieten wir noch Sonderkurse für schwierige Hunde, die Verhaltensprobleme im Alltag zeigen oder einfach auch Kurse, die zur Weiterbildung dienen wie unser Hundebegegnungskurs, Abruftraining, Anti-Giftköder-Training, Fuß-Training und ein Intensivkurs zum Thema Impulskontrolle. Außerhalb der Kurse biete ich auch Einzeltrainings an. Diese werden gerne angenommen, um intensiv an bestimmten Themen zu arbeiten.
Beitreibst du deine Hundeschule alleine oder gibt es noch weitere Trainer:innen?
Fink: Ich bin die einzige ausgebildete Trainerin. Jedoch stehen eine Menge toller Menschen hinter mir, die mich tatkräftig unterstützen. Hier wären zum einen meine Eltern, die mich immer ermutigen und in den Pausen mal für das ein oder andere Essen sorgen, Platzpflege betreiben oder Handwerksarbeiten mit mir durchführen und mir auch privat mit meiner Hündin helfen. Dann wären hier noch zwei ganz besondere Hundehalterinnen, Jenny mit ihrer Lotti und Tanja mit Luna. Mit ihnen sind unzählige lustige, aber manchmal auch harte Trainings verbunden. Sie geben mir ehrliches Feedback zu meiner Arbeit oder bringen mich auf neue Ideen, und sie leisten mir unendlich viel Unterstützung beim öffentlichen Auftritt mit Bildern oder Videos und sind immer eine große Hilfe bei Prüfungen oder Vorführungen.
Dankbar bin ich auch für die tolle Kooperation mit dem SVÖ Mattersburg (Österreichische Verein für Deutsche Schäferhunde), der die Organisation der Begleithundeprüfungen immer einwandfrei und unkompliziert übernimmt. Des Weiteren stehe ich in Kontakt mit zwei sehr erfolgreichen Trainerinnen, die Ragna, meine Hündin, und mich zum einen trainieren und mir auch hier und da bei schwierigeren Fällen ehrliches Feedback geben. Dieser Austausch und diese Form von Weiterbildung sind mir besonders wichtig, da ich auch meinen Kund:innen immer das beste Training anbieten möchte.
Und natürlich hat in der Vergangenheit jeder meiner Vierbeiner zu meinem Team gezählt. Aktuell unterstützt mich meine Hündin Ragna beim Vorzeigen so mancher Übung. Ich bin als Trainerin und Besitzerin der Hundeschule nur so stark wie das gesamte Team, das hinter mir steht – wofür ich unendlich dankbar bin.
Gibt es bereits spezielle Pläne für die Zukunft?
Fink: Die Kurse in der Hundeschule möchte ich die nächsten Jahre fortführen und sie weiter ausbauen und verbessern: Noch mehr auf unsere Vierbeiner eingehen und selbst dazu lernen. Nebenbei mache ich die Ausbildung zur Hundeernährungsberaterin. Ich möchte die Ernährungsberatung direkt in Einzelstunden, meinen Kursen oder auch online anbieten, da das Verhalten durch eine gesunde Ernährung positiv unterstützt werden kann. Privat möchte ich mit meiner Hündin Ragna heuer weitere Sportprüfungen absolvieren und vielleicht an dem einen oder anderen Turnier teilnehmen.
Was möchtest du abschließend jedem Hundebesitzer mitgeben?
Fink:Das Zusammenleben mit einem Hund ist ein großes Geschenk. Sie vertrauen uns blind und lieben bedingungslos. Sind ehrlich, geduldig und verzeihen. Sie geben uns die Möglichkeit, an unseren Fähigkeiten und Charakter zu arbeiten. Das Mindeste, das wir ihnen zurückgeben können, ist ein lieber, klarer und respektvoller Umgang. Ein Hundeleben ist ohne jede Frage viel zu kurz - genießt die gemeinsame Zeit und schafft schöne Erinnerungen und auch wenn man als Trainerin definitiv den Tipp gibt, die Führung zu übernehmen, lasst euch vielleicht auch mal von eurem Vierbeiner leiten oder inspirieren. Tolle Hunde prägen Menschen auf eine zauberhafte Art und Weise, wenn man sich darauf einlässt. Ohne meine Hunde (und auch Pferde) – allen voran Baghira und Murphy – wäre ich weder der Mensch noch die Trainerin, die ich bin.
Mehr Informationen zu Babsi Finks Hundeschule in Mattersburg finden Sie auf: www.pfotenkompass.at