Kommissar Zufall: Keine Flüchtlinge sondern Cannabis entdeckt
Tschurndorf/Bocksdorf
Ein Schlepperfahrzeug glaubte die Autobahnpolizei am 24. Oktober 2022 auf der S31 bei Tschurndorf gestoppt zu haben. Als sie die Türen des Mercedes Sprinter öffneten, entdeckten sie aber 52 Cannabispflanzen in stattlicher Höhe von 80 bis 100 Zentimetern.
Die drei serbischen Staatsbürger wurden zu Haftstrafen zwischen 18 und 30 Monaten verurteilt.
© Foto: BVZ/Kirchmeir, BVZ/Kirchmeir
Am Lenkrad saß damals ein 62-jähriger Serbe. Der Beifahrer, ein 53-jähriger Landsmann, versuchte zu flüchten, wurde aber wenig später ebenso festgenommen, wie der Lenker.
Der 53-Jährige hatte ein Haus in Bocksdorf gemietet. Als die Polizei dort Nachschau hielt, fand man eine professionell ausgestattete Indoorplantage mit 379 Cannabispflanzen und 122 Gramm bereits geerntetes Cannabiskraut. Ein weiterer Beteiligter, ein 28-jähriger Serbe, wurde verhaftet, ein vierter Mittäter ist noch flüchtig.
Die drei im Oktober verhafteten Männer wurden wegen des Verbrechens der Vorbereitung des Suchtgifthandels angeklagt und am Montag, 15. Mai, verurteilt.
Während der 62-Jährige und der 28-Jährige zugaben, an der Plantage beteiligt gewesen zu sein, bestritt der 53-Jährige, von der Suchtgiftproduktion gewusst zu haben.
Der Mietvertrag für das Haus in Bocksdorf lief auf seinen Namen. Der 53-Jährige behauptete, er sei mit seiner Frau in eine andere Ortschaft übersiedelt und habe seinen Landsleuten das Gebäude in Bocksdorf in Untermiete überlassen, ohne zu wissen, dass diese dort eine Cannabisplantage betrieben.
Mittäter behauptete, von Cannabisproduktion nichts gewusst zu haben
Nicht einmal als er am 24. Oktober 2022 als Beifahrer mit dem 62-Jährigen in Richtung Wien fuhr, habe er von der Ladung im Mercedes Sprinter gewusst. Er habe den 62-Jährigen nur um eine Mitfahrgelegenheit gebeten und geglaubt, dass in dem Fahrzeug „Heilkräuter“ transportiert wurden. Der Cannabisgeruch sei aber auffällig geworden und er habe den Fahrer darauf angesporchen, so der nicht geständige Angeklagte.
Die anderen behaupteten, man habe die Cannabispflanzen nach Wien bringen und dort „entsorgen“ wollen. Warum sich die gepflegten Pflanzen in Blumentöpfen mit Erde befanden und mit Müllsäcken geschützt wurden, wenn man sie doch nur entsorgen wollte, konnte sie nicht plausibel erklären.
„Es wirkte nicht so, als ob die Pflanzen vernichtet werden sollten“, berichtete ein Polizist, der bei der Sicherstellung der Cannabispflanzen am Parkplatz an der S31 dabeigewesen war. „Es machte den Anschein, als sollten die Pflanzen woanders eingesetzt werden“, sagte der Beamte vor Gericht.
Die sichergestellten 431 Pflanzen hätten einen Ertrag von rund 22 Kilogramm Cannabiskraut ergeben, berechneten die Kriminalbeamten.
Ein Schöffensenat sprach alle drei Männer schuldig. Der 62-Jährige muss 20 Monate Haft verbüßen, der 53-jährige 30 Monate und der 28-Jährige 18 Monate. Alle drei nahmen das Urteil sichtlich zufrieden an - offenbar hatten sie mit strengeren Strafen gerechnet. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab - das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.