HighTech aus dem Burgenland im Flugzeug-Cockpit

Mindset Technologies

Ein burgenländisch-schweizerische Neurotech-Startup will die Flugsicherheit revolutionieren– mit „Mind-enabling Technology“. Die BVZ sprach mit dem Eisenstädter Neurowissenschafter CTO Christian Kusmitsch und Pilot Patrick Schmidlechner über ihr DeepTech-Startup „Mindset Technologies“.

Christian Kusmitsch, CTO und Neurowissenschafter, und Patrick Schmidlechner, COO und Pilot, sprachen mit der BVZ über ihr Startup Mindset Technologies.

Christian Kusmitsch, CTO und Neurowissenschafter, und Patrick Schmidlechner, COO und Pilot, sprachen mit der BVZ über ihr Startup Mindset Technologies.

© BVZ/Wagentristl, zVg

Herr Schmidlechner, Herr Kusmitsch – Mindset Technologies hat den Hauptsitz in der Schweiz und einen Standort in Großhöflein, von wo auch Ihr CFO Aladar Tepelea kommt, der heute leider nicht dabei sein kann. Einfach erklärt: Was macht Ihr Startup?

Kusmitsch:Mindset Technologies ist ein Deep-Tech-Startup, das kognitive Leistung messbar macht – ähnlich wie ein Sportler seinen Puls misst. Wir zeigen zum Beispiel einem Piloten, in welchem mentalen Zustand er ist, ob er überfordert ist, ob er vorausschauend agiert – oder ob Fehlergefahr besteht. Dafür analysieren wir etwa Augenbewegungen, Mimik oder Muskelaktivität.

Warum starten Sie genau in der Luftfahrt?

Kusmitsch:Das Cockpit ist extrem standardisiert. Wir wissen, was dort verlangt wird, können gezielt messen und mit Sensorik optimieren. Und: Wer es in der Fliegerei schafft, schafft es überall. Denn Flugsicherheit gilt als Goldstandard. Von hier aus lässt sich vieles übertragen – etwa auf Lkw, Züge oder Marinekräne.

HighTech aus dem Burgenland im Flugzeug-Cockpit

© BVZ/Wagentristl

Wie geht das technisch – Stichwort: Mind-Enabling-Technologie?

Kusmitsch:Chipimplantate brauchen wir keine. Wir arbeiten mit Biofeedback 3.0. Das heißt: Wir liefern eine Einsicht, warum ein Fehler passiert ist. Und Piloten sind typischerweise ambitioniert – die wollen das wissen. Sie wollen sich verbessern.

Schmidlechner:Früher hat man Unfälle analysiert, nachdem sie passiert sind. Heute braucht es vorausschauende Systeme, um auf gewisse Trends zu reagieren. Unsere Technik liefert genau das: objektives Feedback, bevor etwas passiert. Müdigkeit zum Beispiel ist ein zentraler Risikofaktor – vor allem auf der Langstrecke. Aber sie wird kaum systematisch erfasst.

„Die Augen sind das Fenster zum Gehirn“

Was genau messen Sie bei Pilotinnen und Piloten?

Kusmitsch:Augenbewegungen, Hautdurchblutung, Muskelreaktionen, Körperhaltung – und was bei bestimmten Reizen passiert. Die Augen geben viel Preis über das, was im Kopf vorgeht. Entscheidend ist nicht nur, wohin jemand schaut – sondern ob er auch versteht, was er sieht.

Schmidlechner:Man muss das Blickverhalten trainieren – wie im Rennsport. Wer schneller den Kurvenscheitel erfasst, fährt effizienter. Genauso im Cockpit: Wer früher wahrnimmt, denkt früher voraus.

Und die Technologie ist aus dem Burgenland mitentwickelt?

Kusmitsch:Ja. Der Standort hat große Vorteile: Nähe zu Wien, zur Steiermark, zu Simulationspartnern wie der Aviation Academy Austria (AAA) in Neusiedl. Wir haben auch Partner in Ungarn und der Slowakei. Die Wege sind kurz, das Umfeld ist gut. Auch das Programm „Startup Burgenland“ war für uns wertvoll – fachlich und international.

