Schnupfen, Ohrenschmerz und Co.: Wann ärztlicher Rat nötig ist

Klinik Oberwart

Wie man den Körper vor Ansteckung schützt, ihn stärkt und gesund durch die kalte Jahreszeit kommt: HNO-Expertin Dr. Sabine Reinisch von der Klinik Oberwart klärt auf.

Sabine Reinisch ist Erste Oberärztin und leitet die Phoniatrie am Fachschwerpunkt HNO der Klinik Oberwart.

Sabine Reinisch ist Erste Oberärztin und leitet die Phoniatrie am Fachschwerpunkt HNO der Klinik Oberwart.

© Gesundheit Burgenland

Schnupfennase, schmerzender Hals und entzündete Ohren: In der kalten Jahreszeit kommen Infekte im Bereich der oberen Atemwege sowie der Ohren verstärkt vor. Nase und Mund sind die häufigsten Eintrittspforten für Viren.

„Derzeit häufen sich Infekte im Bereich der Nase, Nasennebenhöhlenentzündungen, Entzündungen des Rachens, Mandelentzündungen, aber auch Entzündungen des Ohres“, schildert Oberärztin Dr. Sabine Reinisch vom Fachschwerpunkt HNO in der Klinik Oberwart. Vor allem Kinder sind besonders anfällig und leiden unter wiederkehrenden Infektionen. Warum das so ist? „Aufgrund der unterschiedlichen anatomischen Strukturen – bei Kindern ist alles viel kleiner, die Relationen sind andere – kommt es immer wieder zu aufsteigenden Infekten über die sogenannte Tuba ins Ohr“, so die HNO-Spezialistin. Im Kindesalter seien es durchschnittlich etwa sechs bis acht Infekte pro Jahr.

Wie schützt man sich gegen Ansteckung?

An glatten Oberflächen, wie Tischen, aber auch an Taschentüchern, können Keime mindestens zwei Stunden überleben. Regelmäßiges Händewaschen wird empfohlen und – in Zeiten erhöhter Infektionsgefahr – auch das Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes. Denn: Je länger und enger der Kontakt ist, desto mehr Viren können übertragen werden und desto eher kommt es zu einer Infektion.

Spannend zu wissen: „In Wirklichkeit gibt es keinen verlässlichen Hinweis darauf, dass Kälte und schlechtes Wetter für eine erhöhte Infektionsanfälligkeit maßgeblich sind“, verrät die Medizinerin. Was viel schwerer wiege, seien das meist herabgesetzte Immunsystem in der kalten Jahreszeit, in Folge von weniger Bewegung an der frischen Luft oder gesunkenem Vitamin D-Spiegel. Vitamin D beeinflusst die Immunität nachweislich positiv. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft sollte deshalb auch im Winter oberstes Gebot sein.

Gesunde Mundflora wichtig

Zusätzlich gilt es die Schleimhäute zu pflegen. Diese sind in den Wintermonaten durch die trockenere Luft draußen und die Heizungsluft in den Innenräumen besonders gefordert. Ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und regelmäßiges Lüften – am besten Stoßlüften – sind ebenfalls wichtig. Dadurch können Keime verdünnt werden bzw. austreten.

„Zusätzlich ist darauf zu achten, dass wir unsere Mundflora – das orale Mikrobiom – gesund halten“, betont die HNO-Ärztin. Im Mundbereich existieren rund 800 bis 1.000 unterschiedliche Mikroorganismen. Diese schützen uns vor Erkrankungen und sorgen dafür, dass sich keine krankheitsmachenden Keime ansiedeln. Ernährung oder Medikamente haben auf die Mundflora einen wesentlichen Einfluss. Eine reiche Kost – genügend Eiweiß, Kohlehydrate, Gemüse, sowie ausreichend Vitamine – können die Mundflora positiv beeinflussen. Alkohol hingegen wirkt hier eher negativ. Was noch stärkend wirkt? „Sich aus Stresssituationen herausnehmen. Stress drosselt nämlich das Immunsystem. Zudem für ausreichende körperliche Betätigung, Schlaf, Vitaminzufuhr und Flüssigkeit sorgen. Ganz wesentlich, Rauch, auch passiven Rauch, meiden“, rät die Expertin.

„Kinder, aber auch Erwachsene, die eine Grunderkrankung der Lunge aufweisen, sollten sich auf jeden Fall gegen Pneumokokken impfen lassen“, so Reinisch. Hier sprechen Lungenfachärztinnen und -ärzte oder Kinderfachärztinnen und -ärzte klare Empfehlungen aus. Auch für Patientinnen und Patienten, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, ist eine Impfung gegen Pneumokokken ratsam.

Wann muss ich ärztliche HIlfe suchen?

„Bei harmlosen Infekten ist es zunächst legitim, sich mit sogenannten Hausmitteln, eventuell Schmerzmitteln oder entzündungshemmenden Mitteln aus der Apotheke, die nicht rezeptpflichtig sind, selbst zu behelfen“, betont die HNO-Expertin. Sollte ein Infekt jedoch länger als sieben bis zehn Tage anhalten oder sich eventuell sogar verschlechtern, das Fieber anhalten (bei Erwachsenen über 38,5, bei Kindern über 39 Grad Celsius), dann sollte ärztlicher Rat – im ersten Schritt bei Hausärzten - und ärztinnen, Kinderärzten und ärztinnen oder niedergelassenen Fachärzten und Fachärztinnen – gesucht werden.

Nicht immer ist die Einnahme von Antibiotika nötig. Denn: Die meisten Infekte werden von Viren hervorgerufen. Hier hat eine Antibiotikatherapie keinen positiven Einfluss. „Von zahlreichen Untersuchungen wissen wir, dass der Krankheitsverlauf unter einer antibiotischen Therapie meist kein kürzerer, sondern unter Umständen sogar ein längerer ist“, warnt Oberärztin Sabine Reinisch. Zusätzlich werden so Resistenzen gezüchtet, das bedeutet, dass die Wirksamkeit der Antibiotika in Situationen, wo diese wirklich gebraucht würden, nicht mehr gegeben ist. Bakterien lernen durch Mutationen, also Änderungen ihres genetischen Profils, Antibiotika auszuweichen. Die Folge können multiple Resistenzen sein. Zudem entstehe ein enormer, nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.

Die große Hoffnung: Sobald die Sonne herauskommt, das neblige und düstere Wetter vorbei ist und wir wieder mit Freude an die frische Luft gehen, sollte auch die Infektionen wieder sprunghaft abnehmen.