Golser Maibaum: Zwischen Brauchtum und Strafanzeige

Maistreich

In Gols sorgt ein nächtlicher Vorfall für Gesprächsstoff. Unbekannte drangen in den Bauhof ein und zersägten den vorbereiteten Maibaum der Rekruten. Die Gemeinde hat Anzeige erstattet und hält dennoch an der Tradition fest.

Golser Maibaum mit Knick

Golser Maibaum mit Knick

© Gemeine Gols

Ein Maibaum steht selten unbeobachtet – zumindest in der Theorie. Denn rund um das Aufstellen rankt sich ein alter Wettstreit: das „Stehlen“, „Umschneiden“ oder „Zersägen“. Gruppen oder Nachbarorte versuchen dabei, den Baum unbemerkt zu entwenden oder zu Fall zu bringen. Gelingt das, gilt es als Schmach für die Betroffenen – und als Triumph für die Gegenseite.

Vom Streich zur Strafsache

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nahm die Geschichte in Gols einen ählichen Verlauf. Unbekannte verschafften sich Zutritt zum Bauhof und sägten den Maibaum, den die Golser Rekruten bereits für das Maifest am Hauptplatz vorbereitet hatten, an.

Auf die Frage der BVZ, ob das noch als Brauch oder schon als Strafdelikt gilt, sagt der Golser Amtsleiter Dieter Horvath: „Einbruch und Sachbeschädigung ist kein Kavaliersdelikt.“

Die Gemeinde hat Anzeige erstattet. Damit verlagerte sich das Geschehen von der Brauchtumspflege doch in eine rechtliche Dimension.

Golser Maibaum: Zwischen Brauchtum und Strafanzeige

© Gemeine Gols

Ersatzbaum statt Stillstand

Die Reaktion der Gemeinde folgte prompt – und pragmatisch. Statt lange über den Vorfall zu diskutieren, organisierte man kurzerhand Ersatz. „Es war aber gar nicht so leicht in der Schnelle einen neuen Baum aufzutreiben, aber es ist gelungen. Der Baum ist bereits wieder geschmückt“, erzählt Horvath.

Einem tollen Fest steht also nichts im Wege: Das Maibaumaufstellen durch die Rekruten findet wie geplant am 30. April am Hauptplatz statt. Ab 18 Uhr lädt die Gemeinde zum Umtrunk, die Bauernkapelle Gols sorgt für die musikalische Begleitung.

Bürgermeister Kilian Brandstätter betont den Zusammenhalt: „Danke an alle, die kurzfristig mithelfen und dazu beitragen, dass wir trotzdem gemeinsam zusammenkommen können..

Ein ähnlicher Vorfall in der Weinbaugemeinde liegt bereits einige Jahre zurück. Damals meldeten sich die Verantwortlichen und bekannten sich zu ihrem „Streich“. Die Angelegenheit endete mit einer vereinbarten „Wiedergutmachung“ mit der Gemeinde, erinnert sich Horvath.

Ein Baum mit langer Geschichte

Der Maibaum selbst steht für mehr als nur ein Kräftemessen zwischen Nachbarorten. Seine Wurzeln reichen in vorchristliche, germanische Zeiten zurück. Er symbolisiert Frühling, Fruchtbarkeit und neues Leben – gewissermaßen ein hölzerner Hoffnungsträger im Ortszentrum.

Erste Erwähnungen stammen aus dem 13. Jahrhundert. Der geschmückte, oft entrindete Baum soll Segen bringen, böse Geister vertreiben und die Gemeinschaft stärken.

Vielleicht erklärt genau das, warum selbst eine nächtliche Sägeattacke den Brauch nicht zu Fall bringt. Der Maibaum fällt – und steht wenig später - dank einer starken funktionierenden Gemeinschaft - wieder.