„Eine geerdete Atmosphäre, über fünf Jahrzehnte gewachsen“
Juliane Bogner im Talk
Die „Wiesen Festivals“ feiern im kommenden Jahr das 50-jährige Jubiläum. Juliane Bogner organisiert mittlerweile gemeinsam mit Bruder Hans Peter Bogner die Konzerte, Festivals, Kabaretts und Musik-Themenabende.
Juliane Bogner vor dem Eingang zu den „Wiesen Festivals“.
© Richard Vogler
BVZ: Am 8. und 9. August kann man sich wieder auf das One Love Festival, den Nachfolger des Sunsplash, freuen. Was erwartet die Reggae-Fans bezüglich Bands und Rahmenprogramm?
Juliane Bogner: Bei einem Reggae-Festival muss einfach ein Marley dabei sei. Es war bereits Julian Marley dabei, nun wird Ky-Mani Marley, der Sohn von Bob Marley, dabei sein. Tanya Stephens, eine großartige und sehr bekannte jamaikanische Künstlerin, wird auftreten. Es wird viel Roots-Reggae für die älteren Fans geben. Das One Love Festival steht für Familienprogramm mit Kinderschminken, Yoga, Hüpfburg, so wie es die letzten Jahre organisiert war.
Neben den Festivals, Konzerten oder Kabaretts gibt es am Festivalgelände auch Themenabende mit DJ-Musik.
Bogner:Unsere „Jazz Pub in the Air-Events“ sind an jedem „freien Wochenende“, also wenn es keine Veranstaltung am Festivalgelände gibt. Diese werden in der „Second Stage“, dem kleineren Zelt, abgehalten. Die 80er/90er-Partys „stechen“ dort etwas heraus, weil sie etwas kommerzieller angelegt sind. Bei den anderen gibt es das klassische Jazz-Pub-Flair mit Ethno, Afro, Funk, Soul und vor allem zum Tanzen. Bei der „Second Stage“ gibt es auch eine größere Tanzfläche, die ideal für diese Programmpunkte ist.
Die Besucher am Festivalgelände schwärmen von der familiären, entspannten Atmosphäre. Was ist das „Wiesen-Geheimnis?
Bogner: Kurz zusammengefasst: Dass wir eine Familie sind. Es ist kein Veranstaltungsgelände, das nur für ein Festival gebaut wurde. Es gibt eine geerdete Atmosphäre, über fünf Jahrzehnte gewachsen. In der Regel ist es so, dass, wenn man auf das Festivalgelände kommt, jemanden von der Familie trifft, bei kleineren Veranstaltungen ist dies sehr wichtig. Meine Schwägerin Sabine Stöger und ich stehen auch hinter der Bar. Franz-Peter kümmert sich um alles, was “rundherum„ ist. Wir kennen viele Leute beim Namen und wir wissen, was sie trinken, sie fühlen sich von uns gesehen. Das macht es aus – dass wir den Menschen und nicht den Konsumenten in unseren Gästen sehen.
Welche Musik hören Sie privat?
Bogner: Ich war kürzlich wieder seit langem bei einem Konzert in Wien und habe mir Jon Batiste angesehen. Er wurde elfmal für den Grammy nominiert. Er spielt klassische Songs mit funkigen, bluesigen, rockigen Einschlägen – sehr vielschichtig. Mir „taugt“ nach wie vor Manu Chao, er ist stellvertretend für ein gewisses Genre von Musik. Bei Musik geht es in einem gewissen Grad um Sozialkritik. Die Musik muss trotzdem Spaß machen und „fahren“, dies symbolisiert Manu Chao nach wie vor.
Die Wiesen-Festivals engagieren sich stark im Bereich der Nachhaltigkeit. Können Sie die Maßnahmen und die Idee dahinter beschreiben?
Bogner: Das ganze Projekt nennt sich „Green Wiesen“. In den 1990er-Jahren, als Zubauten mit neuen WC-Anlagen umgesetzt wurden, ist zum Beispiel schon ein Regenwasserauffangbecken installiert worden. Wir haben Photovoltaik-Anlagen für die Energiegewinnung, eine Becherwaschanlage vor Ort für unsere Mehrwegbecher. Bei uns gibt es in etwa 20.000 Mehrwegbecher, diese müssen nicht hin- und hergeführt werden. Wir kaufen bei lokalen Betrieben ein. Eine eigene Sodaproduktion ist vor Ort, dadurch wird der Ankauf von Plastikflaschen vermieden. Anfahrt und Abfahrt kann gut über den Bahnhof Wiesen/Sigleß erfolgen. Dort wird von uns ein Shuttlebus-Service angeboten. Vegetarisches und veganes Essen ist auch wichtig, wenn es um Nachhaltigkeit geht.
