Lisa Kölly-Pfneisl ist „born 2 make wine“

Jungwinzer-Serie

Mit der Serie „Blaufränkisch Next Gen – Die Jungwinzer von Deutschkreutz“ porträtiert die BVZ die neue Generation (U35) im Weinbau.

Lisa Kölly-Pfneisl ist Winzerin in vierter Generation und hat 2024 den elterlichen Betrieb übernommen.

Lisa Kölly-Pfneisl ist Winzerin in vierter Generation und hat 2024 den elterlichen Betrieb übernommen.

© Weingut Pfneisl

Manche wachsen von klein auf in den Weinbau hinein, andere finden erst später ihre Leidenschaft – so wie Lisa Kölly-Pfneisl, die heute mit beeindruckender Klarheit und Vision ihren Familienbetrieb führt und seit 2024 auch an der Spitze des Verbandes Blaufränkisch Mittelburgenland steht. Ihr Weg in die Weinwelt war keiner, der schon in der Kindheit vorgezeichnet war, denn der Moment, in dem sie wusste, dass der Weinbau ihre Zukunft ist, kam ungewöhnlich spät. Während ihres berufsbegleitenden Studiums im Jahr 2012 arbeitete sie zwar im elterlichen Betrieb mit – jedoch ohne inneren Plan, diesen eines Tages zu übernehmen.

Doch dann passierte etwas: Der Freiraum, den ihr die Eltern ließen, die Möglichkeit, selbst Ideen einzubringen und Projekte auszuprobieren – all das entfachte eine Leidenschaft, die sie nicht mehr losließ: „Zu sehen, wie aus eigenen Vorstellungen etwas entsteht, war der Moment, in dem ich wusste: Ich bleibe.“

Vom Reitsport zur Winzermeisterin

Ihre Ausbildung führte Lisa Kölly-Pfneisl zunächst ins Tourismus-Pannoneum Neusiedl. Danach widmete sie sich intensiv dem Reitsport – lange genug, um sogar mit einer professionellen Karriere zu liebäugeln.

Lisa Kölly-Pfneisl ist „born 2 make wine“

© Weingut Pfneisl

Doch die Naturverbundenheit war stärker und so zog sie der Weinbau zurück. Parallel zur Arbeit im Weingut absolvierte sie ein Wirtschaftsstudium. Den Fachbrief (Weinbauschule Eisenstadt) erlangte sie 2020 am zweiten Bildungsweg. Aktuell befindet sie sich in den letzten Wochen der dreijährigen Meisterausbildung.

Während andere im Winter das warme Büro suchen, hat die Deutschkreutzerin kein Problem damit, auch bei Eiseskälte im Weingarten den Rebschnitt durchzuführen, denn dieser ist für sie die erste große Qualitätsarbeit des Jahres – ein Moment der Ruhe, der Naturverbundenheit, der Erdung. Gleichzeitig liebt sie aber auch die Vielfalt des Berufs: Keller, Marketing, Büro, Kundenkontakt – der Winzerberuf ist für sie alles außer eintönig.

Ein harmonischer Generationenwechsel

Vor zwei Jahren übernahm Lisa Kölly-Pfneisl offiziell – und stets mit Rückendeckung sowie Untertützung ihres Mannes Bernhard – den Hof. Doch ein klassischer Umbruch war das nicht, denn die 34-Jährige war seit 2014 im Betrieb in alle Entscheidungen eingebunden und längst ein zentraler Teil des Weinguts. Der Familienzusammenhalt sei das wahre Erfolgsrezept, meint die Jungwinzerin.

Veränderungen entstanden im Weingut Pfneisl nicht durch Revolution, sondern durch stetige Weiterentwicklung: neue Stile, neue Ideen und ihre eigene Serie „Offspring“, die erstmals 2014 auf den Markt gekommen ist.

Heute ist das Sortiment von 11 auf 20 Weine angewachsen – bunter, vielfältiger, mutiger.

„Zu unseren jüngsten Innovationen zählen 'Tutti Frutti' – eine moderne, eisgekühlt genießbare Rotwein-Cuvée und die Süßwein-Premiere 2024 mit einem Gelben Muskateller“, so Kölly-Pfneisl, für die gilt „Tradition und Weiterentwicklung schließen einander nicht aus“.

Lisa Kölly-Pfneisl ist „born 2 make wine“

© Weingut Pfneisl

Das Herz der Deutschkreutzerin schlägt klar für den Blaufränkisch, das Aushängeschild der Region. Gleichzeitig schätzt sie die Vielfalt der Böden, die auch internationale Sorten erlauben – etwas, das ihre Eltern früh erkannten. Bereits 1991 wurde Cabernet Franc ausgepflanzt, Mitte der 90er kam Syrah dazu.

Eine besondere Leidenschaft gilt dem Viognier, einer in Österreich seltenen Weißwein-Rebsorte, die das Weingut seit 2020 reinsortig abfüllt.

Hightech trifft Handarbeit

Für Lisa Kölly-Pfneisl ist klar, dass moderne Technik und Tradition zusammen gehören. Daher unterstützen Handlese und Maschinen einander im Betrieb – je nach Bedarf.

Sie liebt die Handlese wegen ihrer schonenden Wirkung auf den Rebstock. Doch die Maschine punktet an heißen Tagen, wenn es beim Weißwein besonders schnell gehen muss: „Nur wer beides nutzt, schöpft das Potenzial wirklich aus.“

Ob sich der Rotwein in der Region neu erfinden muss? Lisa Kölly-Pfneisl meint „Nein – neu erfinden muss er sich nicht. Aber die Branche braucht frische Marketingansätze und Produkte, die junge Zielgruppen stärker ansprechen. Unser 'Tutti Frutti' ist einer dieser Schritte“.

Wie viele andere junge Winzerkollegen beobachtet auch die Deutschkreutzerin die vielen neuen Entwicklungen im Weinbau. Besonders begeistert ist sie über die Hinwendung zu leichteren, kühleren Rotweinen.

“Born 2 make wine“ – und große Pläne

Der Slogan des Familienbetriebs ist zugleich Familientradition. Seit vier Generationen wird professionell Wein gemacht.

Für die Zukunft setzt sich Lisa Kölly-Pfneisl selbstbewusst hohe Ziele: „In zehn Jahren möchte ich im absoluten Top-Segment mitspielen.“

Wordrap

Alter: 34

Hobbys: Meine Hunde und Pferde sind mein Ausgleich.

Was schenkst du dir nach einem harten Tag ein? Rosé-Schaumwein mit meinem Mädls, bei schlechtem Wetter einen aromatischen „Hexenberg“.

Lieblingswein? Gibt es keinen, darf ich auch nicht haben.

Handlese oder Maschine?Beides.

Braucht Blaufränkisch viel oder wenig Holz?Blaufränkisch kann alles.

Piwi-Sorten: ja oder nein?Für die Zukunft interessant.

Über oder unter 13,5 Prozent Alkohol? Keine Angst vor Alkohol – nur drunter/drüber wäre fad.

Pflanzenschutz bio oder nicht? Wir arbeiten kombiniert.