Bankomatsprengung in Kittsee, Auto-„Klau“ in Hollabrunn: Prozess

Komplizierte Ermittlung

Zwei slowakische Staatsbürger sollen versucht haben, einen Bankomat in Kittsee in die Luft zu sprengen.

Nur der Angeklagte im roten Pullover bekannte sich schuldig. Der zweite Angeklagte bestreitet jede Beteiligung an den angeklagten Straftaten.

Nur der Angeklagte im roten Pullover bekannte sich schuldig. Der zweite Angeklagte bestreitet jede Beteiligung an den angeklagten Straftaten.

© BVZ/Kirchmeir

Am 7. Juli 2023 sollen zwei Männer versucht haben, den bei einem Einkaufszentrum in Kittsee befindlichen Bankomat zu sprengen. Die Polizei wurde auf die Täter aufmerksam, sie rasten in einem PS-starken PKW davon.

Im September 2023 konnten die Verdächtigen nach umfangreichen Ermittlungen verhaftet worden. Am Freitag, 26. April 2024, mussten sie sich am Landesgericht Eisenstadt wegen der versuchten Bankomatsprengung in Kittsee, einem weiteren versuchten Bankomatdiebstahl in Tschechien und wegen des Diebstahl des Fluchtautos vor Gericht verantworten.

Während sich der 39-jährige Angeklagte schuldig bekannte, bestritt sein 35-jähriger Landsmann, mit den Straftaten irgendetwas zu tun zu haben. Im übrigen verweigerten sie jede weitere Aussage.

Daher müssen jetzt die von der Kriminalpolizei ermittelten Hinweise vor Gericht geprüft werden. Beide Angeklagten sind einschlägig vorbestraft und mussten bereits Haftstrafen verbüßen. Dem Jüngeren, der sich nicht geständig zeigte, drohen wegen raschen Rückfalls nicht nur bis zu fünf, sondern sogar bis zu siebeneinhalb Jahre Haft.

Fluchtauto in Hollabrunn gestohlen

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten vor, am 9. Mai 2023 bei einem Hollabrunner Autohaus einen 300 PS starken Renault Megane gestohlen zu haben. Unter Verwendung eines teuren Spezialwerkzeugs sollen sie die Wegfahrsperre umgangen haben.

Von einem anderen Fahrzeug stahlen die Täter in dieser Nacht die Kennzeichentafeln. Dann fuhren sie in zwei Autos über Tschechien zurück in die Slowakei.

Fotos von Überwachungskameras zeigen die beiden Männer auf der Anreise zum Tatort gemeinsam in einem Auto sitzen. Dieses Fahrzeug, in Opel, wurde später an der Wohnadresse des 39-jährigen Angeklagten gefunden.

Im Juni und Juli stahlen die Täter in Österreich weitere Kennzeichentafeln.

Zwei versuchte Bankomat-Diebstähle im Juli 2023

Am 4. Juli 2023 sollen sie versucht haben, in einer tschechischen Ortschaft einen Bankomat aufzubrechen, in dem sich 45.000 Euro Bargeld befanden. In der Nähe des Bankomaten montierte Überwachungskameras dokumentierten den Vorfall. Offenbar wurden die Täter gestört, sie verließen den Tatort, ohne die Sprengung durchzuführen.

Am 7. Juli 2023 hantierten zwei Männer in Kittsee an einem Bankomat. Die Polizei führte in derselben Nacht eine Schwerpunktaktion zum Schutz vor Einbrechern durch. Eine Zivilstreife war auch in Kittsee unterwegs. Die Polizisten wurden auf die verdächtigen Personen beim Bankomat aufmerksam, diese sprangen in das in Hollabrunn gestohlene Fluchtauto und rasten davon.

In weiterer Folge wurden die Ermittlungen der slowakischen, tschechischen und österreichischen Behörden zusammengeführt. Der gestohlene PKW wurde in einer unter falschem Namen angemieteten Garage gefunden, dort befand sich auch das teure Spezialwerkzeug, das beim Autodiebstahl offenbar verwendet worden war.

