Susanne Hell: Jazzige Klänge im Nordburgenland
Künstlerporträt
Spannend war der künstlerische Weg der in Gols lebenden Sängerin Susanne Hell. Alles begann mit Kirchenmusik, welche Tore und Pforten öffnete. Die Sehnsucht nach Jazz und Popularmusik ließen die Burgenländerin im jungen Erwachsenenalter für ein Jahr nach Kalifornien „abhauen“. Nun ist sie längst angekommen in ihrem Genre und erfreut ihr Publikum mit „Crêpes Suzettes“ und „Heaven & Hell“.
Susanne Hell: hier am Bild mit Andi Steirer und Hannes Oberwalder, zwei Mitgliedern ihrer Band "Crêpes Suzettes", mit der sie Italo-Klassiker, Bossa Novas und leichte Chansons zum Besten gibt.
© Steve Haider, Steve Haider
Geboren ist Susanne Hell in Mannersdorf am Leithagebirge als Kind einer Bauern- und Arbeiterfamilie. Kleinbürgerliche Strukturen setzten ihrer Welt Schranken, die es niederzureißen galt. Musikalität zeichnete die Mittfünfzigerin bereits im zarten Alter von fünf Jahren aus. Wenige Kinder gab es, denen zu jenem frühen Zeitpunkt bereits klar war, dass man „Hänschen klein“ sowohl klassisch als auch jazzig interpretieren kann. Natürlich waren ihr die Begriffe nicht geläufig, aber an der Ausführung sollte es nicht scheitern.
Leider konnte man in den frühen 90er-Jahren in Wien nur klassischen Gesang studieren, ein Grund warum Susanne Hell sich für das Studium „Kirchenmusik“ entschied, das sich aus Orgelspiel, Gesang, Dirigieren und Chorleitung zusammensetzte. Die Kenntnisse hatte sie, ihr Ticket zur Hochschule. Aber auch ein Romanistikstudium schloss sie ab.
© Theresa Pewal, Theresa Pewal
Raus in die Welt
Selbst finanzierte sich Susanne Hell damals ihr Studium und zwar mit einem Job am Wiener Flughafen, dessen Vorzug es war, Flugreisen zu Mitarbeiterkonditionen buchen zu können. Die Welt stand ihr damit offen und Hawaii wurde genauso erkundet wie die Karibik.
Irgendwann hatte die Musikerin genug von Kirchenmusik, nahm den nächsten Flieger mit Ziel Kalifornien. Ein Jahr lang besuchte sie in der Nähe von San Francisco die „Musical Theater School San José“. Ihre dort gewonnen Kenntnisse setzte sie mit einem neuen künstlerischen Bewusstsein in ihrer Heimat um.
Zurück in Wien wurde Susanne Hell Mitglied des „Arnold Schönberg-Chors“ und freute sich über Auftritte im Wiener Musikverein, im Theater an der Wien oder bei den Salzburger Festspielen.

© Steve Haider, Steve Haider
Geschichten musikalisch interpretieren
Es war ihre volle, wandlungsfähige Stimme, die das Publikum bezauberte, die sie bald neue Wege beschreiten ließ. Chansons hatten es ihr angetan, die Möglichkeit mit Musik Geschichten zu erzählen. Auf Lieder von Edith Piaf folgten Revoltelieder von Bert Brecht und Kurt Weill. In Folge führte sie ihr eigenes Bühnenstück „Land in Sicht“ auf.
„Massentauglich sind meine Lieder oft nicht“, lacht die sympathische Musikerin, „leicht zu vermarkten auch nicht!“ Trotzdem ihrem Weg und Geschmack treu zu bleiben gilt als ihr oberstes Credo. Eigene Lieder folgten.
„Heavon und Hell“ nennt sich die Formation mit dem Vibraphonisten Jaro Gregorovic, in der Susanne Hell das Piano bedient, Synthesizer eingesetzt werden, um avantgardistisch zu performen, experimentell, aber trotzdem noch als Lied erkennbar. „Jazzons“ sind es, die entstehen und durchaus neugierig aufhorchen lassen.
Als Gegenpol singt Susanne Hell mit ihrer Band „Crêpes Suzettes“ leichte Chansons der 50er-, 60er- und 70er-Jahre, Italo-Klassiker und Bossa Novas.
Und dann wäre da noch die „Brucklyn Big-Band“. Ja genau, Brucklyn wegen ihres ehemaligen Schulorts Bruck. „Big“ ist diese wirklich, denn 19 Musiker stehen auf der Bühne und treten jedes Jahr zu anderen Themen auf. Tom Jones kommt genauso zu Ehren wie Elvis oder Caterina Valente.

© Steve Haider, Steve Haider
Mit Baby an die Uni
2009 zog die Sängerin von Wien nach Gols. Die Nähe zum See war es, die die leidenschaftliche Seglerin, ihren Mann und ihr Kind ins Burgenland lockte. Ein 1934 erbautes Bauernhaus wurde gefunden und renoviert, vorerst als Wochenendhaus, seit 2015 als Hauptwohnsitz genützt.
Susanne Hell war schon 36 Jahre alt, als endlich auch in Wien die Möglichkeit bestand „Jazzgesang“ zu studieren. Natürlich war sie schon Profi, aber ein Zertifikat schadet nie, sagte sie sich und besuchte mit ihrem Töchterchen im Gepäck nochmals die Universität.
Ganz aufgegeben hat die Golserin das Orgelspiel nicht. Zur langen Nacht der Kirchen vereinte sie im Zisterzienserkloster „Marienkron“ zum ersten Mal ihre zwei musikalischen Seelen - die Kirchen- und die Jazzmusik.
Wer Lust auf Urlaubsgesellschaft hat - auch diese erfüllt Susanne Hell. 2026 kann man im September wieder dabei sein, wenn es heißt „Singen und Segeln in Kroatien“. Konzerte kann man natürlich schon vorher erleben:
30. Juli, 19:00 - Crêpes Suzettes, LaTakeria, Neusiedl am See
1. August, 20:00 - Crêpes Suzettes, Cocktailbar „Taro“, Bruck/Leitha
4. Oktober, 19:00 - Brucklyn Bigband, „Classics & Tom Jones Duets" - Veranstaltungshalle Parndorf
28. November, 19:00 - Brucklyn Bigband, "Classics & Tom Jones Duets" - Mannersdorf, GH „Platzhirsch“