Staatsmeisterschaften in Eisenstadt: Sonnige Bilanz der Gewitterspiele

Leichtathletik

Ein wetterbedingt ganz schwieriger Samstagabend, starke Leistungen, vier burgenländische Staatsmeistertitel und dazu auch noch rot-goldene Bestzeitverbesserungen. Die Bilanz der Leichtathletik-Staatsmeisterschaften in Eisenstadt kann sich sehen lassen, auch sehr zur Freude von Organisatorin Ronja Leitner.

Raphael Pallitsch setzte sich über 800 Meter am Samstagabend und über die 1.500 Meter - seine Paradedisziplin - am Sonntag durch. Da spielte das Wetter dann auch wieder bestens mit.

Raphael Pallitsch setzte sich über 800 Meter am Samstagabend und über die 1.500 Meter - seine Paradedisziplin - am Sonntag durch. Da spielte das Wetter dann auch wieder bestens mit.

© Martin Ivansich

In der Vergangenheit machten Österreichische Meisterschaften im Nachwuchs bereits Station im Burgenland. Erstmals wurden am vergangenen Wochenende die Bewerbe der Allgemeinen Klasse im östlichsten Bundesland ausgetragen. Ronja Leitner war dabei - ebenfalls zum ersten Mal - hauptverantwortlich für die Organisation. Die in Eisenstadt lebende Neufelderin hatte an der Spitze des Veranstaltungsteams nicht nur die bloße Abwicklung der Bewerbe auf der Agenda. Bereits die gesamte Woche über hatte die Funktionärin und Sportlerin der Leichtathletik Akademie Eisenstadt mit ihrem Team das Wetter im Fokus.

Am Tag halbwegs in Ordnung, gegen Abend teils schwerst verregnet und mit Gewitter-Potenzial - so präsentierte sich das Wetter schon im Vorfeld der Spiele in der Leichtathletik Arena Eisenstadt. „Wir haben uns genau vorbereitet auf die Szenarien, dennoch war es sehr herausfordernd“, erinnert sich die 25-Jährige hier vor allem an den Samstagabend. Blitze aus der Ferne waren das visuelle Begleitbild, je später es wurde. Hier hatte etwa Wettkampfleiter Franz Weixelbaum per App die Lage ständig im Blick. Dabei galt es, in der Grauzone zwischen schwierigen Bedingungen und nicht mehr vertretbaren Bedingungen richtig zu entscheiden.

„Es geht hier nicht um den Regen, sondern um das Gewitter“, war etwa die Lage kurz vor dem 800-Meter-Lauf der Frauen gegen 21 Uhr regnerisch ungemütlich, aber dennoch vertretbar. Die Sorge, die Bahn könne für die Athletinnen zu rutschig werden, war jedenfalls kein Thema. Auch bei Regen ist das Laufen auf der Anlage kein Problem. Also lief Lokalmatadorin Caroline Bredlinger vom Laufteam Burgenland-Eisenstadt - leicht verkühlt - dann in 2:03,91 Minuten souverän zu Gold. „Ich wollte den Titel verteidigen und bin zufrieden. Auch die Zeit ist angesichts der Umstände in Ordnung.“ Nun geht es für die Trausdorferin in eine kurze Wettkampfpause, am 20. August steht dann ein Start bei der Diamond League in Lausanne am Programm, ehe die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Tokio (13. bis 21. September) in die Zielgerade biegt.

Im Anschluss aber brachen die Dämme, sorgte ein Gewitter samt Starkregen für eine nötige Unterbrechung. Manch einer ging bereits vom Abbruch aus. Dem war aber nicht so. „Wir haben in Rücksprache mit dem Verband entschieden zuzuwarten. Das war eine gemeinsame Entscheidung und die hat sich ausgezahlt“, sagt Leitner. Bis knapp vor 23 Uhr wurde dann noch gelaufen, andernfalls wären die Bewerbe am Sonntag im Anschluss an das Tagesprogramm durchgeführt worden. So aber blieb alles programmatisch beim Alten - Niklas Strohmayer Dangl (LT Bgld. Eisenstadt) lief über 400 Meter Hürden in 51,11 Sekunden zu Gold und distanzierte somit seinen Dauer-Konkurrenten Leo Köhldorfer (ULC Linz) um 86 Hundertstelsekunden. „Ich bin wirklich happy meinen ersten Outdoor-Titel gewonnen zu haben“, meldete der Neufelder, der den zeitlichen Faktor auch aufgrund des Wetters außer Acht ließ: „Das Wetter hat einfach keine schnelleren Zeiten zugelassen. Das Hauptziel den Titel zu holen ist mir gelungen.“

