„Gossnfestl“: Eine Tradition, die noch immer lebt

Mattersburg

In der Weidenbachgasse wurde Anfang August in kleinerem Rahmen zum 13. Mal gefeiert. Am vergangenen Samstag ging das Satzäckerfest über die Bühne, und der Andrang war enorm.

Die „Satzäckercrew“ stellte wieder einmal ein äußerst gut besuchtes „Gossnfestl“ auf die Beine.

Die „Satzäckercrew“ stellte wieder einmal ein äußerst gut besuchtes „Gossnfestl“ auf die Beine.

© Richard Vogler

Die Gesellschaft lebt von der sozialen Interaktion. Veranstaltungen von offiziellen Institutionen gibt es genügend. Jene im kleinen Rahmen waren vor einigen Jahrzehnten sehr beliebt und weit verbreitet. Den Anstoß für diese Gassenfeste, im Dialekt als „Gossnfestl“ bezeichnet, gab einst der leider viel zu früh verstorbene Mattersburger Altbürgermeister Edi Sieber. Im Vorfeld der Bürgermeisterwahlen lud er 1986 zu „einem Glas Bier mit Edi Sieber“ ein: Klein gehaltene Feste in diversen „Grätzeln“ in Mattersburg. Daraus entstand auch das von der SPÖ veranstaltete Brückenfest zwischen Viadukt und Pappelstadion, das noch immer organisiert wird.

Heuer findet das Brückenfest jedoch nicht statt. Geschuldet ist dies den Feierlichkeiten anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Stadtgemeinde Mattersburg. „Wir achten stets darauf, dass wir das Brückenfest auf einen Termin legen, der nicht mit Events anderer Mattersburger Organisationen kollidiert. Beim ursprünglich geplanten Termin fand am Vortag die Festsitzung des Gemeinderates samt Ehrungen statt. Wir hätten auf einen anderen Termin ausweichen müssen. Dies hat nicht funktioniert, weil die Wochenenden mit Events „voll“ waren. Es wurde dieses Jahr lediglich eine Pause eingelegt. Nächstes Jahr steht es wieder zum gewohnten Freitag zu Schulschluss am Programm“, berichtet SPÖ-Vizebürgermeister Thomas Nikles.

Zurück zu den Gassenfesten: Ein äußerst gut besuchtes war das von der ebenfalls viel zu früh verstorbenen Monika Dirnbauer in den 1990er-Jahren. Als „Angergassenfest“ tituliert, wurde es auf einer Wiese in einer Seitengasse veranstaltet, gegenüber dem Wohnhaus von Dirnbauer.

Fotos vom Satzäckerfest:

Das „Bauermühlefest“ war zunächst auch ein klein gehaltenes Gassenfest. Im Laufe der Jahre entwickelte es sich zu einem Großevent, vor rund zehn Jahren war die letzte Veranstaltung.

Ein klassisches Gassenfest wurde dieses Jahr zum 13. Mal veranstaltet: Jenes in der Weidenbachgasse. Von Franz Perner und Helmut Leitgeb organisiert, setzt man bewusst darauf, im kleineren Kreis, also ausschließlich mit den Anrainern der Weidenbachgasse, zu feiern.

„Die Getränke haben wir von der Firma Knöbl, dafür wird ein Unkostenbeitrag verlangt. Die Speisen machen wir selbst, es werden immer viele Mehlspeisen mitgebracht. Wir haben stets ein paar Sitzgarnituren, dieses Mal waren rund 50 Leute beim Festl dabei“, berichtet Franz Perner.

Ein Gassenfest, das im Laufe der Jahre wuchs, ist das Satzäckerfest. Veranstaltet wird es in einer kleinen Gasse zwischen Hirtengasse und Hotterweg bei der großen Wohnsiedlung der Pöttschinger Siedlungsgenossenschaft. „Jenes Areal, auf dem sich nun die Häuser befinden, war einst die Ried Satzäcker“, erklärt Rainer Spanraft vom Organisationsteam.

Das Satzäckerfest wurde zum ersten Mal 2017 organisiert, seitdem wird jedes zweite Jahr zum Feiern geladen. „Wir lassen immer ein Jahr aus, sonst würde sich das Festl ,abnützen’“, so Spanraft.

2016 traf sich eine Gruppe von „Satzäckern“, und der Entschluss, ein Fest zu organisieren, stand bald fest. „Bei uns im Grätzel mit den Wohnungen, Reihenhäusern und Einfamilienhäusern gibt es doch sehr viele Leute. Wir haben das Satzäckerfest ins Leben gerufen, damit die Leut“ zusammenkommen, miteinander reden und einfach Spaß haben“, so Spanraft.

Satzäckerfest: Nicht nur für Anrainer

Bereits beim ersten Mal wurde ein kleines Zelt aufgestellt, ausreichend kühle Getränke gab es, gegrillte Käsekrainer, Koteletts und Pommes wurden kredenzt.

Seit Anbeginn ist der Besuch nicht nur auf Bewohner des Grätzels beschränkt. „Zu uns kann jeder kommen, der will. Das war uns schon zu Beginn sehr wichtig“, so Spanraft.

Dies sprach sich herum. Die positive Resonanz führte dazu, dass das Festl von Jahr zu Jahr wuchs. Dieses Mal gab“s Schweinsbraten, Käsekrainer, Koteletts, Pommes, frisch zubereitete Langos und Mehlspeisen. Für die Durstigen standen unter anderem 20 Kisten Bier und 336 Liter Wein zur Verfügung. Für die musikalische Umrahmung sorgten zunächst die Edelhof Musikanten, danach unterhielt Wolfgang Wograndl alias „DJ WoWo“. Und auch heuer war das Satzäckerfest wieder äußerst gut besucht. „Wir haben ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen, alle waren happy“, hält Spanraft fest.

Um einen reibungslosen Ablauf des Gassenfestes zu gewährleisten, trifft man sich in der Regel im April, wo die Zuständigkeiten eingeteilt werden. „Mittlerweile ist es fast ein Selbstläufer, es weiß jeder, was zu tun ist“, so Spanraft. Am Donnerstag beginnt man mit den ersten Aufbauarbeiten, das Fest startet dann stets am späten Samstagnachmittag.

„Satzäckercrew“ auch beim Umzug mit dabei

Bleibt von den Einnahmen etwas übrig, so wird dies für den Fasching aufgewendet. „Wir sind auch immer mit einem Wagen beim Walbersdorfer Faschingsumzug dabei. Vom übrig gebliebenen Geld werden Getränke gekauft, die dann ausgeschenkt werden.“

Der Termin des Satzäckerfestes ist stets um den 15. August herum. „In zwei Jahren fällt dieser Tag auf einen Dienstag. Wir peilen nun einmal das Wochenende davor an“, erzählt Spanraft.

Bei der Organisationsstruktur gibt es seit diesem Jahr eine Neuerung. Die Gruppe gründete einen eigenen Verein mit dem Namen „Satzäckercrew“. Die Firma Mewald spendete eine Garnitur Leibchen, Melanie Schwarz entwarf das Vereinslogo. „Da wir nun als Verein auftreten, ist es für die Firmen in puncto Sponsoring einfacher, und falls etwas passieren sollte, sind wir nun auch versichert“, so Spanraft.

Spanraft selbst ist Obmann, Jochen Halwax Obmannstellvertreter. Als Schriftführerin fungiert Carmen Tomisser, Schriftführer-Stellvertreter ist Willi Gerdenitsch. Die Funktion des Kassiers übt Marco Pessnegger aus, Kassier-Stellvertreter ist Alex Reitbauer.