Leere Lokale und große Herausforderungen

Innenstadt-Leerstände

Leere Geschäftslokale in Innenstädten sind längst nicht mehr ein Phänomen großer Städte. Auch im Südburgenland beschäftigen Leerstände die Gemeinden. Während die Ursachen vielfältig sind, versuchen die Kommunen mit unterschiedlichen Maßnahmen gegenzusteuern.

Im EKO in Oberwart stehen bis auf ein Kaffeehaus alle Geschäfte leer. Auch in der Innenstadt gibt es leere Flächen.

Im EKO in Oberwart stehen bis auf ein Kaffeehaus alle Geschäfte leer. Auch in der Innenstadt gibt es leere Flächen.

© Lexi, Jens Krauss

Die Bürgermeister von Oberwart, Güssing und Jennersdorf sehen neben wirtschaftlichen Faktoren vor allem den zunehmenden Online-Handel als wesentlichen Auslöser der Entwicklung. Gleichzeitig appellieren sie an Unternehmerinnen und Unternehmer, die Chancen der regionalen Zentren zu nutzen.

In der Güssinger Innenstadt ist die Situation laut Bürgermeister Vinzenz Knor vergleichsweise stabil. Lediglich zwei bis drei Geschäftsräume stünden leer. Die Mehrheit der Geschäftsflächen würden genutzt. Dazu tragen Kaffeehäuser sowie Versicherungsunternehmen bei.

In der Bezirkshauptstadt beobachtet man aber schon auch die Entwicklungen, die vielerorts zu Problemen führen. „Der Online-Handel spielt eine große Rolle. Immer mehr Leute bestellen mittlerweile ihre Waren im Internet“, sagt Vinzenz Knor. Diese Veränderungen im Konsumverhalten würden den stationären Handel zunehmend unter Druck setzen. Leerstände seien allerdings nicht nur in den Innenstädten ein Thema. Auch im Einkaufszentrum in Güssing gebe es freie Flächen. Neben dem Online-Handel könnten zudem die Mietkosten eine Rolle spielen, wenn Geschäftsflächen wirtschaftlich nicht mehr rentabel betrieben werden können. Um die Wirtschaft im Ortszentrum zu stärken und Unternehmensgründungen zu fördern, setzt die Stadtgemeinde Güssing auf finanzielle Unterstützung. Wer ein neues Unternehmen in Güssing eröffnet, erhält von der Gemeinde eine Förderung in Höhe von 2.000 Euro. Für die Wiedereröffnung eines Betriebes werden 1.000 Euro ausbezahlt. Darüber hinaus unterstützt die Gemeinde die Ausbildung von Fachkräften. Schließt ein Lehrling seine Lehre erfolgreich ab, erhält der Betrieb eine Förderung von 500 Euro. Auch Einzelunternehmerinnen und Einzelunternehmer werden unterstützt. Wer als Einzelunternehmen einen Betrieb in Güssing eröffnet, erhält eine Förderung von 1.000 Euro. Mit diesen Maßnahmen möchte die Gemeinde Anreize schaffen, um wirtschaftliche Aktivitäten im Stadtzentrum zu fördern und neue Unternehmen anzusiedeln.

Bürgermeister Vinzenz Knor appelliert an junge Unternehmer, sich in Güssing niederzulassen. „Gerade im handwerklichen Bereich gibt es große Chancen. Es ist mittlerweile schwer, einen Handwerker zu bekommen. Kleine Betriebe sind nahe am Kunden und werden dadurch sehr wertgeschätzt“, betont Knor, der auch im Textilbereich Potenzial für regionale Anbieter sieht.

Deutlich herausfordernder stellt sich die Situation in Jennersdorf dar. Bürgermeister Reinhard Deutsch spricht von rund 13.000 Quadratmetern leerstehenden Geschäftsflächen. Um diesen Leerständen entgegenzuwirken, setzt die Stadt verschiedene Maßnahmen. Unter anderem werden leerstehende Räumlichkeiten für Ausstellungen genutzt. „Der Online-Markt ist natürlich ein massiver Mitbewerb“, sieht auch der Stadtchef eine immer größer werdende Konkurrenz im Online-Handel. Die Stadt Jennersdorf versucht zudem, Vereine und Bevölkerung für die Bedeutung regionaler Betriebe zu sensibilisieren. Immer wieder wird dazu aufgerufen, die lokale Wirtschaft zu unterstützen und Einkäufe möglichst vor Ort zu tätigen. Besonders kritisch betrachtet Deutsch das Wirtshaussterben. Aufgrund seiner früheren Tätigkeit in der Wirtschaftskammer kennt er die Entwicklungen seit vielen Jahren. „Das Wirtshaussterben ist schlimm. Die Leerstände sind längst nicht mehr nur ein wirtschaftliches Problem, sondern verändern zunehmend die gesellschaftlichen Strukturen“, betont Deutsch.

Trotz aller Herausforderungen sieht Deutsch großes Potenzial für Unternehmensgründungen in Jennersdorf. Nach seinen Angaben bestehen rund 60 bis 70 Prozent der Betriebe aus Kleinunternehmen. Die Stadt verfügt über eine gute Infrastruktur und bietet einen ausgewogenen Mix aus Lebensqualität und Wirtschaftsstärke. Zudem würden zahlreiche Synergien entstehen, da in der Region auch industrielle Betriebe angesiedelt sind.

Auch in Oberwart gibt es leerstehende Geschäftsflächen im Stadtzentrum. „Eine genaue Zahl kann derzeit aber nicht genannt werden“, erklärt Bürgermeister Georg Rosner. Für Oberwarts Stadtchef befindet sich die Innenstadt aber keineswegs im Niedergang. „Ich bin überzeugt, dass die Innenstadt nicht stirbt – sie verändert sich“, sagt Georg Rosner.

Der klassische Handel habe sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Neben dem Online-Handel spiele auch das veränderte Einkaufsverhalten der Menschen eine wesentliche Rolle. Gleichzeitig verändere sich die Nutzung der Innenstadt.

„Wo früher Handelsbetriebe waren, entstehen heute Wohnraum, Büros oder Dienstleistungsbetriebe. Das ist Teil eines Strukturwandels“, erklärt Bürgermeister Georg Rosner.

Die Stadt Oberwart setzt auf langfristige Maßnahmen, um die Innenstadt attraktiv zu halten. Dazu gehören Investitionen in den öffentlichen Raum sowie Rahmenbedingungen, die Unternehmen und Dienstleistungsbetriebe anziehen sollen. Gleichzeitig sieht Rosner auch die Eigentümer:innen der Geschäftsflächen in der Verantwortung. „Wenn ein Geschäftslokal über viele Jahre – teilweise mehr als 20 Jahre – nicht vermietet werden kann, muss man sich auch die Frage stellen, ob die Mietvorstellungen noch marktkonform sind“, betont Rosner.

Eine Diskussion über eine Leerstandsabgabe hält er für sinnvoll, sofern diese dazu beiträgt, attraktive Mietpreise zu ermöglichen und Leerstände zu reduzieren. Trotz des Strukturwandels sieht der Bürgermeister beste Chancen für Unternehmensgründungen in Oberwart. „Oberwart ist das wirtschaftliche Zentrum des Südburgenlandes. Die Stadt verfügt über eine hervorragende Infrastruktur, eine hohe Kaufkraft im Einzugsgebiet und eine große regionale Bedeutung. Wer sich mit einem innovativen Konzept, einem spezialisierten Angebot oder einer modernen Dienstleistung selbstständig machen möchte, finde in Oberwart beste Voraussetzungen und großes Entwicklungspotenzial“, sagt Georg Rosner.