11 Tote in Graz, Amokdrohungen in Neusiedl - und was das mit uns macht
Kommentar
Ein persönlicher Kommentar zum Amoklauf in Graz, bei dem mindestens 11 Menschen getötet wurden, aus der Sicht einer Neusiedler Mutter und Journalistin.
Die Polizei ist weiterhin in und um das BORG Dreierschützengasse in Graz im Einsatz.
© APA/ERWIN SCHERIAU, ERWIN SCHERIAU
Die Nachricht vom heutigen Amoklauf an einem Grazer BORG (Bundesoberstufenrealgymnasium) mit mehreren Toten macht fassungslos. Sie macht betroffen – und sie verändert die Sichtweise auf Ereignisse, die zuletzt auch in Neusiedl am See für Aufsehen sorgten. Mehrfach mussten dort Schulen geschlossen werden, nachdem anonyme Hinweise auf eine mögliche Gefahr aufgetaucht waren. Rückblickend zeigt sich: Die Verantwortlichen haben hier richtig gehandelt.
© BVZ, Jens Krauss
Auch wenn hier - trotz Gewaltandrohung - vielleicht keine konkrete Gefahr vorgelegen sein dürfte, ist man als Elternteil beruhigt, dass hier besonnen und auf Sicherheit bedacht reagiert worden war.
Als Mutter einer Schülerin im Neusiedler Schulzentrum weiß ich, wie belastend die wiederholten kurzfristigen Umstellungen auf Homeschooling waren. Die Anspannung war spürbar. Nicht zu wissen, ob eine Drohung ernst gemeint ist oder nicht, hinterlässt Fragen. Doch es war tröstlich zu sehen, dass niemand gezögert hat, Verantwortung zu übernehmen.
Heute ist klarer denn je: Homeschooling oder Unterricht mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen, wie nach einer Drohung in Frauenkirchen in der Vorwoche, sind keine Überreaktionen, sondern eine notwendige Vorsichtsmaßnahme. Die Bildungsdirektion, die Bezirkshauptmannschaft und die Schulleitungen haben mit Augenmaß entschieden. Sie haben nicht verharmlost, sondern geprüft, informiert und besonnen gehandelt.
Schule muss ein Ort der Konzentration und des Vertrauens sein – nicht der Verunsicherung. Wer vorsorglich handelt, schützt dieses Vertrauen. Nicht jede Drohung ist konkret. Doch jede ernst genommene Warnung kann helfen, Sicherheit zu wahren, ohne unnötig zu alarmieren.
Die vergangenen Wochen in Neusiedl waren nicht einfach – aber sie haben gezeigt, dass der Schutz von Schülerinnen und Schülern, von Lehrerinnen und Lehrern, oberste Priorität hat. Darauf kommt es an. Und dafür kann man heute dankbar sein.