Alexander Artner denkt Tradition weiter
Jungwinzer-Serie
Mit der Serie „Blaufränkisch Next Gen – Die Jungwinzer von Deutschkreutz“ porträtiert die BVZ die neue Generation (U35) im Weinbau.
Alexander Artner verbindet Tradition, Terroir und moderne Handschrift.
© Weingut Artner
Alexander Artner steht für eine neue Generation von Winzern in Deutschkreutz, die Tradition nicht nur bewahrt, sondern weiterdenkt. Die Blaufränkisch als Kulturerbe begreift, zugleich aber mutig ist, neue Wege zu gehen.
Der 25-Jährige hat seinen Platz im Weinbau nicht gesucht, sondern gefunden. „Weinbau vereint Handwerk, Geduld und Präzision. Und am Ende entsteht ein Produkt, das die eigene Handschrift trägt“, so der junge Winzer, der Mitte 2025 den Familien-Betrieb überommen hat.
Schon als Kind war sein Weg vorgezeichnet: „Bei mir kam immer zuerst der Weinkeller und dann erst die Hausaufgaben.“
Heute, mit weltweiter Erfahrung im Gepäck, ist er bereit, die Zukunft des Familienbetriebs in 3. Generation neu zu schreiben.
Vom Weinkeller in die Welt – ein Werdegang mit Weitblick
Alexander Artner besuchte von 2015 bis 2020 die Weinbauschule in Klosterneuburg und nutzte danach jede Gelegenheit, über den Tellerrand zu blicken. Praktika führten ihn zu renommierten Betrieben wie Schäfer-Fröhlich in Deutschland oder 2024 zu Torbreck ins australische Barossa Valley. Weinreisen nach Frankreich (sein liebstes Weinland) und nach Südafrika erweiterten sein Verständnis dafür, wie unterschiedlich Wein weltweit gedacht und gemacht wird. „Jeder versucht, das Beste aus seinem Boden und Klima zu holen – auf ganz individuelle Weise. Das hat mir gezeigt, wie wichtig Weitblick ist. Zuhause wird viel richtig gemacht, aber man darf nie aufhören, dazuzulernen.“
Seit Juli 2025 ist Alexander Artner offiziell Chef im familiären Betrieb, doch Verantwortung für die Weine trug er schon während seiner Schulzeit.

© Weingut Artner
Eine neue Generation findet ihre Balance
Warum er lieber bei Kälte draußen Reben schneidet als im warmen Büro sitzt? Für den Jungwinzer ist das kein Entweder-oder: „Beim Rebschnitt werden die ersten Entscheidungen für Qualität getroffen. Aber auch das Führen des Unternehmens vom Schreibtisch aus ist heute unverzichtbar.“ Seine Generation wachse in wirtschaftlich und klimatisch herausfordernden Zeiten auf, da müsse man beides können.
Tradition weiterführen und trotzdem moderner denken
Herzstück des Weinguts Artner ist und bleibt die Sorte Blaufränkisch: „Er ist extrem vielschichtig, zeigt internationalen Charakter und passt perfekt zum Mittelburgenland. Auf schottrigen Lagen entsteht ein mineralischer, eleganter Rosé, tiefgründige Böden wiederum liefern die Basis für kräftige Lagenweine.“
Gleichzeitig möchte der Jungwinzer aber auch Neues wagen: „Ich will unsere Weine moderner gestalten und für eine jüngere Zielgruppe ansprechender. Eine moderne Marke schaffen, die zeitlos ist.“
Schon 2021 wurde in neue Etiketten investiert. Social Media und ein moderner Markenauftritt sind dauerhaft in Arbeit, denn die Jungwinzer wissen: Wer eine junge Zielgruppe erreichen will, muss dorthin gehen, wo sie ist.
Auf die Frage, ob Artner auch auf neue Technologien im Weinbau setzt, meint er: „Mein Fundament sind Erfahrung, Handwerk und alte Reben. Gleichzeitig nutze ich bewährte moderne Methoden um noch ausdrucksstärkere und präzisere Weine zu erzeugen. So geht Innovation Hand in Hand mit Tradition ohne den Charakter unserer Weine zu verlieren.“

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Achtung vor der Natur und der Familiengeschichte
„Ich finde, man muss immer auch die Details sehen, um das große Ganze zu verstehen“, versucht Alexander Artner seinen Betrieb zu beschreiben: „Traditionell, aber mit moderner Denkweise und mit einer großen Portion Respekt gegenüber Natur und Familiengeschichte.“ Das A in Artner stehe für Achtung. Achtung vor dem, was Eltern und Großeltern aufgebaut haben, und Achtung vor dem, was das Terroir vorgibt.
Ob sich der Rotwein im Mittelburgenland neu erfinden muss?
Für den 25-Jährigen ein klares Nein: „Der Rotwein hat das Mittelburgenland groß gemacht.“ Was sich jedoch ändern darf, ist die Stilistik: weniger Holz, mehr Eleganz, mehr Frische. „Ungeschminkt und tiefgründig“, so beschreibt er seinen Zugang.
Ein Trend, den Alexander Arnter beobachtet, ist, dass viele junge Winzer ein viel stärkeres Bewusstsein dafür haben, ihre Weingärten nachhaltig zu begleiten, statt in die Natur einzugreifen. „Wer in Zeiten des Klimawandels aufwächst, versteht besonders gut, wie schnellläufig Flora und Fauna arbeiten. Deshalb interessieren mich vor allem Trends, die naturnahes Arbeiten fördern und nicht auf Uniformität oder Manipulation setzen“.

© Weingut Artner
Der Blick nach vorn
Alexander Artner hat große Ziele und doch sind sie bodenständig formuliert: „Ich möchte, dass unsere Weine international wahrgenommen werden. Und ich möchte nie aufhören zu lernen.“ Ein Traum begleitet ihn dabei besonders: „Es wäre großartig, in einem renommierten Restaurant oder einer Weinbar auf einem anderen Kontinent zu sitzen und dort meinen Wein auf der Karte zu sehen.“
Alter: 25
Hobbys: Skifahren, Feuerwehr, Weinreisen
Was schenkst du dir nach einem harten Tag ein? Überwiegend internationale Weine, um meinen Horizont zu erweitern
Handlese oder Maschine?100% selektive Handlese.
Braucht der Blaufränkisch viel oder wenig Holz? Es muss stilvoll und zum Wein passend sein, keines falls zu viel, ausschließlich französische Eiche.
Piwi-Sorten: ja oder nein?Nein. Mein Fokus liegt auf autochtonen und französischen Sorten.
Über oder unter 13,5 Prozent?Das entscheidet der Jahrgang und der optimale Reifezeitpunkt.
Pflanzenschutz: bio oder nicht? Biologisch und nachhaltig Zertifiziert