Treffen sich zwei Burgenländer in Polen ...

Krakau-Wochenende

Kein Witz! Philipp Schmiedl und Julius Ertlthaler kennen sich seit Kindertagen. Für die beiden 28-Jährigen ist der Fußball Lebensinhalt, wenn auch mittlerweile auf unterschiedlichen Ebenen. Und so kam es, dass Schmiedl zuletzt als Besucher hautnah in Ertlthalers Welt bei Wisla Krakau eintauchte.

Julius Ertlthaler (l.) und Philipp Schmiedl nach dem Krakau-Derby zwischen Wisla und Wieczysta.

Julius Ertlthaler (l.) und Philipp Schmiedl nach dem Krakau-Derby zwischen Wisla und Wieczysta.

© zVg

Wie es sich als Legionär so lebt, weiß der gebürtige Antauer Philipp Schmiedl aus eigener Erfahrung. Nach seiner Zeit in der Fußballakademie Burgenland führte der Weg über den Rapid-Akademie-Nachwuchs, St. Florian sowie die LASK Juniors zu Altach in die Bundesliga und von dort nach Dänemark. Bei Sønderjyske Fodbold in der Stadt Haderslev war der Innenverteidiger eine Saison lang im Einsatz, ehe ihn sein beruflicher Weg (mit einem Abstecher in Ungarn) wieder nachhaltig zurück nach Österreich führte.

Mittlerweile lebt Schmiedl in Mattersburg, spielt beim MSV, arbeitet als Co-Trainer bei der U18 der Fußballakademie Burgenland, absolviert aktuell die UEFA B-Lizenz und werkt als Student auch auf sportwissenschaftlicher Ebene voll und ganz am Aufbau seiner Karriere danach. Die soll mit der nötigen Akribie optimalerweise als Fußballcoach wieder in den Profifußball führen.

Dort, wo alles fußballerisch begann - nämlich im Burgenland -, begegneten sich Schmiedl und Julius Ertlthaler bereits in frühen Kinderjahren. Das Potenzial führte die beiden 1997er-Jahrgänge in der Talenteschiene des Fußballverbands zusammen - schon beim FTT (Fußball-Talente-Training) spielten Schmiedl und Ertlthaler gemeinsam. „Wir sind dann später zusammen im Wolfgarten in Eisenstadt ins Gymnasium gegangen, später waren wir dann auch zu Beginn gemeinsam in der Fußballakademie“, erinnert sich Schmiedl zurück.

„Wir waren und sind hier Partner in crime“

Dass sich danach die sportlichen Wege trennten, störte nicht. „Wir waren dann eben Konkurrenten am Platz, wenn wir uns getroffen haben, aber wir waren und sind hier Partner in crime. Der Ertl ist ein sehr, sehr guter Freund.“

Ertlthaler sieht das genauso: „Der Schmiedi ist ein super Typ, der seinen Weg macht. Es taugt mir, dass er sich jetzt schon parallel auf die Trainerlaufbahn konzentriert. Wir haben regelmäßig Kontakt und tauschen uns auch in dem Zusammenhang aus.“ Dass Schmiedl ausgerechnet in der Fußballakademie Burgenland seine Laufbahn als Coach derzeit in Schwung bringt, freut den Polen-Legionär aufgrund der eigenen sportlichen Vergangenheit doppelt: „Ich drücke ja der Akademie Burgenland noch immer die Daumen, dass alle gut performen, und verfolge das Geschehen daheim nach wie vor.“

Treffen sich zwei Burgenländer in Polen ...

© Martin Ivansich

Kein Wunder also, dass sich Schmiedl zuletzt auf den Weg machte, um Ertlthaler bei seinem neuen Verein und bei der Arbeit zu besuchen. Seit Jänner 2024 ist der 28-jährige Pöttschinger in Polens zweithöchster Liga aktiv. Bis zum Sommer des Vorjahres stand Ertlthaler bei GKS Tychy unter Vertrag, mittlerweile ist er bei Traditionsklub Wisla Krakau gelandet. Dort zählt der Burgenländer zur Stammformation, mit einer spannenden Perspektive: Rein sportlich steht Wisla (49 Punkte) nach 23 Spieltagen mit einem Respektabstand von neun Zählern auf Platz eins und somit am ersten der beiden Aufstiegsplätze der Division 1. Ein Zehn-Punkte-Polster auf Rang drei bedeutet durchaus Sicherheit. Auch wenn es am Sonntag vor rund 27.000 Besuchern nur ein 1:1 daheim gegen Pruszkow gab, bei dem Ertlthaler den Assist zur Führung leistete und bis Minute 88 spielte.