Zwei Verdächtige im September 2023 verhaftet

Nach den Verdächtigen wurde per europäischem Haftbefehl gefahndet, im September 2023 wurden sie verhaftet.

„Die Anklage ist auf Vermutungen und Indizien aufgebaut, das ist zu wenig, um meinen Mandanten zu überführen“, sagte der Verteidiger des 35-Jährigen. Dieser werde sich inhaltlich erst nach dem Beweisverfahren äußern.

„Schuldig im Sinne der Anklage“, bekannte sich der 39-Jährige. „Es tut ihm sehr leid“, sagte seine Anwältin. „Er wird keine weiteren Fragen beantworten.“

Ausführlich befragt wurde ein Kriminalbeamter des Landeskriminalkommandos Niederösterreich. Er habe „den Akt geerbt, weil eine Kollegin in Karenz ging“. Richterin Birgit Falb wunderte sich, dass der Kriminalbeamte ohne jegliche Ermittlungsunterlagen erschienen war: „Wir brauchen hier Ermittlungsbeamte, die jedes einzelne Ermittlungsergebnis vortragen“, erklärte sie.

Autodiebstahl mit teurem Spezialwerkzeug

Zum Autodiebstahl in Hollabrunn sagte der Kriminalbeamte: „Für Laien ist es nicht möglich, so einen Vorgang durchzuführen. Man braucht dazu ein Spezialwerkzeug, das mehrere Tausend Euro kostet, und Kenntnisse wie zum Beispiel ein KFZ-Mechaniker.“

Die Handys der Verdächtigen wurden ausgewertet. Die Polizei fand am Handy des 39-Jährigen Fotos von Gerätschaften, die für Autodiebstähle verwendet werden, und von Desinfektionsmitteln, wie man sie zum Beseitigen von Spuren verwenden kann. Am Handy des 35-Jährigen befand sich ein Schulungsvideo für die Verwendung eines On-Board-Diagnose-Tools, das verwendet werden kann, um bei Autos die Wegfahrsperre zu umgehen.

Fotos und ein Video von Überwachungskameras zeigen zwei vermummte Männer, wie sie am 4. Juli 2023 an einem Bankomat in einer tschechischen Ortschaft hantieren. „Cool schlendernd“ seien die Personen zum Bankomat gegangen. Man sehe, so der Kriminalbeamte, wie einer der Männer den Bankomat besprüht. Im Hintergrund ist der gestohlene Renault Megane zu erkennen.

„Als würde man es nicht zum ersten Mal machen...“

„Es ist schon ein sehr entspannter Vorgang, als würde man es nicht zum ersten Mal machen“, kommentierte der Kriminalbeamte die Szenen.

Nicht ganz klar ist, warum die Täter den Tatort verließen, ohne den Bankomat zu öffnen. „Es scheint so, als habe es nicht funktioniert“, meinte der Kriminalbeamte.

Die Vorgangsweise bei der versuchten Bankomatsprenung in Kittsee drei Tage später soll dieselbe gewesen sein wie bei der Tat in Tschechien. Um 1.30 Uhr wurden die Täter von der Polizei am 7. Juli 2023 auf frischer Tat ertappt, um 1.44 Uhr wurde der Renault Megane mit zwei Insassen bereits in der Slowakei von Verkehrskameras fotografiert. Mit durchschnittlich 190 km/h sollen die Täter davongerast sein.

Zurück blieben einige Gegenstände, die auf eine versuchte Bankomatsprengung hinwiesen. „Es war ganz klar eine Vorbereitungshandlung für eine Sprengung“, sagte der Kriminalbeamte.

Der Prozess wurde vertagt. Die Richterin will auch Polizisten aus Tschechien und der Slowakei zur Zeugeneinvernahme laden.