Zicksee im Fokus: Krimi „durstIG“ verbindet Spannung und Fakten
Martin F. Neuberger
Mit „durstIG“ veröffentlicht Martin Franz Neuberger einen Kriminalroman, der die Gefährdung des Zicksees ins Zentrum stellt – erzählerisch und zugleich faktenbasiert. Die Handlung spielt zwischen Gegenwart und späten 2030er‑Jahren und nutzt die Form des Krimis, um Ursachen, Verantwortlichkeiten und Lösungsansätze rund um den Wassermangel im Seewinkel zu beleuchten.
Autor Martin Franz Neuberger (Mitte) mit Verleger Gerhard Egermann und Werner Falb-Meixner
© Birgit Böhm-Ritter
Ein Roman für den Zicksee
„durstIG – ein Krimi für den Zicksee“ erscheint 2026 in der Edition Egermann (Potzneusiedl) und umfasst 220 Seiten. Ausgangspunkt ist eine reale Zuspitzung: 2022 war der Zicksee – nach Angaben des Autors wahrscheinlich erstmals in seiner jahrtausendelangen Geschichte – vollständig ausgetrocknet und gilt seither als höchst gefährdet, dauerhaft zu verschwinden. Neuberger, Geografielehrer und Landwirt, schildert, wie ihn die Entwicklung von einer wasserreichen Gegend hin zu extremer Knappheit seit seiner Kindheit begleitet.
„Dass man trotz schwerwiegender Folgen dieser massiven Eingriffe in das Ökosystem blindlings an der Erzählung festhält, das alles sei selbstverständlich nur die Folge unaufhaltsamer natürlicher Veränderungen, verschärft allein durch die landwirtschaftliche Bewässerung“, habe für ihn den Ausschlag gegeben, das Thema literarisch aufzuarbeiten.

© Birgit Böhm-Ritter
Die fiktive Handlung ist in den späten 2030er‑Jahren angesiedelt und kreist um den Zicksee. Neuberger wählt einen erzählerischen Zugriff, der Unterhaltung ausdrücklich mit aufklärerischem Anspruch verbindet: „‚durstIG‘ ist nicht bloß ein Zickseekrimi, sondern ein Krimi für den Zicksee.“ Ziel sei es, „die Gründe für den Wassermangel in der Region objektiv und wertfrei darzustellen, Vorurteilen und verantwortungslosen Kommentaren entgegenzuwirken“.
Inhalt und ungewöhnliche Erzählform
Bei der Präsentation im Schloss Potzneusiedl skizzierte der aus St. Andrä am Zicksee stammende Neuberger die Geschichte so: Die Handlung spielt zwischen Gegenwart und den späten 2030er‑Jahren. Eine Grundsatzabstimmung über politische Maßnahmen zur Rettung des Zicksees geht negativ aus. Aus Enttäuschung über das Ergebnis werden fünf Personen, die dazu beigetragen haben, entführt. Der Entführer will eine Wiederholung der Abstimmung erzwingen. Im Gespräch zwischen dem Entführer und den Geiseln wird das Thema Zicksee aufgearbeitet; zugleich befasst sich auch die Öffentlichkeit intensiver damit.

© Birgit Böhm-Ritter
Ungewöhnlich ist die formale Gestaltung: Das Buch ist fast vollständig in Kleinschrift (Minuskeln) gesetzt. Der Autor verzichtet auf herkömmliche Zeichensetzung – Beistrich, Punkt oder Anführungszeichen fehlen. Gedankenstriche und Absätze strukturieren den Text.
Neuberger begründete seinen Zugang mit dem Wunsch, ein „ernstes aktuelles Thema in einen Krimi einzubauen“ – für ihn ein neuer Ansatz. Zugleich zeigte er sich deutlich gegenüber „uninformierten, aber große Sprüche klopfenden Stimmen aus der Bevölkerung“: „Es ist so viel Unsinn zu dem Thema verzapft worden.“
Als wissenschaftliche Grundlage nennt Neuberger eine Studie des Naturschutzbundes, für die vor zwölf Jahren sämtliche Lacken im Seewinkel untersucht wurden. Das von ihm hervorgehobene Resultat: Alle Lacken können wiederhergestellt werden.
Wasserfrage im Fokus: Stimmen und Maßnahmen
Zur Wasserproblematik rund um den Zicksee sprach bei der Präsentation auch Werner Falb‑Meixner, Vizepräsident der Burgenländischen Landwirtschaftskammer. Demnach sei es für die Rettung des Zicksees sowie der weiteren Salzlacken essenziell, den Grundwasserspiegel anzuheben, damit auch der Salztransport zur Bodenoberfläche wieder funktioniere.

© Birgit Böhm-Ritter
Neuberger betonte ergänzend, der niedrige Grundwasserstand sei ein hausgemachtes Problem, das Jahrzehnte zurückreiche, als aus einer sumpfigen Region landwirtschaftlich nutzbare Flächen geschaffen werden sollten; der Klimawandel spiele dabei „nur am Rande“ eine Rolle. Auch die Bewässerung in der Landwirtschaft habe einen geringeren Einfluss als häufig angenommen, so Falb‑Meixner: „Ein Niederschlag von 22 Millimetern – das ist die gesamte Menge an Wasser, die in einem Jahr im Neusiedler Bezirk für die Bewässerung aus dem Grundwasser entnommen wird.“
Die Rettung der Salzlacken im Seewinkel wird seit 2023 übrigens in einem von der Europäischen Union (EU) geförderten LIFE‑Projekt namens „Pannonic Salt“ mit verschiedensten Maßnahmen vorangetrieben. Man arbeitet daran, den Erhaltungszustand der Salzlebensräume zu verbessern und geschädigte Sodalacken funktionell wiederherzustellen; das Projekt läuft bis 2028.
Buchdetails und Bezug:
Martin Franz Neuberger: „durstIG – ein Krimi für den Zicksee“, Edition Egermann, Potzneusiedl 2026, 220 Seiten. Preis: 19,80 Euro. Erhältlich in der Buchhandlung Knotzer (Neusiedl am See), im Lesekistl (Gols), beim Verlag oder direkt beim Autor. Bemerkenswert: Verleger Gerhard Egermann gründete aus Bewunderung für den Autor eigens die „edition egermann“.
Nähere Infos unter mfneu.com.