Vorfreude aufs Pianofestival: „Auch das Publikum darf ausprobieren!“

Maria Radutu im Interview

Am Wochenende bringt das neue Format „Keys to Heaven“ klassische Klaviermusik mit innovativen Ideen wie Klavier-Meditation, Nachtkonzerten und Improvisation im Schloss Esterházy zusammen. Über das Ankommen in Eisenstadt und das Spiel mit traditionellen Zugängen sprach Intendantin und Pianistin Maria Radutu vorab mit der BVZ.

Maria Radutu. Die österreichisch-rumänische Pianistin hat das Programm für die erste Ausgabe von "Keys to Heaven" zusammengestellt. Ab Freitag greift sie auf Schloss Esterházy auch selbst in die Tasten.

Maria Radutu. Die österreichisch-rumänische Pianistin hat das Programm für die erste Ausgabe von "Keys to Heaven" zusammengestellt. Ab Freitag greift sie auf Schloss Esterházy auch selbst in die Tasten.

© Phoebe Violet

BVZ: Mit einem Preview-Konzert im März haben Sie schon Einblick ins neue Konzept gegeben. Wie geht’s jetzt weiter?
Maria Radutu: Wir sind hier in Eisenstadt angekommen, genau das war der Plan: Mit dem Preview-Konzert wollten wir das Publikum abholen und zeigen, wie locker und leicht unser Zugang ist.

Es geht bei Keys to Heaven auch darum, die Grenzen aufzubrechen, die Grenzen zwischen Künstlerinnen und Künstlern und dem Publikum – und zwischen den einzelnen Stilrichtungen. Vielleicht sagen die Menschen: Sie wissen nicht ganz genau, was da auf sie zukommt, aber es fühlt sich gut an.

Und wie man im Programm sieht, kommt da einiges! War es auch der Grundgedanke – wie bei Herbstgold im September – ein Musikfestival zu schaffen, mit dem das ganze Schlossquartier in Eisenstadt bespielt wird und bei dem man enger zusammenrückt?
Auf jeden Fall! Ich finde, Festivals müssen in der Umgebung wachsen, sie dürfen kein Fremdkörper sein. Wir haben vielleicht einen anderen Zugang, aber wir wollen das Vertrauen des Publikums gewinnen.

Eine Grundidee des Festivals ist es, sich zu begegnen, sich näherzukommen und etwas gemeinsam zu erleben. Ich selbst fühle mich im Burgenland und im Schlossquartier sehr wohl: Die Akustik im Haydnsaal ist fantastisch, und es liegt Geschichte in der Luft.

Vorfreude aufs Pianofestival: „Auch das Publikum darf ausprobieren!“

© Phoebe Violet

Hat Ihnen der berühmte Saal sozusagen Ehrfurcht eingeflößt?
Hier etwas mit eigenen Ideen gestalten zu dürfen, das ist etwas ganz Besonderes. Ich habe von diesem Saal schon gehört, als ich sonst noch nichts über Österreich wusste, das war, als ich noch klein war und zum ersten Mal Haydn gespielt habe. Dann bin ich nach Österreich gezogen und habe den Saal erstmals gesehen.

Und jetzt darf ich dort etwas Neues schaffen. An die Aufgabe gehe ich natürlich mit großem Respekt heran. Und mit sehr viel Vorfreude!

Das Neue gibt es im Rahmen des Festivals vor allem in den Darstellungsformen?
Wir zeigen die Leidenschaft, und wir treten in Verbindung zu anderen, visuellen Kunstformen. Es gibt den Film „Pianomania“ zu sehen, die Musik wird mitunter von Sandmalerei und modernem Tanz begleitet. Das Klavier ist immer das Leitmotiv und verbindende Element, aber es ist so vielseitig wie die Kunstformen auch.

Und es gibt Konzerte, bei denen man den Saal verlassen und wieder zurückkommen kann, wie zum Beispiel beim Haydn Hive oder bei der Klavier-Meditation. Nach den Konzerten wird in der Rooftop-Bar im Hotel Galanthá weitergespielt. Man muss keine Angst haben, dass man sich langweilen könnte. Es darf Bewegung sein, es dürfen Dinge ausprobiert werden!

