Auf Entdeckungstour zwischen Schloss, Schuhmuseum und Sliwowitz
Mähren
Mähren im Osten Tschechiens zeigt im Advent seine stimmungsvollste Seite – mit lebendigem Handwerk, festlichen Märkten und eindrucksvoller Geschichte von Zlín bis Kroměříž.
In der Schule des Freilichtmuseums in Rožnov pod Radhoštěm ist es weihnachtlich. Ein Christbaum wurde geschmückt und der Lehrer singt traditionelle Lieder mit den Schülerinnen und Schülern.
© Beate Riedl
Geschäftiges Treiben herrscht im Freilichtmuseum in Rožnov pod Radhoštěm, dem größten und ältesten Freilichtmuseum Mitteleuropas. Standlerinnen und Standler bieten beim weihnachtlichen Jahrmarkt, der an einem Wochenende im Dezember stattfindet, Handwerkskunst - mundgeblasene Christbaumkugeln, Tischdecken, Kosmetik, Porzellan, Dekoration, ... - und jede Menge kulinarische Köstlichkeiten. Rund um die Kapelle des Holzstädtchens reihen sich die Standler, Perchten ziehen mit Glockengeläut ihre Runden, der Nikolaus und seine Begleiterinnen verteilen Geschenke und Frauen in weißen Gewändern streichen den Besucherinnen und Besuchern mit Federn über die Gesichter, um ihnen Glück zu wünschen.
Das walachische Dorf bietet fast das ganze Jahr über Einblick in traditionelle Handwerkskunst, Volkskunst und in das Leben der einstigen Bewohner der Mährischen Walachei. In den Häusern des Holzstädtchens und im Walachischen Dorf, das ebenso zum Freilichtmuseum gehört, ist es aktuell weihnachtlich. In der Schule singt der Lehrer mit den Schülerinnen und Schülern traditionelle Lieder, in der warmen Stube wird gesponnen oder werden Lebkuchen gebacken, Familien ziehen in traditionellen Gewändern durch das Dorf. Etwas mehr Ruhe herrscht hingegen im Mühlental - dem dritten Teil des Museums, der in der kalten Jahreszeit eher im Winterschlaf ist.
Handwerk und Tradition in Mähren
Das ganze Jahr über weihnachtlich ist es bei Irisa in Vsetin, einer der größten Hersteller von handgefertigtem Baumschmuck aus Glas in der Tschechischen Republik. Rund 20.000 verschiedene Arten von Spitzen, Kugeln und Figuren werden hier produziert. Mit viel Gefühl wird dafür das Glas zum Blasen vorbereitet. Stück für Stück nimmt die Mitarbeiterin die Stangen aus Glas, die erhitzt und mit viel Gefühl zu gleich großen Kugeln mundgeblasen werden. Diese werden innen mit silberner Farbe gefärbt. Im Anschluss tauchen Mitarbeitende jede einzelne Kugel in einen Farbtopf. Nachdem die Kugeln getrocknet sind, werden sie Stück für Stück von Hand bemalt.
Traditionelles Handwerk gibt es auch in der Gobelin-Manufaktur in Valašské Meziříčí zu sehen. Hier entstehen wahre Kunstwerke aus Wolle, auch Reparaturarbeiten an historischen Wandteppichen werden durchgeführt. Mehrere Monate Arbeit steckt in jedem einzelnen Unikat.
Kunstwerke aus gereinigtem Paraffin stellt das Unternehmen Unipar in Rožnov pod Radhoštěm her. Der Familienbetrieb produziert stilvolle Kerzen für die eigenen vier Wände, für den Garten, aber auch als individuelle Geschenke für Hochzeiten, sowie für kleine und große Unternehmen wie etwa Armani, Schwarzkopf, Skoda oder Harley-Davidson. Besucherinnen und Besucher bekommen Einblick in die Produktion, sehen eine riesige Auswahl an Kerzen in der Galerie und können auch nach Lust und Laune einkaufen.
