Ein Festival zum 50er: „Alle können kommen - und Stagediven“
„Lopezpalooza“ in Wiesen
Andreas Lopez feiert seinen 50er und lässt alle mitfeiern: Am Sonntag beim „Lopezpalooza“ am Festgelände in Wiesen. Wie es dazu kam, erzählt er im BVZ-Gespräch.
Zum runden Geburtstag geht Andreas Lopez unter die Veranstalter. Auf die Frage, ob das „Lopezpalooza“ auch fortgesetzt werden könnte, meint er: „Wenn es gut ankommt und geplant abläuft – warum nicht?“
© Privat
Chicago hat das „Lollapalooza“ mit einigen der größten Acts der Welt – Wiesen hat jetzt ein „Lopezpalooza“ mit legendären Acts des Burgenlandes, und manche haben sich extra für diesen besonderen Anlass wieder zusammengetan!
Wenn Andreas Lopez ruft, ist das auch kein Wunder, der gebürtige Pöttschinger ist als DJ Andilope und Wegbegleiter etlicher Bands selbst ein sogenanntes Urgestein der Szene. Und wie sich aus dieser Ausgangslage ein beachtlich großes Festival entwickelte, das erzählt Lopez in eigenen Worten.
BVZ: Was ist das „Lopezpalooza“ eigentlich überhaupt?
Andreas Lopez: Was das genau ist, weiß ich auch nicht so richtig, am ehesten ließe es sich als eine Mischung aus Geburtstagsparty zu meinem 50er und öffentlichem Festival beschreiben. Etwas mit Musik, aber nicht nur. Auch mit ein wenig Kleinkunst, Lesungen, Kabarett, Basteln, Schminken und so. Viele verschiedene Programmpunkte, manche davon sind einfach Sachen, die Freunde und Freundinnen, die was können, beitragen, und andere einfach Ideen, die ich schon länger mit mir herumtrage.
Welche Ideen zum Beispiel?
Zum Beispiel das, was ich „Kinder-, Senioren- und Behinderten-Stagediven“ nenne. Ich war letztens selbst auf einem bekannten Festival in Eisenstadt, und da habe ich die Leute gesehen, wie sie sich vor der Bühne vom Publikum herumtragen lassen, klassisches Stagediven halt. Da hab ich richtig Lust bekommen, selber wieder mal ins Publikum zu springen, so wie ich es früher auch gerne mal gemacht habe. Aber wie? Ich habe ja seit ein paar Jahren Multiple Sklerose, und da ist das alles nicht mehr so leicht, ganz spontan und ohne Vorbereitung.
Zum „Lopezpalooza“ war mir klar, dass ich das aber unbedingt machen möchte. Und so wie mir geht’s möglicherweise auch anderen, zum Beispiel Kindern, die sich das noch nicht trauen, oder älteren Menschen. Also werden wir das dort durchziehen, mit allen nötigen Vorkehrungen für die Sicherheit. Meine Mutter freut sich jedenfalls schon darauf!
Und warum machst du das Festival an einem Sonntag?
Naja, erstens feiern die Wiesen-Festivals gerade selbst das 50-jährige Bestehen, und da waren schon ein paar Termine vergeben. Aber ausschlaggebend war einfach, dass der 16. August mein Geburtstag ist, und wenn man das macht, dann schon möglichst direkt zum Jubiläum.
Außerdem bin ich ja eben ab dann 50, da darf man schon auch mal eine Nachmittagsveranstaltung machen, und das, was man in früheren Zeiten „Frühschoppen“ genannt hat, das erfindet die Jugend für sich jetzt gerade wieder neu. Hat irgendwie was Generationen-Verbindendes, find‘ ich.
Wie ist der Name entstanden?
Mehr oder weniger zufälli. Ich hab in der Anfangszeit der Planung, vor gut einem halben Jahr, einem Freund davon erzählt, und der meinte nur lapidar: „Na da hast du ja ein richtiges ,Lopezpalooza' geplant!“
Wie bist du zu all den vielen Mitwirkenden gekommen?