Es war übrigens das dritte Remis in Folge. Mehr als eine Woche davor, am 20. Februar, stand das Krakau-Derby zwischen Wisla und Wieczysta im 33.000 Zuschauer fassenden Henryk-Reymann-Stadion von Wisla am Plan. Ertlthaler spielte ebenfalls von Beginn weg und bis zur 85. Minute, die beiden Stadtrivalen trennten sich 1:1. Der Gang zurück in die Ekstraklasa, die höchste Liga Polens, ist nach dem bisherigen Saisonverlauf jedenfalls trotz der jüngsten kleinen Punkteflaute nur mehr eine Frage der Zeit.

Fußballverrückte Stadt, homogene Mannschaft

Dass sich der ehemalige Mattersburg-, Hartberg- und WSG Tirol-Profi bei seinen bisherigen Auslandsstationen in Polen sportlich so wohlfühlt, ist für Philipp Schmiedl gut nachvollziehbar: „Die beiden Mannschaften, in denen der Ertl spielt, sind sehr homogen. Auch die Kommunikation und das Miteinander passen. Ich war schon in Tychy, da gab es etwa viele deutschsprachige Spieler. Bei Wisla ist das ähnlich.“ Alleine drei Österreicher sind im Kader - neben Ertlthaler noch Darijo Grujcic und Ervin Omic. Am Platz hat der zentrale Mittelfeldspieler aus Pöttsching mit dem Spanier Angel Rodado jede Menge Qualität vor sich, überhaupt belegt die Mannschaft regelmäßig, warum sie so klar an der Spitze der Liga steht. „Der Verein ist riesengroß, das Team ist richtig gut und die Leistungen von ihm sind herausragend. Vor allem für den Umstand, dass er Woche für Woche so abliefert, kann man ihm nur gratulieren. Er macht das schon richtig gut,“ sagt sein Freund Schmiedl.

Der in Polen tätige Legionär sieht seine aktuelle Station nicht ohne Grund rosarot: „Für mich passt es hier wirklich sehr gut. Die Menschen sind fußballverrückt, das Stadion ist immer voll, egal bei welchem Wetter und bei welchen Temperaturen - es ist beeindruckend und einfach cool.“ Dass es für den Pöttschinger erst bei Tychy und nun bei Wisla Krakau so gut läuft, ist auch den äußeren Umständen zu verdanken. „Die Mannschaften sind extrem top. Dass einige deutschsprachige Jungs dabei sind, kommt mir da natürlich zugute.“

Interessantes Detail: Was Ertlthaler gar nicht in den Vordergrund stellt, ist die eigene Leistung, obwohl es darauf unterm Strich am meisten ankommt. Es ist ein Zeichen der Bodenständigkeit, hier einfach nur Taten am Platz sprechen zu lassen.

Und auch dann, wenn die Kugel nicht rollt, passt es ganz offensichtlich, wie sich Schmiedl bei seinem Besuch am Tag danach persönlich überzeugen konnte. Da stand ein Besuch mit einigen Mannschaftskollegen bei den Poland Darts Open am Programm. „Ich war bereits im Ally Pally bei der Darts-WM, für die Spieler war es der erste Besuch von so einer Veranstaltung. Es war aber spürbar, dass sie auch außerhalb des Platzes sehr viel Spaß miteinander haben. Natürlich müssen die Leistungen immer passen, aber alles wirkt wie gesagt sehr homogen.“

Da fühlt sich Schmiedl gleich auch an seine Zeit in Dänemark zurückversetzt, wo er ebenfalls in einem gut funktionierenden Konstrukt tätig war. Einzig die öffentliche Aufmerksamkeit ist in Polen bei Wisla deutlich höher: „Das Fanaufkommen und das Interesse habe ich in Dänemark nicht so erlebt. Das ist in Krakau wirklich noch einmal eine ganz andere Nummer.“

Selfie-Wünsche und dergleichen sind im Umfeld des Aufstiegsanwärters demnach keine Seltenheit. Dennoch können sich Ertlthaler und Co. in der Stadt frei bewegen. „Das Faninteresse ist sehr angenehm, auch weil die Leute sehr höflich sind. Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn wir als Spieler und Mannschaft so ein Standing bei den Fans haben.“

Schließlich gilt es, den Weg zurück in Polens höchste Liga zu schaffen. Hier ist die Mannschaft am besten Weg dazu, wie Ertlthaler (der einen laufenden Vertrag über die Saison hinaus besitzt) abschließend klarstellt: „Natürlich will es niemand verschreien. Aber der Aufstieg war das erklärte Ziel und beim Verein sind alle selbstbewusst genug, um ohne Wenn und Aber daran zu arbeiten, diesen Weg durchzuziehen. Deshalb sind wir voll fokussiert auf den Titel.“