Schloss Kroměříž: Prunkräume, Filmkulissen und bedeutende Kunstwerke
Wer in Tschechien auf der Suche nach Kunst und Geschichte ist, kommt an Schloss Kroměříž nicht vorbei. Das UNESCO-Weltkulturerbe samt Schlosspark und eigenem Blumengarten wurde anstelle der Burg auf Initiative von Bischof Karl Liechtenstein-Kastelkorn Ende des 17. Jahrhunderts errichtet. Viele Jahre diente es den Olmützer Bischöfen und Erzbischöfen als repräsentativer Wohnsitz und Ort wichtiger Verhandlungen und Treffen. Während der Tour durch das Schloss kommt man in den prunkvollen Repräsentationssaal, in dem unter anderem Szenen aus dem Film Amadeus des Regisseurs Miloš Forman oder der Serie Maria Theresia gedreht wurden. Hier fand zudem 1848 die Verfassungsgebende Versammlung der Habsburgermonarchie statt. Weiter geht die Schlosstour durch den Speisesaal mit mehr als 100 Gemälden bekannter Künstler, durch den Thronsaal, den Beratungsraum, den Zarensalon mit Gemälden von Kaiserin Sissi und Kaiser Franz Joseph, den rosaroten Saal, den Reichstagssaal und den Jagdsalon. Im oberen Stockwerk - einst Gästezimmer - befindet sich eine Galerie mit Werken von der Gotik bis zum Rokoko, darunter „Die Häutung des Marsyas“ des venezianischen Künstlers Tizian oder des flämischen Malers Anthonis van Dyck.
Und von der Sala Terrena samt Grotte im Untergeschoss gelangt man in den Schlossgarten, der von einem Gemüse- und Obstgarten in einen Barockgarten umgebaut wurde. Heute lädt der biodiverse Park mit Teichen und Bächen, der für alle öffentlich zugänglich ist, zum Flanieren ein. Neben vielen Pflanzen gibt es zudem jede Menge Tiere - auch Affen - zu entdecken.
Tomáš Baťa: Unternehmerlegende aus Mähren
Besonders mit der Geschichte Mährens verbunden ist der Name Tomáš Baťa. Der Gründer des Schuhimperiums wird als der „Henry Ford der Tschechoslowakei“ bezeichnet. Baťa startete mit seinen Geschwistern Ende des 19. Jahrhunderts eine Schuhfabrik. Und er machte Anfang des 20. Jahrhunderts mit den bestens Architekten und Stadtplanern der damaligen Zeit den kleinen Ort Zlín zum „Detroit der Tschechoslowakei“. Auch wenn heute Firmensitz und Produktion aus Tschechien verschwunden sind, so erinnert noch vieles in der Stadt an den Unternehmer. Die Fäden zog Bat'a vom Gebäude Nummer 21 aus, dem 77 Meter hohen Wolkenkratzer aus - einem der ersten Hochhäuser im damaligen Europa. Hoch oben von der Terrasse hat mein einen Rundumblick über das gesamte ehemalige Werksgelände und die Ziegelhäuser, umgeben von viel Grün. Denn der Unternehmer hatte die Vision von „Firma und Stadt im Garten“.
Einzigartige Architektur und Schuhmuseum
Eine besondere Rarität im Haus Nummer 21 ist das Büro von Thomas Bat'a, das sich in einem Aufzug befindet. Das geheizte und im Sommer klimatisierte 6 m² große Büro samt Fenster, Schreibtisch, Waschbecken, Landkarte und Telefon fährt vom Erdgeschoß bis in den 16. Stock. Es wird erzählt, dass Bat'a das Büro nutzte, um Kontrollen in den Etagen durchzuführen. Doch der Unternehmer konnte sein Büro kaum nutzen, denn kurz nach der Fertigstellung und Ausbruch des Zweiten Weltkrieges emmigrierte Bat'a nach Kanada.
