Drogen in Öfen: Ukraine-Soldat vor Gericht

Kriminelle Vereinigung

2016 und 2017 wurde kiloweise in Öfen eingeschweißtes Cannabis nach Österreich importiert. Einer der Beteiligten steht jetzt vor Gericht und bekannte sich am 12. Juli 2024 nicht schuldig.

Der 49-jährige Ukrainer bekannte sich vor Gericht nicht schuldig.

Der 49-jährige Ukrainer bekannte sich vor Gericht nicht schuldig.

© BVZ/Kirchmeir

Der 49-jährige Ukrainer war per europäischem Haftbefehl gesucht und im Frühjahr 2024 verhaftet worden. Er gab an, bis zu seiner Verhaftung im Krieg gegen Russland gedient zu haben. Seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 sei er im Militärdienst gewesen und habe dafür einen monatlichen Sold von 400 bis 500 Euro bekommen.

Der Angeklagte ist nicht vorbestraft und hat zwei Kinder.

Er soll Mitglied einer kriminellen Vereinigung gewesen sein, die 2016 bis 2017 Cannabis nach Österreich importierte und hier in Verkehr setzte. Einige Mitglieder dieser Drogenbande sind am Landesgericht Eisenstadt zu teilweise mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Kopf der Bande soll ein Afghane gewesen sein, den die Bandenmitglieder „Onkel“ nannten. Er wurde 2018 verurteilt, ohne irgend etwas zugegeben zu haben, und ist in Schweden in Haft.

Der nunmehr angeklagte Ukrainer soll nach Angaben eines mittlerweile verstorbenen Bandenmitglieds die rechte Hand des „Onkels“ gewesen sein. Vorgeworfen wird ihm die Beteiligung an zwei Drogenlieferungen - nach Salzburg und nach Graz.

Angeklagter soll auch Geldeintreiber gewesen sein

Einige Tathandlungen fanden in Oberwart statt, der Angeklagte soll an Preisabsprachen und der Koordinierung des Drogenhandels beteiligt gewesen sein. „In aggressiver Haltung hat er dafür gesorgt, dass man zu seinem Geld kommt“, berichtete die Staatsanwältin.

Jene Saunaöfen, in denen das Cannabis von der Ukraine über Polen und Tschechien nach Salzburg und Graz transportiert worden waren, konnten von der Polizei sichergestellt werden. „Das darin enthaltene Cannabis hatte den doppelten Reinheitsgehalt der üblichen Straßenqualität“, sagte die Staatsanwältin.

Ukrainer wollte in einem Club im Südburgenland arbeiten

„Er war Unternehmer“, sagte der Verteidiger über seinen Mandanten. Der Ukrainer habe in Österreich Arbeit gesucht und ein Angebot von dem mittlerweile verstorbenen Betreiber eines Clubs im Südburgenland erhalten. Bei diesem Mann, einem gebürtigen Pakistani, hätte der Angeklagte als Discjockey arbeiten sollen.

„Ich halte Ihnen vor, dass Sie mit dem Onkel nach Österreich kamen, um Suchtmitteltransporte zu organisieren“, konfrontierte Richterin Birgit Falb den Angeklagten mit den Vorwürfen. „Davon war überhaupt nicht die Rede“, gab sich der Ukrainer unschuldig.

Nach Salzburg habe er den „Onkel“ Mitte Februar 2017 nur chauffiert, dieser habe „Probleme mit dem Führerschein“ gehabt. Ein Ofen sei damals nicht im Auto gewesen.

Angeklagter gab Ofen-Transport zu

Der Angeklagte gab aber zu, im März 2017 einen Ofen nach Graz gebracht zu haben. Dass sich darin acht Kilogramm hochwertiges Cannabis befanden, habe er nicht gewusst.

Der Club-Betreiber, der gebürtige und mittlerweile verstorbene Pakistani, habe ihn darum gebeten, den Ofen mitzubringen. „Er machte gerade Renovierungsarbeiten in seinem Haus“, sagte der Angeklagte.

Er habe den Ofen in Polen abgeholt. „Sie gaben mir Dokumente, dass der Ofen nicht gestohlen ist“, so der Ukrainer.

Drogenbande wurde von Kriminalpolizei observiert

15 Kriminalbeamte waren dem Drogenring auf den Fersen gewesen. Die Telefone der Verdächtigen wurden abgehört, Observationen durchgeführt. „Insgesamt gab es 70 Beschuldigte“, berichtete ein Ermittler via Videokonferenz. „Der Großteil lebte in Salzburg.“

Der Angeklagte habe damals den Eindruck erweckt, „als wäre er der Mann für alles“, so der Kriminalbeamte, „der Chauffeur und die rechte Hand“ des „Onkels“.

Als Zeuge befragt wurde ein immer noch in Haft befindlicher 40-jähriger Mittäter. Er hatte Suchtgift in Oberwart von dem Pakistani übernommen und verkauft. Er bestätigte, dass das Cannabis in Öfen geliefert wurde.

Das Cannabis war zuvor in die Eisenöfen eingeschweißt worden, um zu verhindern, dass der starke Eigengeruch der Blüten nach außen drang. „Ich glaube, dass er für den Onkel arbeitete und Befehle ausführte“, sagte der Häftling über den angeklagten Ukrainer.

Der Prozess wurde vertagt.