Warm-kalt im Garten: So kann man seine Pflanzen schützen

Klimawandel als Challenge

Marillenblüte im Februar, Frostgefahr bis Mai: Weil viele Pflanzen und Obstsorten jetzt schon austreiben, kann es bei kühlen (nächtlichen) Temperaturen schnell zu Schäden kommen. Die BVZ holte sich Gartentipps von den Experten.

Obstbauverbands-Präsident Johann Plemenschits.

Obstbauverbands-Präsident Johann Plemenschits.

© Michaela Grabner

„Es gibt ein Phänomen, dass es zwar global wärmer wird, es aber bei uns im März und April und sogar im Mai nun noch häufiger zu Spätfrost kommt“, sagt der Gartenexperte und burgenländische Umweltpreisträger Wolf Stockinger, der in Neusiedl am See mit seinem Projekt „ZauberGarten“ trockenheitsresistente Beete anlegte.

Gefährdet von späten Frösten sind vor allem Marille, Pfirsich, Kaki und Feige: Diese Obstsorten reagieren auf Wärme und treiben aus, wenn die Temperaturen steigen. Sinken die Temperaturen wieder, so kann es zu Schäden kommen. „Das ist für Obstbauern fatal“, sagt Wolf Stockinger. Äpfel und Birnen reagieren hingegen auf Licht, warten mit der Blüte bis ins Frühjahr und sind daher weniger empfindlich.

„Wenn die Temperatur in die Nähe von null Grad kommt, kann man in privaten Gärten Kübel mit Paraffinwachs aufstellen und über Nacht brennen lassen“, empfiehlt Johann Plemenschits, Präsident des Obstbauverbandes Burgenland. Diese effiziente Maßnahme bewirke eine Temperaturerhöhung, so können bei Frostgefahr Blüten und die im Frühstadium noch empfindlicheren Früchte geschützt werden.

Die Paraffinkübel haben eine Brenndauer von acht Stunden. In großen Obst- und Weingärten versprühen die Landwirte bei Frostgefahr Wasser und erzeugen auf den Kulturen dadurch eine schützende dünne Eisschicht. Auch das Abbrennen von Strohballen ist eine Methode, die in der Landwirtschaft zum Schutz vor Frost angewendet wird.

„Man müsste sich den Standort für kälteempfindliche Bäume gut überlegen“, rät ZauberGärtner Wolf Stockinger. Mediterrane Pflanzen profitieren von durchlässigem, sandigen Boden.

Ab wann dürfen die Paradeiser ins Beet?

„Robustere Gemüsesorten konnte man heuer schon zeitig anbauen“, berichtet der Gartenexperte. In seinem Garten gedeihen frühe Salate, Erbsen und Karotten. Die ersten Radieschen konnte er schon ernten. „In Supermärkten und Baumärkten werden aber auch schon Paradeiser- und Paprikapflanzen verkauft“, beobachtet Wolf Stockinger.

„Wenn es noch einmal auf zwei oder drei Grad abkühlt, bekommen diese wärmeliebenden Pflanzen einen Schock.“ Er würde Paradeiser, Paprika und Co. erst nach dem 20. April anbauen. „Sollte es danach noch einmal kalt werden, kann man zwei Vlieshauben über die Pflanzen geben“, empfiehlt Stockinger. Die isolierende Luftschicht zwischen den zwei Hauben schützt.

Es klingt unglaublich, aber eine Vliesschicht allein könnte sogar eine noch stärkere Abkühlung bewirken: „Physiker stellten fest, dass das Flies zu einer Ionisation führt, dadurch kann es unter dem Vlies um einige Grad kälter sein als außerhalb.“

Das führt dazu, dass frostempfindliche Pflanzen wie zum Beispiel Palmen ohne Winterschutz eher überleben, als mit falscher Abdeckung, weil man sich dadurch „quasi eine Tiefkühltruhe um die Pflanze baut“, erklärt der Experte. Auf keinen Fall sollte man Plastikfolien zum Abdecken verwenden, meint der Experte. Das würde rasch zu Fäulnis führen.

Warm-kalt im Garten: So kann man seine Pflanzen schützen

© Shutterstock, Irina Wilhauk

Eine Woche früher als sonst startet Leithaland Gemüse am 16. April mit dem Jungpflanzenverkauf. „Speziell heuer, wo es sehr warm ist, können es die Leute kaum erwarten, die Pflanzen einzusetzen“, berichtet Andreas Graf. Er mahnt trotzdem zur Geduld.

