Vater, Sohn und Freundin betrieben Drogen-Anbau

Bezirk Neusiedl

Ein 21-jähriger Lehrling, sein 58-jähriger Vater, der wegen des Strafverfahrens seinen Job als Pädagoge verlor, und die 20-jährige Freundin des Lehrlings kultivierten im Bezirk Neusiedl Cannabispflanzen. Jetzt wurden alle drei verurteilt.

Der 21-Jährige (links am Einvernahmestuhl), seine Freundin und sein Vater (auf der Anklagebank) wurden am 31. Oktober verurteilt.

Der 21-Jährige (links am Einvernahmestuhl), seine Freundin und sein Vater (auf der Anklagebank) wurden am 31. Oktober verurteilt.

© BVZ/Kirchmeir

Seit 2020 befassten sich Vater und Sohn mit der Cannabiszucht, 2022 stieß die Freundin des jungen Mannes dazu. Ende August 2024 wurden Vater und Sohn verhaftet. Am 31. Oktober 2024 wurden sie aus der Justizanstalt Eisenstadt in den Gerichtssaal Nr. 7 gebracht, wo sie sich gemeinsam mit der 20-Jährigen vor einem Schöffensenat verantworten mussten.

Aufgrund der Angaben des 21-Jährigen vor der Polizei hatte die Staatsanwaltschaft eine Erntemenge von 12,6 Kilogramm Cannabis berechnet. Die beiden jungen Angeklagten sollen 8,3 Kilogramm Cannabis an Abnehmer kostenlos oder gegen Bezahlung weitergegeben haben.

Statt 12,6 nur 2,1 Kilogramm Cannabis produziert?

Verteidigerin Jacqueline Götz relativierte die Mengen, für die Vater und Sohn verantwortlich gewesen seien. Die Erträge seien wesentlich geringer gewesen, als von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Insgesamt seien von 2020 bis 2024 nur 2,1 Kilogramm Cannabis produziert worden.

„Das ist eine kleine Sporttasche voller Blüten“, erklärte die Verteidigerin.

Behauptet wurde, dass bei der polizeilichen Einvernahme des 21-Jährigen eine „Drohkulisse“ aufgebaut worden sei. Der Beamte habe, so die Verteidigerin, „nur Belastendes“ protokolliert.

„Er schrie mich an: Lüg' mich nicht an!“, berichtete der 21-jährige Angeklagte. „Mit der Zeit wurde es mir zu blöd. Ich sagte nur ja. Das war um halb zwei in der Nacht“, sagte er. Es sei „unmöglich“, dass eine Cannabispflanze 200 bis 300 Gramm Blüten trage. Von jeweils zirka 15 Pflanzen pro Jahr seien zudem fünf männlich gewesen, diese hätten einen Teil der weiblichen Pflanzen bestäubt, worauf bei diesen der Ertrag geringer ausgefallen sei, so der Sohn.

Seit 2021 Cannabis im Garten gezüchtet

2020 wurde mit einer Indoorplantage experimentiert, seit 2021 erfolgte die Aufzucht im Garten des Vaters, später bei einem angemieteten Haus im Bezirk Neusiedl. Bei der Hausdurchsuchung Ende August fand die Polizei im Kofferraum des Autos des Vaters vier abgeschnittene Cannabispflanzen.

„Und zwei Stück waren bei mir am Dachboden“, fügte der Sohn hinzu.

Die Staatsanwältin konfrontierte den 21-Jährigen mit der Tatsache, dass dieser seine Angaben zur produzierten Cannabismenge bei seiner Aussage vor der Haft- und Rechtsschutzrichterin nicht berichtigt hatte. „Ich dachte nicht daran“, behauptete der Angeklagte. „Erst als ich in der Anklage die 13 Kilo sah, dachte ich, mich trifft der Schlag!“

Die Richterin ermahnte den 21-Jährigen: „Das grenzt schon an Amtsmissbrauch, wenn Sie dem Beamten vorwerfen, dass er all die Dinge nicht protokolliert hat.“

„Und Ihre Freundin sagte, die Pflanzen hatten eine Wuchshöhe von zwei Metern und viele Buds“, erwähnte die Richterin.

Sohn: „Mein Vater hatte einen Horrortrip...“

Am produzierten Cannabis bediente sich vor allem der 21-Jährige. „Mein Vater hatte einen Horrortrip, dann hat er aufgehört damit“, berichtete der Sohn. An drei Männer und eine Frau habe er Cannabis weitergegeben. Die Übergaben fanden im Bezirk Neusiedl statt.

Bei der Polizei hatte er angegeben, pro Woche 40 Gramm Cannabis verkauft und 40 Gramm gemeinsam mit Freunden verraucht zu haben. Vor Gericht sagte der 21-Jährige: „Das war pro Monat!“

Der Lehrling soll weiters mit psychoaktiven Pilzen experimentiert und zu seinem 21. Geburtstag Kokain konsumiert haben.

Geld aus Drogenverkauf für tägliche Einkäufe verwendet

Seine Freundin gab zu, bei der Aufzucht der Cannabispflanzen geholfen zu haben. Beim Verkauf von Cannabis sei sie „danebengesessen“. Der Erlös sei für den täglichen Gebrauch verwendet worden. Finanziell sei es dadurch „etwas besser“ gelaufen.

Der Vater sagte, er habe „beim Gießen“ ausgeholfen. „Ich sagte zu meinem Sohn, er soll es ja nicht verkaufen, das machst du ein halbes Jahr oder ein Jahr, spätestens dann haben sie dich“, berichtete er vor Gericht. Den Drogenanbau seines Sohnes habe er „auf die leichte Schulter genommen“. „Ich dachte nicht, dass es so schwerwiegend ist“, sgte der 58-jährige arbeitslose Pädagoge. Außerdem habe er gelesen, dass „Alkohol viel schädlicher ist“.

Teilbedingte Haftstrafen für Vater und Sohn

Der Schöffensenat sprach die drei Angeklagten schuldig. Der Sohn wurde zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, davon sechs Monate bedingt, sein Vater zu zehn Monaten, davon acht Monate bedingt. Beide wurden noch am 31. Oktober aus der Justizanstalt entlassen. Die Freundin des 21-Jährigen erhielt eine zur Gänze bedingte Haftstrafe von fünf Monaten.

Sie muss ebenso wie der Lehrling 2.000 Euro an den Staat bezahlen - das ist jene Summe, mit der sie sich durch den Drogenverkauf bereichert hatten.

Hinsichtlich der produzierten Cannabismengen stellte der Schöffensenat neue Berechnungen an und kam zum Schluss, dass keine „übergroße Menge“ hergestellt, die im Gesetz festgelegte Grenzmenge jedoch „mehrfach überschritten“ worden sei.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

In der Vorwoche war übrigens ein weiteres Familienmitglied vor Gericht gestanden: Der 60-jährige Bruder des Pädagogen, Onkel des 21-Jährigen, hatte wegen der Erzeugung von Cannabis eine Diversion erhalten.