Doskozil: „Es gibt keinen Plan B“

Klink Gols

Die geplante Klinik in Gols lockte hunderte Menschen zu einem Informationsabend in „Jacky's Mühle“. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheit Burgenland sowie Fachleute gaben Einblicke in Zeitplan, Architekturwettbewerb und medizinisches Konzept. Auch Fragen aus dem Publikum – von Standortwahl bis zur Sicherung der Behandlungsqualität – wurden beantwortet.

Baumeister Ing. Christian Hofstädter, Projektleiter für den Klinikbau, Golser Bürgermeister LAbg. Kilian Brandstätter, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Mag. Franz Öller, MBA, MPH, kaufmännischer Geschäftsführer der Gesundheit Burgenland, Bausachverständige Ing.in Hannelore Ursula Horak und Univ.-Prof. Dr. Stephan Kriwanek, medizinischer Geschäftsführer Gesundheit Burgenland

Baumeister Ing. Christian Hofstädter, Projektleiter für den Klinikbau, Golser Bürgermeister LAbg. Kilian Brandstätter, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Mag. Franz Öller, MBA, MPH, kaufmännischer Geschäftsführer der Gesundheit Burgenland, Bausachverständige Ing.in Hannelore Ursula Horak und Univ.-Prof. Dr. Stephan Kriwanek, medizinischer Geschäftsführer Gesundheit Burgenland

© Birgit Böhm-Ritter

Ein voller Saal in Gols

Der Andrang war so groß, dass viele Besucherinnen und Besucher keinen Sitzplatz fanden und die Diskussion stehend verfolgten. Am Podium sprachen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Bürgermeister Kilian Brandstätter, die Geschäftsführer der Gesundheit Burgenland, Franz Öller und Stephan Kriwanek, Projektleiter Christian Hofstädter sowie die Bausachverständige Hannelore-Ursula Horak. Sie stellten den aktuellen Stand des Projekts vor und betonten die Bedeutung des Standorts.

Doskozil erklärte: „Das Land Burgenland und die Gesundheit Burgenland arbeiten im Rahmen unserer Offensivstrategie im Gesundheitsbereich mit Hochdruck daran, den Burgenländerinnen und Burgenländern die bestmögliche Gesundheitsversorgung zu bieten. Die neue Klinik wird von jedem Ort im Bezirk binnen 30 Minuten erreichbar sein, daher ist und bleibt Gols der ideale Spitalsstandort.“

Leistungen, Schwerpunkte und Qualität

Die neue Klinik soll 132 Betten, darunter zwölf Intensivbetten, 46 ambulante Betreuungsplätze sowie vier Operationssäle umfassen. Geplant sind neben allgemeiner und innerer Medizin auch spezialisierte Angebote in Urologie, Orthopädie und Hernienchirurgie. Tagesklinische Leistungen sollen deutlich ausgebaut werden. „Der Trend ist die Ambulantisierung. Leistungen, die heute stationär erbracht werden, werden künftig tagesklinisch möglich sein. Da spielt die Distanz eine entscheidende Rolle“, erklärte Stephan Kriwanek, medizinische Geschäftsführer der Gesundheit Burgenland GmbH.

Doskozil: „Es gibt keinen Plan B“

© Birgit Böhm-Ritter

Die Sicherstellung der medizinischen Qualität war ebenfalls Thema. Auf die Frage aus dem Publikum nach der Fallzahl und Spezialisierung betonte Kriwanek: „Hochspezialisierte Eingriffe, etwa an Leber und Bauchspeicheldrüse, werden weiterhin in Oberwart durchgeführt. Leistungen wie Hernienoperationen oder die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes können dagegen in Gols in hoher Qualität angeboten werden.“

Fallzahlen sind in der Medizin entscheidend, weil Ärzte und Pflegepersonal durch häufige Durchführung bestimmter Eingriffe Erfahrung sammeln. Eine zu geringe Anzahl an Fällen kann die Übung und Routine mindern und die Ergebnisse verschlechtern. Daher verfolgt die Gesundheit Burgenland die Strategie, in ihren Kliniken verschiedene Schwerpunkte zu setzen und Spezialisierungen zu verfolgen.