„Die letzten Nächte waren sehr warm, aber bei Temperaturen von sechs, fünf oder vier Grad stellen die Gemüsepflanzen das Wachstum ein“, berichtet Andreas Graf, engagierter Gärtner bei Leithaland Gemüse in Leithaprodersdorf. Bei Temperaturen unter fünf Grad erfrieren Gurkenpflanzen, Melonen erleiden schon bei unter zwölf Grad Schäden.

Muss man Respekt vor den „Eisheiligen“ haben? „Die Eismänner sind bei uns in Pannonien eher Regentage“, sagt Wolf Stockinger. Aber auch eine solche Wetterperiode kann „verwöhnten“ Gemüsepflanzen aus dem Gewächshaus oder Folientunnel zusetzen. „Sie sind schwer beleidigt, wenn Regen, Kälte und Wind zusammenkommen“, sagt Wolf Stockinger.

Mit dem Regen kommt auch die Blütenmonilia, eine Pilzkrankheit, die vor allem Marillenbäume bedroht. „Die dadurch verursachten Infektionen richten großen Schaden an“, erklärt Johann Plemenschits. Der Pilz verbreitet sich besonders gut, wenn es feucht und warm ist.

Der Präsident des Obstbauverbandes, der mit seinen Söhnen am Fuße des Günser Gebirges fast 20 Hektar Obstgarten, vorwiegend mit Apfel- und Birnbäumen, bewirtschaftet, empfiehlt privaten Gärtnern, von der Blütenmonilia befallene Blütenorgane, Triebe und Äste jetzt im Frühling abzuschneiden und zu verheizen. „Sonst ist der Pilz nächstes Jahr wieder da“, warnt Plemenschits.

Um Obstbäume durch Dürreperioden zu bringen, empfiehlt Gartenexperte Wolf Stockinger, diese nicht mitten in den Rasen zu pflanzen, weil dort das Gras Wasser und Nährstoffe abzieht. Jeder Baum sollte eine Baumscheibe bekommen, die mit Rasenschnitt gemulcht wird. „So braucht man nur ein Drittel der Wassermenge zum Gießen“, hat Wolf Stockinger festgestellt.

Als Maßnahme gegen die Dürre empfiehlt Andreas Graf von Leithaland Gemüse das Mulchen auch im Gemüsebeet - vor allem im Sommer: „Da sorgt das Mulchen für eine bessere Struktur, der Boden bleibt länger feucht und nimmt vom Mulchmaterial Nährstoffe auf.“

Und Obstgärtner Johann Plemenschits hat als Hitzeschutz gute Erfolge mit Vogelschutznetzen gemacht. Diese schützen die Bäume nicht nur vor Vögeln und Hagel, sondern dämpfen auch die Sonneneinstrahlung um 15 bis 18 Prozent.

Experten-Stimmen zur Gartensaison

Johann Plemenschits, Präsident im burgenländischen Obstbauverband: „Wir sind drei Wochen gegenüber dem Normaljahr voraus und jetzt ist die empfindlichste Zeit. Durch den Klimawandel steigt das Risiko eines Frostschadens, weil die Zeitspanne, wo es Frost geben kann, immer länger wird. Was die Hitze betrifft, so reagieren Pflanzen gestresst auf Extremtemperaturen von über 30 Grad. Bei 22 bis 28 Grad gedeihen die meisten Pflanzen am besten.“

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© Michaela Grabner

Wolf Stockinger, Garten-Experte: „Durch die Klimaerwärmung gibt es bessere Möglichkeiten, in Pannonien mediterranes Obst zu kultivieren – zum Beispiel Granatäpfel oder Olivenbäume. Bei Olivenbäumen sollte man frostharte Sorten wählen. Wichtig ist ein durchlässiger Boden. Bei einem fetten, lehmigen Boden kann es passieren, dass die Rinde platzt. Ich setze viele Pflanzen gerne in Bruchsand, darin wurzeln sie gut und bekommen genug Sauerstoff.“

Warm-kalt im Garten: So kann man seine Pflanzen schützen

© Privat

Andreas Graf von Leithaland Gemüse: „Mir fällt auf, dass die Winde mehr werden. Kleinere Pflanzen wie Salat kann man mit Vlies vor Austrocknung schützen. Bei in die Höhe wachsenden Pflanzen wie Paradeisern würde das Vlies aber eine zusätzliche Angriffsfläche für den Wind schaffen. Man sollte bei der Gartenplanung überlegen, wie man Hecken anlegen und damit windgeschützte Zonen schaffen kann.“

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© Facebook, Leithaland Gemüse