Oberwart: Alte Volksschule und Synagoge im Fokus

Leerstehende Gebäude

Mit dem neuen Bildungscampus hat Oberwart ein klares Signal gesetzt. Doch mit der Neueröffnung stehen die alte Volksschule und die ehemalige Synagoge leer. Kommt jetzt das lang diskutierte Stadtmuseum?

Die Nachnutzung der ehemaligen Synagoge wird in Oberwart mit Spannung erwartet.

Die Nachnutzung der ehemaligen Synagoge wird in Oberwart mit Spannung erwartet.

© Bertie Unger

Der neue Bildungscampus ist fertig. Zwei Jahre wurde gebaut, 38 Millionen Euro wurden investiert, um Volksschule, Musikschule und Stadtkapelle unter ein Dach zu bringen. Doch während in der Schulgasse fleißig gelernt und musiziert wird, stehen die alte Volksschule und die ehemalige Synagoge leer. Die Schule war zuletzt mehr Notlösung als Lernort, soll aber im Bildungsbereich angesiedelt bleiben. „Die alte Volksschule gehört der Stadt und wir sind mitten in Gesprächen mit der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), wie wir dort weitermachen“, sagt Bürgermeister Georg Rosner. „Wir wollen auf diesem Areal keine Wohnungen haben, es ist ja auch eine Stärke der Stadt, im Bereich der Bundesschulen Flächen zu haben, wo immer etwas erweitert werden kann“, sagt Rosner. „Es geht ja da auch um den Preis, da sind wir mitten in den Gesprächen mit dem Bund.“

Haus mit Geschichte steht ebenfalls leer

Ein paar Straßen weiter, in der Ambrosigasse, steht die ehemalige Synagoge. Ein Haus mit Geschichte, das viel gesehen und noch mehr überstanden hat. Einst Ort jüdischen Glaubens, nach der NS-Zeit Lagerhalle, später Feuerwehrdepot, zuletzt Musikschule. Die ehemalige Synagoge ist Teil jener Geschichte, die Oberwart als Stadt der Vielfalt mit geprägt hat. Und irgendwie lässt einen das Gefühl nicht los, dass der Ort doch noch eine Aufgabe hat. „Bei der ehemaligen Synagoge sind wir ebenfalls in Gesprächen, die in viele Richtungen gehen“, bestätigt Bürgermeister Georg Rosner. „Da wäre eine Bücherei möglich, aber ein Stadtmuseum kann auch Thema werden. Das sind wichtige Themen für die Innenstadt. Wir sind gerade in einer Findungsphase, da wird in alle Richtungen überlegt“, sagt Rosner.

Kommt jetzt das Stadtmuseum?

Ein Ort, an dem die Stadt sich selbst erzählt, der fehlt und zu erzählen gäbe es einiges. Die Geschichte Oberwarts reicht von jüdischer Gemeinde über Industrieaufschwung bis Migration. Ein mögliches Stadtmuseum ist seit Jahren Gesprächsthema. Mal als Idee, mal als Versprechen, aber bislang noch nicht als konkretes Projekt. Die Synagoge wäre ein naheliegender Ort. Zentral gelegen, geschichtsträchtig, emotional aufgeladen.

„Für Oberwart wäre ein Stadtmuseum unbedingt notwendig“, sagt Kulturmanager Horst Horvath, der sich für ein Stadtmuseum stark macht. „Gerade in einer Schulstadt mit Vielfalt, mit vielen Konfessionen, mit vielen Volksgruppen wäre so ein Museum wünschenswert und die Synagoge wäre natürlich ein toller Ort“, sagt Horvath.

„Auch das ist vorstellbar. Ein Ort, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft spielen“, sagt Stadtchef Georg Rosner. „Ein Museum muss sich ja nicht nur mit der Vergangenheit befassen. Das soll lebendig sein und Geschichten erzählen“.