Anja Haider-Wallner: „Habe bewusst keinen Plan B“
Kandidaten persönlich
Die grüne Landessprecherin Anja Haider-Wallner über ihre erste Landtagswahl als Listenerste, den Faktor Frau, Regierungsposten und ihre anstehende Hochzeit.
Anja Haider-Wallner holt sich Kraft für ihren Landtagswahlkampf als Spitzenkandidatin beim Wandern.
© privat
„Ja!“, lacht Anja Haider-Wallner auf die Frage, ob man sie denn in ihrer alten Heimat Mattersburg auf der Straße noch erkenne. Nach über einem Jahrzehnt in Eisenstadt führt sie der Landtags-Wahlkampf durch das ganze Burgenland, erstmals steht sie dabei auf Listenplatz eins. Landespolitik-Neuling sei sie dennoch nicht, betont, sie: „Es ist meine dritte Landtagswahl.“
Mit Stress kann Haider-Wallner, die als diplomierte Ayurveda-Praktikerin mehrere Bücher über gesunde (und nachhaltige) Küche geschrieben hat, gut umgehen: Sie macht gerne Yoga und geht – so oft es die Zeit zulässt – am Leithaberg walken.
Die 45-Jährige ist dennoch nicht nur die dienstjüngste - sie löste vor genau einem Jahr Langzeit-Sprecherin Regina Petrik ab -, sondern auch die einzige Frau unter den Spitzenkandidaten. „Das ist immer noch mit Nachteilen verbunden. Meine männlichen Kollegen werden in der Regel nicht nach ihrem Äußeren beurteilt. Der idealtypische Politiker ist in den Köpfen immer noch ein alter, weißer Mann.“ Die Nachteile ließen sich nun auch in einer Studie nachweisen, laut der Frauen weniger Vorzugsstimmen bekommen, als Männer (die BVZ hatte berichtet).
Auch die Haushalts- und Familienpflichten schreibt man in erster Linie noch Frauen zu, bellt da bei Haider-Wallner allerdings den falschen Baum an: „Meine beiden Kinder sind schon erwachsen, außerdem bringt sich mein Lebensgefährte sehr aktiv in den gemeinsamen Haushalt ein.“
Nach der Wahl ist vor der Hochzeit
Martin Hollweck bleibt übrigens nicht mehr lange „nur“ der Lebensgefährte – im Sommer wird geheiratet. „Die Entscheidung dazu ist zu Weihnachten gefallen“, verrät Haider-Wallner auch die praktischen Gesichtspunkte dahinter: „Ich hole dabei meine 45er-Feier nach, Martin wird nächstes Jahr 60.“ Die Hochzeit findet im kleinen Rahmen statt, gefeiert soll dann groß werden.
Eine standesgemäße Feier für eine - dann vielleicht ja bereits - Landeshauptmann-Stellvertreterin? Haider-Wallner lacht. Prinzipiell wäre sie dazu natürlich bereit, das werde aber nur etwas, wenn „alle, die bei der Nationalratswahl die Grünen gewählt haben, auch zur Landtagswahl gehen und ihr Kreu-zerl bei den Grünen machen“, ist für Haider-Wallner die Mobilisierung zur Wahl eines der entscheidenden Themen.
So betont sie auch: „Bei dieser Wahl ist alles möglich: Wenn wir die vier Prozent nicht schaffen, sind wir draußen, wenn wir drin bleiben, stehen die Chancen auf eine Regierungsbeteiligung aber dafür sehr gut.“ Ungefähr 8.000 dieser Kreuzerl braucht sie dafür, es wird spannend, „Plan B“ gibt es bewusst keinen: „Wir werden das schaffen.“
Im Interview: Anja Haider-Wallner über...
... das grüne Kernthema Bodenversiegelung: „Egal in welchem Landesteil ich gerade bin, ob ich mit jungen oder älteren Menschen rede – die Bodenversiegelung stört einfach alle. Wir haben die höchste Supermarkt-Dichte Europas und gerade deswegen so hohe Preise. Jeden Tag werden umgerechnet zwei Fußballfelder im Burgenland versiegelt, gleichzeitig ist Leerstand eines der drängendsten Probleme unserer Gemeinden. Selbst eingesessene Wirtschaftsvertreter haben das schon kritisiert.“
... Bedingungen an die SPÖ bei eventuellen Koalitionsverhandlungen: „Wir müssen die Demokratie stärken und das geht am besten mit einem Bürgerrat wie in Vorarlberg. Dort erarbeiten seit 2006 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger an einem Wochenende Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen. Und Leute vor Ort wissen am besten, was sie brauchen.“

© Wolfgang Millendorfer
... die SPÖ-Position, mit der sie gar nicht kann: „Das Krankenhaus Gols! Das wird aber auch vor dem Verfassungsgericht nicht halten. Ich hoffe auf die Vorgabe, einen neuen Standort für das Spital zu finden.“
... die ÖVP:„Wir haben gut kooperiert, ich habe mit Markus Ulram immer eine gute Arbeitsbasis im Landtag gehabt.“
... die FPÖ: „Die ist nicht „anders “ als in anderen Bundesländern, sondern hat sich auch im Burgenland unter Herbert Kickl und Norbert Hofer radikalisiert.“
... die Grünen als Reizthema in Sozialen Medien: „Da stecken oft russische Bot-Farmen dahinter, das ist mittlerweile nachweisbar. Ebenso wie die schädlichen Folgen von Social Media. Man sollte auch bei uns über Schutzmaßnahmen für Unter-16-Jährige reden, wie in Australien.“
Haider-Wallner in Kürze
Geboren am 21. September 1979
Wohnt in Eisenstadt
Familie:verheiratet ab Sommer, zwei erwachsene Kinder
In der Politik seit 2013
Persönliches Motto: Lieber grün als grantig
Das gibt mir Kraft: die Natur!
Lieblingsmusik:Musikalisch bin ich sehr breit aufgestellt ... je nach Stimmung: von Elton John bis Zaz, von den Ärzten bis Adele ...
Dieses Buch lese ich gerade: „Eintunkt“ von Martina Parker