Einblick in die Geschichte der Schuhproduktion, die Baťa-Unternehmensphilosophie, die Produktion, die Verkaufseinrichtungen, die Werbung wie auch die Arbeit der Filmateliers sowie in die Vielfalt der produzierten Schuhe von Bat'a und aus zahlreichen anderen Ländern gibt das Schuhmuseum unweit des Wolkenkratzers. Bat'as einfache und günstige Hausschuhe, mit denen er startete, Schuhe aus menschlichem Haar, Plateauschuhe, riesige Schuhe für Basketballer, bis hin zu den Schuhen für die Armee im Krieg und mehr sind hier zu sehen.
In Erinnerung an den „Henry Ford der Tschechoslowakei“, der einige Jahre auch als Bürgermeister tätig war, wurde hoch über Zlín eine Gedenkstätte errichtet. Im Inneren des gläsernen Gebäudes befindet sich eine Treppe in Form des Buchstaben Z (für Zlín ) ein Modell des Flugzeugs Junkers, in welchem 1932 Tomáš Baťa tödlich verunglückte, sowie seine Taschenuhr. In den Sommermonaten ist diese real ausgestellt, im Winter kann man ein digitales 3D-Modell mittels QR-Code am Smartphone sehen.
Zwetschkenschnaps und mehr
Auch wenn Tschechien vorwiegend wegen ihres Biers bekannt ist, hat auch Gebranntes eine lange Tradition - vor allem in Ostmähren. Bei einer Führung durch die Rudolf-Jelínek-Brennerei in der Gemeinde Vizovice, in der neben dem klassischen Sliwowitz aus Zwetschken auch koscherer Sliwowitz, Fruchtlikör, Whisky, Gin, Wodka oder Kräuterlikör hergestellt wird, erfährt man alles über den Anbau des Obstes, das Verfahren zur Herstellung und die Reifung. Der Großteil der verarbeiteten Früchte - rund 25 Millionen Kilogramm pro Jahr - kommt direkt von den eigenen Plantagen und Tschechien. Die Wurzeln des Unternehmens, das heute seine Spirituosen in die ganze Welt exportiert, reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück, als Unternehmen wird der Betrieb offiziell erst seit 1894 geführt.
Adventmarkt-Tour in Tschechien
Entspannung und Genuss nach Kunst, Kultur und Geschichte während der Adventzeit in Tschechien bieten größere und kleinere Adventmärkte mit Kunsthandwerk und Kulinarik.
Wissenswertes
Anreise: Zlín ist einfach mit dem Zug über Wien zu erreichen. Für mehrere Stationen in Tschechien ist das Auto zu empfehlen.
Hoteltipps: Hotel Prior & Energy Spa**** liegt im Zentrum der Stadt Zlín und bietet in den Zimmern und dem Spa-Bereich in den oberen Stockwerken eine traumhafte Aussicht. www.hotelprior.cz
Vom Ibis Styles Hotel Relax**** in Rožnov pod Radhoštěm ist das walachische Freilichtmuseum in knapp 20 Minuten zu Fuß zu erreichen. Das Hotel verfügt über einen Wellnessbereich, Außen- und Innenpool. ibisstylesroznov.cz
Restaurant-Tipps:Das „La Villa“ in Zlín mit einem Michelin-Stern bietet französische Küche mit regionalem Einfluss. www.lavilla.cz
Das Restaurace Bistrotéka Valachy befindet sich im Erdgeschoß des Hotels Prior & Energy Spa**** in Zlín. Hier wird auch das Hotel-Frühstück serviert. www.bistrovalachy.cz
Stilvoll eingerichtet ist das Hotel-Restaurant Octárna in Kroměříž. www.octarna.cz
Das Hotel-Restaurant Abácie in Nový Jičín bietet internationale und traditionelle tschechische Küche. www.hotelabacie.cz
Infos: CzechTourism | Penzinger Str. 11-13| 1140 Wien | wien@czechtourism.com | www.visitczechia.com