Ehemalige Synagoge Kobersdorf: „Es wartet doch noch soviel auf mich“
Konzert
In der ehemaligen Synagoge nahmen Schüler aus den Musikschulen des Bezirkes die Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit.
Vor dem Konzert. Die Mitwirkenden mit Direktor Thomas Loier, Landtagsabgeordneter Elisabeth Trummer sowie Markus Neuhold, Direktor des Gymnasiums.
© Elisabeth Tritremmel
Im Rahmen des Projekts „Musik.Gedenk-Schule - Musikalische Wege des Erinnerns“ der Musikschulen Oberpullendorf und Deutschkreutz und der Initiative Shalom.Lockenhaus fand vergangene Woche ein Konzert in der ehemaligen Synagoge Kobersdorf statt. Eingebunden in das Projekt sind auch Schulen aus der Region, der Konzertabend fand in Kooperation mit dem Gymnasium „Franz Liszt“ Oberpullendorf statt. Die Webseite musikgedenkschule.com wird von der Handelsakademie Oberpullendorf gestaltet.
Das Konzert in der ehemaligen Synagoge stand unter dem Motto „Es wartet doch noch soviel auf mich“ - ein Zitat von Ruth Maier, einer jungen Jüdin, der zwar die Flucht nach Norwegen gelang, die dann aber dennoch nach Auschwitz deportiert wurde.
Schüler aus der 8C des Gymnasiums trugen Tagebucheinträge und Briefe von Ruth Maier vor. Sie hatten sich auch in den Fächern Bildnerisches Gestalten und Werken sowie in Deutsch auf unterschiedliche Weise mit dem Leben der jungen Frau beschäftigt.
Auch Rachel Schon, die aus England angereist war, kam zu Wort. Ihrer Großmutter Sophie Stössel gelang die Flucht nach England. Den Eltern von Sophies Großmutter gelang die Flucht nicht. Der in Lockenhaus geborene Emanuel Stössel und seine Frau Valerie wurden 1942 deportiert. „Für uns ist es sehr wichtig, dass sich die Menschen in Österreich an diese Dinge erinnern. Immer wenn wir hier sind, besuchen wir auch die Stolpersteine in Mödling, die Emanuel und Valerie Stössel gewidmet sind. Das ist das Näheste an einem Grabstein, das wir haben“, erzählte die sichtlich gerührte Rachel Schon.
Am musikalischen Programm des Abends standen Stücke von jüdischen Komponisten und Musikern. So gab es „Bei mir bistu shen“ und „Dona Dona“ von Sholom Secunda, „Love is a losing game“ von Amy Winehouse, eine Bearbeitung einer Sonata von Georg Friedrich Händel für Querflöte, ein Preludio von Mario Melli, „Over the rainbow“ von Harlod Arlen, „Abidan“ von John Zorn und „Both sides now“ von Joni Mitchell zu hören.
„Wir sind zuversichlich, dass wir mit dieser Veranstaltungsreihe einen wichtigen Teil zur Aufarbeitung der Geschichte beitragen können und mit den Konzerten der jüdischen Musik Raum geben“, meinte Musikschul-Direktor Thomas Loier.
© Elisabeth Tritremmel