Hautkrebs: „Sonnenbraten“ ist unbedingt zu vermeiden

Klinik Oberwart

Warum Sonnencreme wie die Zahnbürste zum Alltag gehören sollte und welche Mythen sich rund um Sonnenbrände hartnäckig halten: Primarius Martin Pichler, Leiter der Abteilung für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin in der Klinik Oberwart, klärt auf.

Primarius Martin Pichler, Leiter der Abteilung für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin in der Klinik Oberwart, appelliert, dass Sonnenschutz zur täglichen Routine gehören sollte.

Primarius Martin Pichler, Leiter der Abteilung für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin in der Klinik Oberwart, appelliert, dass Sonnenschutz zur täglichen Routine gehören sollte.

© Gesundheit Burgenland/F. G. Messenbaeck, F. Messenbaeck

Die Sonne ist lebenswichtig und fördert unser Wohlbefinden. Sie birgt aber auch Risiken. Durch den Klimawandel gibt es immer mehr Tage mit intensiver Sonneneinstrahlung, was Hautschäden und Hautkrebs begünstigt. Der schwarze Hautkrebs, das Melanom, hat in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen und stagniert aktuell auf hohem Niveau. Österreichweit erkranken pro Jahr rund 2.000 Menschen daran, im Burgenland gibt es jährlich schätzungsweise zwischen 30 und 50 Neuerkrankungen.

Braungebrannt galt lange als Schönheitsideal, doch das Bewusstsein für die Gefahren wächst, vor allem bei jüngeren Menschen. Dennoch sehen Ärztinnen und Ärzte immer wieder junge Patientinnen und Patienten mit Melanomen. „Aufklärung und Vorsorge müssen intensiviert werden“, betont Primar. Univ.-Prof. Dr. Mag. Martin Pichler, MBA, der Leiter der Abteilung für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin in der Klinik Oberwart.

Guter Sonnenschutz ist essenziell

Guter Sonnenschutz ist essenziell und muss nicht teuer sein. Der effektivste Schutz ist, die direkte Sonne zu meiden. Wenn das nicht möglich ist, helfen langärmlige Kleidung und Kopfbedeckungen, da besonders die Kopfhaut empfindlich ist. „Sonnenbraten“ ist unbedingt zu vermeiden. Beim Schwimmen hält Wasser die Wirkung der Sonnenstrahlung nicht auf und Cremes werden abgewaschen. Daher gilt: Vor dem Schwimmen gut eincremen und danach nachcremen. Babys sollten niemals ohne Kleidung direkt der Sonne ausgesetzt werden, da ihre Haut sehr empfindlich ist. „Sonnenschutz sollte zur täglichen Routine gehören, wie das Zähneputzen“, appelliert der Experte.

Alarmsignale: Früherkennung kann Leben retten

Die Vorsorge ist wichtig, doch Termine bei Kassen-Hautärztinnen und -ärzten sind hierzulande oft schwer zu bekommen. Menschen ab 50 Jahren sollten mindestens einmal jährlich zur Hautkrebsvorsorge gehen. Auch die regelmäßige Selbstuntersuchung ist entscheidend: Veränderungen an Muttermalen – etwa Form- oder Farbänderungen, Bluten, Schuppen oder Juckreiz – müssen sofort ärztlich abgeklärt werden. Moderne Hautkrebs-Apps können unterstützen, ersetzen aber keine professionelle Untersuchung. Hautärztinnen und -ärzte nutzen spezielle Mikroskope, um selbst kleinste Hautveränderungen frühzeitig zu erkennen.

Besonders gefährdet sind Menschen mit heller Haut, vielen Muttermalen oder Sommersprossen. Weißer Hautkrebs entwickelt sich oft langsam, schwarzer kann schnell wachsen und sich ausbreiten. Wird Hautkrebs früh erkannt, ist er meist operativ gut behandelbar. Wird er zu spät erkannt, kann er in tiefere Hautschichten und andere Organe streuen, dann sind oft medikamentöse Therapien notwendig.

Gute Nachrichten gibt es bei den Behandlungsmöglichkeiten: „Wir können heute durch spezielle Therapiemöglichkeiten – sogenannte Immuntherapien, aber auch zielgerichtete Therapien –, die selbstverständlich auch im Burgenland angeboten werden, die Prognose selbst bei weit fortgeschrittenen metastasierten Melanom-Erkrankungen drastisch verbessern. Sogar bei einer Ausbreitung des Melanoms kann in manchen Fällen ein chronischer Verlauf der Erkrankung für viele Jahre oder sogar eine Heilung herbeigeführt werden“, macht der Onkologe Hoffnung.

Das Heimtückische an Hautkrebs ist, dass er lange unentdeckt bleiben kann. Vor allem der weiße Hautkrebs, sogenannte Plattenepithelkarzinome oder Basaliome, entwickeln sich oft sehr langsam und über mehrere Jahre. Andererseits gibt es beim sogenannten schwarzen Hautkrebs, auch Melanom genannt, häufig ein rasches Tumorwachstum. Je früher man den Krebs erkennt, desto besser sind die Heilungsaussichten und die Behandlungsmöglichkeiten.

Hartnäckiger Mythos: Sonnenbrände“ härten“ nicht ab

Zum Schluss räumt Primarius Pichler mit hartnäckigen Mythen auf: Sonnenbrände „härten“ die Haut nicht ab, sondern schädigen sie dauerhaft, besonders bei Kindern. Auch Bräune ist kein Schutz, sondern ein Zeichen, dass die Haut der Sonne ausgesetzt war. Und auch bei bewölktem Himmel ist Sonnenschutz wichtig, da UV-Strahlen die Wolken durchdringen.