Vorfreude aufs Pianofestival: „Auch das Publikum darf ausprobieren!“

© Tommi Schmid, wearegiving gmbh

Worauf darf sich das Publikum im Konzertprogramm noch freuen?
Schon zum Auftakt will ich mit Tango5 und Werken von Piazolla, Bartók und vielen anderen zeigen, wie sich eine Verbindung zwischen folkloristischer Musik und Kunstmusik entwickeln kann.

Die großartigen Önder-Schwestern sind auch bei uns zu Gast, sie spielen den Boléro von Ravel auf zwei Klavieren, bei dem ein Tänzer die Musik optisch zum Ausdruck bringt. Beim Director’s Concert stehe ich zum Abschluss mit Julian Rachlin und Jan-Erik Gustafsson auf der Bühne. Es gibt vieles, worauf man sich freuen kann!

Immer wieder gibt es Ideen, um den Nachwuchs auch im Publikum zu gewinnen. Ist Keys to Heaven ein Weg, mit dem das gelingen kann?
Ich sage zu jungen Gästen immer, sie dürfen uns ruhig mit dem Frequency-Festival vergleichen, nur ohne Zelt und ohne Gatsch (lacht). Die Jungen sind in einer Zeit des Entdeckens, und Keys to Heaven ist so programmiert, dass sie es auf eigene Initiative entdecken können.

Es gibt viele Menschen, die erzählen, sie gehen so gerne ins Konzert, fühlen sich aber „untalentiert“ beim Zuhören. Aber ich denke, wenn jemand Musik an sich heranlassen kann, dann ist das schon das Verstehen. Ich möchte gerade jüngeren Menschen diese Hemmschwelle nehmen, alternative Konzertformate geben ihnen die Möglichkeit, hineinzukommen.

Und ich möchte, dass auch die jungen Musikerinnen und Musiker im Burgenland angesprochen sind und einen Platz im Festivalgeschehen haben. Sie dürfen sich ebenfalls auf der Bühne ausprobieren.

Und das klassische Konzertpublikum muss auch keine Sorge haben, oder?
Natürlich nicht, es gibt Haydn, Schostakowitsch, Bach. Es ist so gedacht, dass es für alle etwas zum Anhalten gibt, etwas, das man schon kennt – und für jeden und jede etwas Neues zum Ausprobieren!

„Keys to Heaven“ - das Programm

Freitag, 26. April
16 Uhr: Haydn Hive – Next Generation Project (freier Eintritt, Zählkarten online sichern)
19.30 Uhr: Piazolla am Parkett – Maria Radutu & Tango5 im Haydnsaal
22 Uhr: Milonga mit Tango-Crashkurs im Hotel Galanthá, The Top

Samstag, 27. April
9 bis 19 Uhr: Infinite Retreat im Empiresaal – freier Eintritt mit Festivalpass & Tagesticket
11 Uhr: Piano & Sand im Haydnsaal – Anna Vidyaykina (Sandmalerei), Thomas Toppler (Sprecher), Sabina Hasanova (Klavier)
15.30: Filmvorführung im Gartensaal – „Die Suche nach dem perfekten Klang“
19.30 Uhr: Ferhan & Ferzan Önder im Haydnsaal, mit Maria Radutu und Joni Österlund (Tanz)
22 Uhr: Speak Easy – Stummfilme mit Klavier-Improvisation im Hotel Galanthá, The Top
22 Uhr: Nachtkonzert im Empiresaal, mit Tanja Huppert

Sonntag, 28. April
11 Uhr: Director’s Concert im Haydnsaal – mit Julian Rachlin, Maria Radutu, Jan-Erik Gustafsson

Alle Infos und Tickets sowie weitere Angebote im Schlossviertel oder Details zur Kinderbetreuung während der Konzerte gibt's online auf www.pianofestival.at