Am 26. und 27. Juli wird zum dritten Mal das Metal Fields veranstaltet. Eine doch eher ungewöhnliche Stilrichtung, wenn Metal-Töne angeschlagen werden.
Bogner: Die Idee ist von den Bands selbst gekommen. Es haben sich immer wieder Metal-Bands gemeldet, die bei uns deponiert haben, dass sie gerne bei uns spielen würden. Dann haben wir gesagt: Wir probieren es, bringt eure Fans mit! Heuer gibt es mit Life of Agony einen „Big Player“ der Branche.
Im kommenden Jahr steht ein spezielles Jubiläum auf dem Programm: 50 Jahre Wiesen-Festivals. Sind Adaptierungen im Bereich der Infrastruktur geplant und steht bereits das Programm für das Jubiläumsjahr?
Bogner: In der Regel starten wir mit den ersten Planungen eineinhalb Jahre vor der Saison. In den kommenden Wochen gehen wir in die „heiße Phase“ für 2025. Angekündigt ist ja schon etwas. Vor allem für das 50-jährige Jubiläum braucht es viel Vorbereitungszeit. Das genaue Konzept ist noch in der Ausarbeitungsphase. Die Idee ist, dass man einen schönen Querschnitt anbietet, was Wiesen ausmacht.
Gehen wir an die Ursprünge der Wiesen-Festivals und des Jazz-Pubs zurück. Wie war der Weg vom Jazz Pub zu den Wiesen-Festivals?
Bogner:Vater Franz hat mit 18 Jahren, Anfang der 1970er-Jahre, in Mödling die HTL abgebrochen. Seine Großeltern hatten schon ein Wirtshaus – dort, wo nun das Jazz Pub beheimatet ist. Anfang der 1970er waren 16-Uhr-Tees angesagt, eine Disco war eigentlich noch nicht in Mode. Er hörte schon damals gerne Jazz – vor allem Ella Fitzgerald und Miles Davis – und hat beschlossen, dass er eine Diskothek dort eröffnet. Er und sein Bruder waren sehr rennsportbegeistert, deshalb ist auch ein altes Rennauto in der Disco. Es hat sich dann ergeben, dass sehr viel Zuspruch von den Leuten da war. Freitag und Samstag waren hunderte von Menschen, die auch von weiter her angereist waren, im Jazz Pub, die Disco ist voll „eingeschlagen“. Man hat dann auch Live-Bands auftreten lassen. Der nächste Schritt waren Festivals, Konzerte am Sportplatz, am Tennisplatz, im Obstgarten oder auch in Bad Sauerbrunn. In weiterer Folge wurde eine Wiese angekauft und dort steht jetzt das Festivalgelände.
Sie waren bereits als Kind mit den Eltern bei den Veranstaltungen mit dabei. Können Sie sich noch an Ihre ersten Eindrücke erinnern?
Bogner: „Es war 1988, ich war damals vier Jahre alt. Wir hatten bei uns eine Band aus Burkina Faso. Diese Percussion-Gruppe ist am Festivalgelände und im Jazz Pub aufgetreten. Dort durfte ich im Jazz Pub mittrommeln. Dies war für mich schon sehr prägend. Das erste Sunsplash wurde 1985 veranstaltet, mit dem bin ich aufgewachsen. Viele afrikanische Bands waren im Laufe der Zeit bei uns. In einem kleinen burgenländischen Dorf – dies ist zu dieser Zeit auch auf Widerstand gestoßen.
War es für Sie bald klar, dass Sie in die Fußstapfen von Vater Franz treten?
Bogner: Für mich war schon wichtig, dass ich trotz allem auch etwas anderes mache, dass ich studieren werde, war klar. Der Anstoß, dass es ein Interessensstudium wird, kam vom Vater. Er hat gesagt: „Mach das, was du gerne machst. Bei uns kann man alles brauchen.“ Es hätte ein Wirtschafts- oder Marketingstudium gepasst. Ich habe mich damals für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie entschieden, weil es auch diesen Multi-Kulti-Faktor beinhaltet. Ich habe schon sehr früh in allen Bereichen mitgearbeitet und bin sukzessive hineingewachsen.
Ihre Arbeit ist kein 40-Stunden-Job. Wie schafft man den Spagat zwischen Arbeits- und Privatleben, wie schafft man es, nicht auszubrennen?
Bogner:Natürlich gibt es keine geregelten Arbeitszeiten, es gibt keine Wochenenden in dem Sinne, ein Sommerurlaub ist bei uns natürlich auch nicht ideal. Man muss sich seine kleinen Oasen selber schaffen und jeden Tag ein bisschen Abstand vom „Wirbel“ nehmen. Natürlich bringt mein Job viel positive Energie. Das erst kürzlich veranstaltete „Back to the Roots“ war außerordentlich gut von der Stimmung her. Wenn man den Leuten beim Tanzen zusieht, weiß man: Für das machst du alles.