Für das Krankenhaus Kittsee kündigte kaufmännischer Geschäftsführer Öller eine Nachnutzung mit Schwerpunkt Altersmedizin an, etwa für Remobilisation und Übergangspflege. Doskozil ergänzte, dass dort ein Zentrum für ältere Patientinnen und Patienten entstehen soll.

Doskozil: „Es gibt keinen Plan B“

© Birgit Böhm-Ritter

Zusätzlich zum Krankenhaus ist für Gols ein Betriebskindergarten sowie vorgelagert ein onkologische Zentrum geplant, das Krebspatientinnen und -patienten außerhalb des klassischen Spitalssettings betreuen wird.

Kriterien für das Bauprojekt

Beim Infoabend wurde betont, dass das Projekt höchsten ökologischen und gestalterischen Anforderungen genügen soll. Dazu zählen:

  • Gebäudehöhe und Struktur: Höchstzulässige Gebäudehöhe 20 Meter, flexible, anpassbare Gebäudestruktur, gedeckte Fassadenfarben ohne Signalfarben.
  • Nachhaltige Baustoffe und Energie: Einsatz umweltfreundlicher Materialien, extensive Gründächer, energieeffiziente Bauweise, Versorgung durch erneuerbare Energiequellen.
  • Freiraum- und Landschaftsplanung: Schonende Gestaltung von Parkflächen, geringer Versiegelungsgrad, Absicherung von Biotopstreifen und Freihalteflächen in Richtung See, naturschutzverträgliche Außenbeleuchtung.
  • Integration in die Umgebung: Harmonie mit der Landschaft, Berücksichtigung von Flora, Fauna und Grundwasserschutz.
  • Nachhaltigkeitsprüfung: Naturverträglichkeitserklärung und strategische Umweltprüfung flossen bereits in die Architekturplanung ein.

„Wir haben dem gesamten Projekt Umweltschutz und Nachhaltigkeit einen hohen Stellwert eingeräumt“, erklärte Öller. „Diese Grundsätze wurden in allen Ausschreibungsunterlagen für den Architekturwettbewerb berücksichtigt.“

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© Birgit Böhm-Ritter

Architekturwettbewerb und Zeitplan

Der EU-weite Architekturwettbewerb startete im Dezember 2024. Von 22 eingereichten Projekten wurden sieben für die nächste Runde ausgewählt. Im November 2025 fällt die Entscheidung über das Siegerprojekt, Anfang 2026 soll die detaillierte Planung beginnen. „Der Wettbewerb läuft anonym, auch die Jurymitglieder wissen nicht, welche Büros eingereicht haben“, betonte Öller.

Kontroverse Standortfrage

Die Wahl von Gols als Standort war bereits im Vorfeld heftig diskutiert worden. Zahlreiche Berichte in der BVZ (siehe Links unten) dokumentieren die Debatte. Eine Bürgerinitiative äußerte ihre Bedenken aus Naturschutzgründen vehement. Beim Infoabend wurde erneut die Frage nach dem Bau im Natura-2000-Gebiet gestellt. Projektleiter Hofstädter erklärte: „In einem umfassendes Flächenumwidmungsverfahren wurde das Grundstück von allen Gutachtern als bestes befunden.“ Auch Bausachverständige Horak bestätigte, dass Umwelt- und Raumfaktoren geprüft worden seien.

Doskozil: „Es gibt keinen Plan B“

© Birgit Böhm-Ritter

Auf die Frage nach einem möglichen Plan B antwortete Doskozil klar: „Ich knüpfe auch mein persönliches Schicksal an das Krankenhaus Gols, weil es für mich das wichtigste Projekt in meiner Zeit als Landeshauptmann ist. Ich sage es ganz offen, es gibt keinen Plan B, es gibt nur einen Plan A.“ Die Baueinreichung soll 2027 erfolgen, Verzögerungen im Bewilligungsverfahren seien nicht auszuschließen.

Bürgermeister Kilian Brandstätter betonte seinerseits: „Der Bau der Klinik Gols ist für mich ein Herzensprojekt, denn die Menschen hier haben es sich verdient, die beste Gesundheitsversorgung zu haben – auf höchstem Niveau und möglichst wohnortnah. Die neue Klinik im Zentrum des Bezirks wird rund 400 Menschen einen regionalen Arbeitsplatz bieten und so für die gesamte Region eine enorme Aufwertung sein.“