Mönchhof: Wie eine Dorfbibliothek im Digitalzeitalter funktioniert
Lesekultur
Wenn am 21. März wieder der Österreichische Vorlesetag über die Bühne geht, dann stehen auch kleine Bibliotheken in den Gemeinden wieder mehr im Rampenlicht als sonst. Aber wie kann eine kleine Dorfbibliothek in Zeiten der Digitalisierung überhaupt bestehen? In Mönchhof zeigt man es vor.
Das Team der Bücherei Mönchhof: Marshall Bender, Eleonore Gross, Karina und Denise Schmidt
© Bücherei Mönchhof
Wer die Aktivitäten der „Bücherei Mönchhof“ auf den Social-Media-Kanälen mitverfolgt, wird staunen. Hier sind Lesungen, Buchempfehlungen, Bastelnachmittage sowie zahlreiche Schul- und Kinderveranstaltungen, ja sogar Übernachtungsevents, dokumentiert. Wie aktiv man sich hier in die kleine, aber feine Welt der Gemeindebibliothek reintigert, wird schnell ersichtlich. Eine funktionierende Bibliothek ist heute kein leiser Ort mehr, an dem man sich zurückzieht, um Informationen zu suchen. Die bekommt man ohnehin mit ein paar Klicks im Internet. Bibliotheken sind vielmehr Orte der Begegnung und Kommunikation geworden. Und genau das wird in Mönchhof gelebt.
Acht Bibliotheken im Neusiedler Bezirk
Im Neusiedler Bezirk gibt es acht Gemeindebibliotheken: in Andau, Gols, Parndorf, St. Andrä am Zicksee, Tadten, Wallern, Zurndorf und Mönchhof. Letztere gilt als Regionalbibliothek und somit als Bindeglied zwischen den Gemeindebibliotheken im Bezirk und dem Landesverband Bibliotheken Burgenland. In Mönchhof ziehen Leiterin Eleonore Gross, Regionalbetreuerin Karina Schmidt die Strippen. Unterstützt werden sie von Denise Schmidt und dieses Schuljahr auch von Marshall Bender, der im Rahmen des Projekts „American Shelves“ hier ein Praktikum macht. Als Regionalbetreuerin vernetzt Karina Schmidt in ihrer Funktion die acht Büchereien und gibt Tipps und Anregungen, etwa zu Fördermöglichkeiten. Denn gerade die finanzielle Situation ist für kleine Dorfbüchereien herausfordernd.
Ein Relikt aus der Vergangenheit?
Doch was müssen Bibliotheken machen, um nicht als Relikt der Vergangenheit wahrgenommen zu werden? „Erst einmal müssen Bibliotheken sichtbar sein“, erklärt Karina Schmidt im BVZ-Interview. Und damit meint sie nicht nur Veranstaltungen, die man auf Social-Media-Kanälen bewirbt und präsentiert. Der Standort selbst müsse als Bücherei erkennbar sein. „Ich habe bemerkt, dass in einigen Gemeinden nicht einmal die eigene Bevölkerung weiß, dass es hier eine Bibliothek gibt.“
In Mönchhof genießt man einen großen Vorteil. Die Bücherei liegt zentral, direkt neben der Volksschule. Das ist wahrscheinlich auch ein Mitgrund, warum die Bücherei nach 45 Jahren immer noch besteht. „Nach dem Kinderturnen in der Schule sind an einem Nachmittag manchmal 60 bis 70 Leute in unserer kleinen Bibliothek, Eltern lesen ihren Kindern Bücher vor und nutzen den Ort, als gemütlichen Treffpunkt ohne Konsumzwang“, schildert Schmidt. Apropos Kinder. Sie sind der wichtigste Schnittpunkt in Sachen Mitgliederanwerbung - und Mitgliederbindung.
Vom Bibliotheksführerschein zum Expertenschein
In Zuge einer Projektarbeit zur Ausbildung zur nebenberuflichen und ehrenamtlichen Bibliothekarin im Vorjahr hat Schmidt den Bibliotheksführerschein eingeführt und den Bibliotheksexpertenschein entwickelt. Alle Kinder der 1. Volksschulklasse bekommen eine Führung in der Bücherei und erwerben dabei im Rahmen einer Rätselrallye den Bibliotheksführerschein. Im zweiten Schritt kommen die Kinder mit den Eltern oder bringen jemanden mit, der noch nie hier war und zeigen die Bücherei. Das ist eine der sechs Aufgaben, die es zu bewältigen gilt, um den Expertenschein zu bekommen.
Jährlich 500 bis 600 neue Bücher
„Neue Mitglieder bekommt man am besten über die Kinder“, weiß auch Karina Schmidt, „viele Leute haben immer noch eine gewisse Hemmschwelle oder sind der Ansicht, dass es hier nur alte Bücher gibt.“ Dass dem nicht so ist, dafür sorgen gewisse Kriterien, die eine Bibliothek erfüllen muss, um Förderungen vom Büchereiverband Österreichs (BVÖ) zu bekommen. So sollte eine Bibliothek jedes Jahr 7,5 Prozent ihrer Bücher erneuern. In Mönchhof werden bei einem konstanten Bestand von 7000 Büchern jährlich 500 bis 600 neue Bücher angekauft. Jene Bücher, die schon lange nicht mehr ausgeborgt worden sind, werden ausrangiert.
Am besten gehen in der Bücherei Mönchhof übrigens Kinderbücher, wenig gelesen werden Gedichtbände und auch Kochbücher werden kaum noch ausgeliehen. Im Vorjahr registrierte man 155 aktive Mitglieder. Diese kommen nicht nur aus Mönchhof, sondern aus vielen verschiedenen Ortschaften im Umkreis. Der Mitgliedsbeitrag ist - man könnte fast sagen ein „symbolischer Betrag“: Ein Kind zahlt 3 Euro jährlich, Geschwister 5 Euro, ein Erwachsener ebenfalls 5 Euro und eine ganze Familie 9 Euro im Jahr.
Mehr Infos: https://moenchhof.bvoe.at