HighTech aus dem Burgenland im Flugzeug-Cockpit

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Wie kam es zur Gründung von Mindset Technologies?

Kusmitsch:Ich habe in der Hirnforschung und im Umweltbereich begonnen, dann in der Wettermodellierung. Die Parallelen waren auffällig: Sensoren, Daten, Vorhersagen. Später habe ich erste Prototypen im eSports- und Rennsport-Bereich getestet. Dann ging es rasch in die Fliegerei – über ein Pilotentestprogramm der Schweizer Luftwaffe. Die Rückmeldungen waren großartig.

Schmidlechner:Wir arbeiten heute mit Fluglinien, Behörden, Simulatorzentren und im militärischen Bereich. Unsere jüngst geschlossene Kooperation mit Draco Aircraft zielt auf ein autonomes Notlandesystem ab.

Aktuell ist immer wieder von akutem Pilotenmangel zu hören. Wie groß ist das Problem?

Kusmitsch:Die Luftfahrtbranche rechnet bis 2034 mit rund 275.000 fehlenden Pilotinnen und Piloten. Gleichzeitig kostet ein Militärpilot in der Ausbildung über zehn Millionen Euro. Und die Flugminute eines F-35-Jets schlägt mit 4.000 Dollar zu Buche. Wer da frühzeitig erkennt, ob jemand geeignet ist, spart enorm.

Schmidlechner:Die Dropout-Rate liegt bei 90 Prozent. Aber nicht, weil die Leute schlecht wären – sondern weil die Ausbildner kein Risiko eingehen wollen. Unsere Technologie kann helfen, Potenzial besser zu identifizieren und gezielter zu fördern. Das spart Zeit, Geld und Nerven.

HighTech aus dem Burgenland im Flugzeug-Cockpit

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Eine Brücke zwischen Mensch und Technik, Theorie und Praxis

Das Zusammenspiel von Mensch und Technik funktioniert nicht immer reibungslos.

Schmidlechner:Die Technik soll eine Ergänzung sein und kein Ersatz. Ein Autopilot macht, was Menschen ihm sagen. Wenn der Mensch dabei Fehler macht, hilft auch der beste Autopilot nichts. Unsere Systeme können erkennen, ob ein Pilot in der Lage ist zu entscheiden – und gegebenenfalls warnen oder unterstützen.

Kusmitsch:Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen. Es geht darum, dass Mensch und Maschine besser zusammenarbeiten. Das ist unser Fokus. Wir nennen das „Mind-Enabling“ – also das mentale Potenzial nutzbar machen.

Wie ist Ihr Team aufgestellt?

Kusmitsch:Sehr interdisziplinär: Psychologen, Neurowissenschafter, Luftfahrtexperten, Softwareentwickler – viele aus dem Burgenland, andere in Taiwan, Utrecht, Deutschland. Unser Head of Model Development kommt aus der Konsumpsychologie. Der Rennsportbereich wird von Ex-IBM-Leuten betreut. Und unser Mann in Taiwan ist ein Ex-Audi-Manager aus der Buckligen Welt.

HighTech aus dem Burgenland im Flugzeug-Cockpit

© Mindset Technologies

Was plant Mindset Technologies als Nächstes?

Schmidlechner:Es laufen Gespräche mit Simulatorzentren, Behörden und Airlines. Wir wollen unsere Technologie breit einsetzen – vom Training bis zum Ernstfall im Cockpit. Und langfristig? Airbus oder Boeing wären natürlich spannende Partner.

Kusmitsch:Im Zentrum steht für uns der Mensch. Technologie darf nie Selbstzweck sein. Sie soll helfen, Situationen früher zu erkennen – und sicherer zu machen. Dafür bauen wir weiter an der Brücke zwischen Wissenschaft und Anwendung.

Herr Kusmitsch, Herr Schmidlechner, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Peter Wagentristl