Tage jüdischer Kultur und Musik auf der Burg Schlaining
KLANGherbst
Der burgenländische Herbst zeigte sich heuer nicht nur von seiner farbenprächtigen Seite, sondern auch von seiner klangvollen. Bereits zum fünften Mal lud die Friedensburg zum KLANGherbst - Tage jüdischer Kultur und Musik.
Werner Glösl (links) mit dem Roman Grinberg Klezmer Swing-Quintett Peter Strutzenberger, Sascha Danilov, Roman Grinberg, Alexander Shevchenko, Wolfgang Dorer und dem künstlerischer Leiter Gerhard Krammer.
© Lexi, Jens Krauss
Gleich an drei Abenden verwandelte sich die Friedensburg in einen musikalischen Ort des Erinnerns und Erlebens. Auch in diesem Jahr setzte künstlerischer Leiter Gerhard Krammer auf ein vielfältiges Programm, das die lange jüdische Tradition von Stadtschlaining ins Zentrum rückte.
Den Auftakt der dreitätigen Veranstaltungsreihe machte am Montag das Roman Grinberg Klezmer Swing-Quintett im Granarium. Roman Grinberg, Pianist, Sänger und Moderator des Abends führte gemeinsam mit Sasha Danilov (Klarinette), Peter Strutzenberger (Kontrabass), Wolfgang Dorer (Schlagzeug) und Alexander Shevchenko (Bajan) durch ein Programm, das Tradition und Jazz auf wunderbare Weise verband.
„Klezmer ist die Musik, die das Schicksal des jüdischen Volkes widerspiegelt. Sie berührt uns, weil sie ungeachtet aller Bitterkeit und Traurigkeit immer ein Lächeln hat“, so Musikhistoriker Manfred Perlmoser. BVZ-Fotograf Lexi mischte sich unter das Publikum und fing die besondere Stimmung des Konzertes ein.
Am Mittwoch präsentierten Nina Proll und das Trio de Salon „Lieder eines armen Mädchens“. Sängerin Nina Proll erzählte gemeinsam mit Peter Gillmayr (Violine), Andrej Serkov (Bajan) und Alvin Staple (Kontrabass) musikalisch die Werke von Kurt Weill, Friedrich Hollaender und Hanns Eisler.
Den Abschluss des KLANGherbstes bildet am Freitag der Vortrag von Esther Heiss, Direktorin des Jüdischen Museums Eisenstadt im Engelsaal der Burg. Unter dem Titel „Erinnerungskultur von innen heraus begreifen - Warum der moralische Holzhammer nicht (mehr) wirkt“ setzt sie sich kritisch mit der aktuellen Gedenkkultur auseinander. Musikalisch umrahmt wird der Abend von Timea Hérics (Fagott) und Marie-France Sylvestre (Klarinette).
Der Vortrag widmet sich der Frage, warum mit dem moralischen Holzhammer keine Wirkung (mehr) erzielt werden kann und nur ein gemeinsames Erinnern der Religionen der Schlüssel zu einem tieferen Begreifen und einer ehrlichen gemeinsamen Gedenkkultur sein kann. Beginn ist um 19 Uhr.