Und auch Raphael Pallitsch, der bei der Regen-Unterbrechung bereits mit einem Abbruch der restlichen Samstags-Bewerbe gerechnet hatte, durfte vor Strohmayer-Dangl noch ran und setzte sich über die 800 Meter in 1:53,19 Minuten die Krone auf. Vorrangig war für den Oggauer nach den gesundheitlichen Problemen der jüngeren Vergangenheit (u.a. ein Magen-Darm-Virus), wieder in einen gewissen Flow für die Freiluftsaison zu kommen.

Staatsmeisterschaften in Eisenstadt: Sonnige Bilanz der Gewitterspiele

© ÖLV/Alfred Nevsimal, Alfred Nevsimal

Wettermäßig bessere Bedingungen hatten die Athlet:innen der technischen Bewerbe, die fanden noch bei wesentlich angenehmeren Bedingungen statt. So siegte etwa Lukas Weißhaidinger im Diskus (63,74 Meter), Victoria Hudson knackte im Speerwurf mit 61,33 Meter das EM-Limit. Gleiches gelang übrigens auch Enzo Diessl in 13,31 Sekunden über 110 Meter Hürden.

Und am Sonntag lief es dann ohnehin freundlich ab. Hier setzte sich Raphael Pallitsch über seine Paradedisziplin von 1.500 Meter locker in 3:48,42 Minuten die Krone auf. Wichtig ist für den 35-Jährigen derzeit die Rückkehr in einen geregelten Trainings-und Wettkampf-Rhythmus. Qualifiziert hat sich der Burgenländer für die WM in Tokio bekanntlich bereits - hier gibt es demnach keinen Stress.

Persönliche Bestleistungen in Rot-Gold

Aber auch weitere burgenländische Aktive konnten bei den Staatsmeisterschaften aufzeigen. Magda Karall (Laufteam Burgenland Eisenstadt) etwa schaffte über die 800 Meter in 2:16,84 Minuten eine neue persönliche Bestleistung - insgesamt wurde es Platz acht.

Markus Hauser (LAC Unlimited Kobersdorf) wiederum legte als jüngster Teilnehmer über die 1.500 Meter eine Talentprobe ab und wurde in 4:01,78 Minuten Sechster.

Max Baxa (Laufteam Burgenland Eisenstadt) verbesserte über 400 Meter seine Bestzeit deutlich und durfte über 48,16 Sekunden jubeln, nur acht Hundertstel fehlten auf Bronze. Wichtiger war da aber die markante zeitliche Verbesserung - sehr zur Freude seines jüngeren Bruders Jonas, der Max begeistert in die Arme schloss und ebenfalls im „Next Generation for Olympia Cup“-Bewerb aktiv sowie erfolgreich war.

Apropos: Die besagten Nachwuchsbewerbe der Altersklassen U10, U12 und U14 gingen am Samstag im Vorfeld der Staatsmeisterschaften über die Bühne.

Staatsmeisterschaften in Eisenstadt: Sonnige Bilanz der Gewitterspiele

© Bernhard Fenz

Und auch die Organisatorin selbst war auf der Laufbahn im Einsatz. Ronja Leitner war über die 1.500 Meter am Start, letztlich wurde es in 5:00,05 Platz 13. „Ich habe gewusst, wenn der Samstag organisatorisch gut läuft, dann habe ich einen freien Kopf für den Bewerb. In dem Fall stand aber dennoch die Organisation im Vordergrund, weshalb ich auch nicht ganz an meine Bestzeit herankam.“ Und die lief unterm Strich sehr gut ab, wie Leitner abschließend bilanzierte: „Ich bin wirklich zufrieden. Es war rundum gelungen und das Event war auch sehr gut besucht. Zum ersten Mal gab es bei Staatsmeisterschaften Eintritt. Dennoch war die Tribüne ausverkauft.“