Pensionist soll Ukrainern Reifen aufgestochen haben
Konflikt auf Autobahn
Auf der Fahrt nach Ungarn soll ein Pensionist aus Deutschland ein Ehepaar aus der Ukraine gefährdet haben. Nach einem Zusammentreffen an der Raststation hatte das Auto der Ukrainer einen „Platten“.
Der 80-jährige Angeklagte musste zum Prozess nach Eisenstadt kommen.
© BVZ/Kirchmeir
Die Vorfälle sollen sich am 12. August 2025 auf einem Abschnitt der Südautobahn ereignet haben, der sich auf burgenländischem Gebiet befindet. Verhandelt wurde deshalb am Freitag, 5. Juni 2026, am Landesgericht Eisenstadt.
Hauptperson: Ein 79-jähriger Pensionist aus Deutschland, der sich am 12. August des Vorjahres mit seinem Mercedes auf der Fahrt nach Ungarn befunden hatte. Der Mann hört schlecht, wie sich gleich herausstellte. Das Hörgerät nahm er zu Prozessbeginn dennoch aus dem Ohr: „Ich glaube, ohne Hörgerät kann ich besser verstehen.“
Das war aber nicht der Fall, was er auf den „Dialekt“ zurückführte.
„Sagen Sie mir Ihre Adresse“, forderte die Richterin den Mann auf. „Ausweis?“, fragte er zurück. „Wohn-Adresse!“, artikulierte die Richterin laut und deutlich.
„Sie haben keine Vorstrafen in Deutschland?“, fragte sie weiter. „Keine Unternehmen“, antwortete der Angeklagte artig. „Vorstrafen!“, wiederholte die Richterin. „Nein, keine“, hatte er jetzt verstanden.
Auf A2 überholt, BMW geschnitten und gebremst?
Vorgeworfen wurde ihm einerseits eine wiederholte Nötigung im Straßenverkehr, andererseits eine Sachbeschädigung. Der Pensionist soll auf der Südautobahn mehrfach den BMW eines in Wien lebenden ukrainischen Ehepaares überholt, nach dem Überholvorgang hineingeschnitten und abrupt abgebremst haben.
Als die am Steuer sitzende Ukrainerin den Mercedes ihrerseits überholen wollte, soll der Deutsche ebenfalls auf die Überholspur ausgeschert sein und so den Überholvorgang verhindert haben.
Es könne durchaus sein, dass er abgebremst habe, so der Angeklagte. Aber keinesfalls mit Absicht. Er habe keinen Grund gehabt, das Ehepaar im BMW zu provozieren.
Erstes Zusammentreffen im Baustellenbereich?
Später sagte die junge Ukrainerin aus, dass es sehr wohl ein Motiv für das riskante Fahrverhalten gegeben haben könnte: Diesem soll nämlich eine Situation bei einer Autobahnbaustelle vorangegangen sein, wo zwei Spuren zu einer zusammengeführt wurden. Der Pensionist habe erst an der Einmündungsstelle die Spur wechseln wollen, sie habe jedoch nicht so schnell reagieren können, weshalb der Pensionist gezwungen gewesen sein soll, zu warten.
Mehrmals sollen sie danach von dem Pensionisten „geschnitten“ worden sein, so die Ukrainerin. Das allein hätte sie aber noch nicht veranlasst, Anzeige bei der Polizei zu erstatten, sondern erst ein weiterer Vorfall, der sich bei einer Raststation ereignet haben soll.
Pensionist schlich um geparktes Auto herum
Dort machten nämlich sowohl der Deutsche, als auch das ukrainische Paar Pause. Während die Ukrainer das Lokal aufsuchten, stieg der Deutsche aus und begab sich zum Auto der Ukrainer, weil er darin einen Hund bellen hörte. „Dabei fiel mir auf, dass in einem hinteren Reifen wenig Luft war“, sagte der Pensionist vor Gericht.
Er habe ein „Problem mit der linken Wade“, deshalb habe er auf der Wiese neben dem BMW „ein paar Übungen“ gemacht. In dem Moment kam der 32-jährige Ukrainer aus der Raststation. „Ich fragte den Mann, warum er bei meinem Auto ist“, berichtete er als Zeuge vor Gericht. Da sei der Unbekannte schnell zu seinem eigenen Auto gegangen.
„Da verstand ich: Es ging um das Auto, das wir auf der Autobahn gesehen hatten“, so der Ukrainer. Rasch habe er den Mercedes samt Nummerntafel mit dem Handy fotografiert.
Aus dem Reifen strömte Luft
Dann habe er sein Auto kontrolliert - zunächst auf Kratzer. Da fiel ihm ein Loch und das Geräusch ausströmender Luft auf: Ein Hinterreifen war mit einem spitzen Gegenstand zerstochen worden. „Ich habe nicht erwartet, dass so etwas in Österreich passieren kann“, meinte der Ukrainer. Seine Frau verständigte die Polizei, langsam fuhr das Paar zu einer Werkstatt, wo ein neuer Reifen montiert wurde.
„Vielleicht hat er gar nicht gewusst, dass der Reifen schon vorher angestochen wurde. Oder er hat ihn an der Bordsteinkante beschädigt“, meinte der Angeklagte. Das Ganze sei „ein ganz blöder Zufall“.
Hätte der Schaden schon vorher bestanden, so hätten die Sensoren im Auto dies angezeigt, sagten die Ukrainer. Dies geschah aber erst, als man von der Raststätte wieder wegfuhr. „So viele Zufälle gibt's nicht“, meinte der BMW-Besitzer.
Richterin sprach den Deutschen schuldig
Der Angeklagte blieb bis zum Schluss dabei: Er habe mit dem zerstochenen Reifen nichts zu tun.
Die Richterin glaubte ihm nicht und sprach ihn schuldig. Der Deutsche erhielt eine bedingte Haftstrafe von drei Monaten. An das ukrainische Ehepaar muss er 286,60 Euro für den Reifen bezahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.