Ich hab angefangen, Leute anzurufen, die meine Jugend geprägt haben mit ihrer Musik. Nach sieben Bands habe ich aufhören müssen, weil ich echt nicht mehr untergebracht habe an einem einzelnen Tag. Mit so einer positiven Resonanz hab ich einfach nicht gerechnet! Da sind ja Gruppen dabei, die schon 15, 20 Jahre nicht mehr auf einer Bühne gestanden sind, zumindest nicht mit dieser Formation! Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, war das Feedback sofort enorm! Und viele der Lieder waren zu meiner Jugend Gassenhauer, die hat man mitgegröhlt bei jedem noch so kleinen Auftritt.
Nur bekommt man die halt schon lange nirgends mehr zu hören, die sind kaum auf irgendeiner Plattform zu streamen oder runterzuladen, und im Radio hat man die sowieso nicht gespielt, mit der Ausnahme von Garish natürlich. Am 16. August gibt’s das jetzt alles wieder mal live zu sehen! Und wenn alles funktioniert wird’s auch Videos der Konzerte geben, die die Bands dann auch online stellen können, wenn sie das möchten. Damit man sich die alten Songs dann doch hin und wieder auch am Handy anhören kann.
Und als alles für einen ganzen Festivaltag klar war, da hast du also die Veranstaltung öffentlich zugänglich gemacht?
So oder so ähnlich ist es abgelaufen. Aber ehrlich gesagt wollte ich immer eine Party machen, bei der ich nicht überlegen muss, wo ich bei den eingeladenen Gästen die Grenze ziehen muss. Wenn du dir ein Limit setzt von sagen wir mal 50 Leuten, dann ist das ja sehr schnell voll. Und mir war sehr schnell klar, dass ich nicht Halt mache bei Freunden, Bekannten, Ex-Arbeitskollegen und so weiter, sondern dass auch Leute kommen können sollen, die jetzt nicht unmittelbar einen Bezug zu mir haben.
Ich sage immer, alle sind eingeladen, selbst die, die vielleicht erst in Zukunft mit mir befreundet sein möchten. Ich hab sogar meine Physiotherapeut:innen und meinen AMS-Berater eingeladen! Einfach jede und jeder ist willkommen!
Hast du noch weitere „Lopezpaloozas“ geplant?
Die Organisation hat bisher sehr viel Spaß gemacht. Wenn das gut ankommt und halbwegs wie geplant abläuft, warum nicht? Außerdem kann man sich ja gerne auch was abschauen, erstens feiern auch andere Leute Geburtstage, und warum sollten zweitens Festivals immer riesig mit internationalen Acts ablaufen und von millionenschweren Veranstaltern organisiert werden?
Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn mein Beispiel Schule macht und auch andere ihre Feiern richtig groß planen. Ich bin auch gern bereit, dabei zu unterstützen, so wie es unzählige Leute für mich gemacht haben! Und ich freue mich genauso über viele Gegeneinladungen im nächsten Jahr!
Einlass aufs Festgelände am 16. August um 12 Uhr, Eintritt: freie Spende. Es gibt Burritos vom Foodtruck und mehr, Eis von „OnIce“ Pöttsching und Cocktails von Daniel sowie Kinderprogramm inklusive Clown Marijan.
Bekannte und ebenso legendäre DJs sind auch dabei, in Reihenfolge der Auftritte: Riceman, KXtherine, Thomas Bernhardt, Johnny Doe, Halle M, Sicboy.
Lesungen gibt’s auf der Outside-Stage – mit Johanna Sebauer, Hamed Abboud (um 17.45 Uhr) sowie einen Auftritt von „Por*oantenne“ (15.45 Uhr) und Ollahaund-Suppm (Jarmer, Hofer, Millendorfer um 19.45 Uhr).
Diese Bands sind dabei: Violet Tales (15 Uhr), Rokkitäthi (16.45 Uhr, mit Stagediving für Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderung), The Beau Kanti Band (18.45 Uhr), Garish (21 Uhr)
Alle Infos auch auf Facebook, Event-Seite unter dem Stichwort „Lopezpalooza“!