Film über Kaisersteinbruch kommt am Donnerstag in die Kinos
Kriegsgefangenen-Lager
In dem Dokumentarfilm „Ort ohne Erinnerung“ richtet Autor Reinhard Tötschinger den Blick auf das Kriegsgefangenenlager, von dem viele heutige Bewohner Kaisersteinbruchs gar nichts wissen.
Der Lagerfriedhof in Kaisersteinbruch.
© Joerg Burger
An die 250 Einwohner, kein Geschäft, kein Wirtshaus. Auf den ersten Blick ist Kaisersteinbruch ein kleiner, unscheinbarer Ort im Burgenland. Kaum etwas erinnert mehr daran, dass dort einst eines der größten Kriegsgefangenenlager des Deutschen Reichs stand. Diesem "Ort ohne Erinnerung" widmet sich Autor Reinhard Tötschinger in seinem ersten, gleichnamigen Dokumentarfilm, der am Donnerstag in die österreichischen Kinos kommt.
Tötschingers Debüt erzählt vom Vergessen und einer Vergangenheit, die sich trotzdem nie ganz abschütteln lässt. Denn obwohl in den Jahren danach kaum darüber gesprochen wird, hinterlässt das Kriegsgefangenenlager, in dem Soldaten aus 18 verschiedenen Nationen interniert waren, unweigerlich seine Spuren in der Ortschaft - etwa am Lagerfriedhof, wo jene begraben wurden, die Folter und Strapazen nicht überlebten. Dort gedenken Nachfahren noch immer ihrer Väter und Großväter, genauso wie Angehörige in Kaisersteinbruch nach den Spuren der Verstorbenen wie Überlebenden suchen, die nach ihrer Rückkehr über das Unaussprechliche nur schweigen konnten.
Historische Aufnahmen zeigen Leben im Lager
Dass viele - vor allem jüngere - Bewohner heute gar nichts mehr von dem Lager wissen, mag unter anderem daran liegen, dass Kaisersteinbruch nach dem "Anschluss" 1938 nahezu vollständig geräumt und nach Kriegsende von Zugezogenen wiederaufgebaut wurde. Es zeigt aber auch, wie manches selbst innerhalb von Familien über Jahrzehnte unaussprechlich bleibt - und wie Geschichte in Österreich gerne verschwiegen und wiederholt wird, so Tötschinger. Er behandelt in "Ort ohne Erinnerung" auch die teils jahrelange Suche von Kindern, die aus Beziehungen von Frauen aus der Umgebung mit französischen Kriegsgefangenen hervorgegangen sind und oft nicht einmal den Namen ihrer Väter kennen.

© Joerg Burger
Mit historischen Aufnahmen aus dem Lager liefert Tötschinger ein bedrückendes Zeugnis der damaligen Zeit. Zu sehen sind "Rassenkundliche Untersuchungen an Franzosen und Belgiern", aber auch Abgemagerte und Tote, daneben Wachleute, die in ihrer Freizeit scherzen, feiern und in der Sonne liegen. Zu Wort kommen dabei aber auch heutige Bewohner des Orts.
Die Wien-Premiere findet am 20. November um 20 Uhr im Metro KinoKulturhaus statt. Dabei wird Reinhard Tötschinger und das Filmteam auch anwesend sein. Zu sehen ist der Film darüber hinaus auch in Kinos in Graz, Linz und Innsbruck. Weitere Sonderveranstaltungen mit Reinhard Tötschinger gibt es im Metro KinoKulturhaus in Wien am 21. November und am 1. Dezember.