Trauer um Martin Ivancsics: „Ein visionärer Volksgruppensprecher“

Mit 75 Jahren verstorben

Haltung, Weitblick und großes Verantwortungsbewusstsein: Das sind drei Eigenschaften, die Martin Ivancsics in seinen Funktionen gezeigt hat. Der langjährige Vorsitzende des Kroatischen Kultur- und Dokumentationszentrums und frühere Büroleiter der Landeshauptmänner Sipötz und Niessl ist heute im Alter von 75 Jahren verstorben.

Immer im Dialog. Als prägende Stimme der Burgenlandkroaten war Martin Ivancsics immer wieder auch bei nationalen Veranstaltungen vertreten, wie hier im Parlament.

Immer im Dialog. Als prägende Stimme der Burgenlandkroaten war Martin Ivancsics immer wieder auch bei nationalen Veranstaltungen vertreten, wie hier im Parlament.

© Parlamentsdirektion, Johannes Zinner

„Mit seinem Tod verliert die Volksgruppe der burgenländischen Kroaten eine herausragende Persönlichkeit, einen visionären Gestalter und einen unermüdlichen Kämpfer für Sprache, Kultur und Identität“, zeigte sich Karin Vukman-Artner tief betroffen: Sie folgte Martin Ivancsics an der Spitze des Kroatischen Kultur- und Dokumentationszentrums (HKDC) nach und führt seine Arbeit fort.

Im Vorjahr wurde Martin Ivancsics, der nach schwerer Krankheit im 76. Lebensjahr verstorben ist, von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil das Goldene Ehrenzeichen verliehen. Ivancsics war auch lange Jahre in der Politik, als Büroleiter der früheren Landeshauptmänner Hans Sipötz und Hans Niessl, und er vertrat das Burgenland unter anderem im ORF-Stiftungsrat.

Als Leiter des HKDC prägte er das kulturelle und gesellschaftliche Leben der burgenländischen Kroaten über Jahrzehnte hinweg mit, richtungsweisende Projekte seien unter Martin Ivancsics umgesetzt worden, wird sein Wirken gewürdigt. Der gebürtige Klingenbacher lebte in Zagersdorf und hinterließ auch in seiner Heimatgemeinde viele Spuren. Nach dem Wechsel in die Privatwirtschaft blieb Ivanciscs dem Burgenland weiter eng verbunden, in der Siedlungsgenossenschaft „B-Süd“ war er lange Zeit geschäftsführend tätig.

Trauer um Martin Ivancsics: „Ein visionärer Volksgruppensprecher“

© BVZ/Kaiser

„Mit ganzer Kraft hat sich Martin Ivancsics für eine starke und gleichberechtigte Präsenz der Volksgruppen in Österreich eingesetzt. Vor allem sein Wirken für die Sprache, Kultur und Identität der kroatischen Volksgruppe im Burgenland wird weiter Bestand haben“, trauert auch Landeshauptmann Hans Peter Doskozil in einem Nachruf. Als „feste Größe“ bekleidete Ivancsics zahlreiche weitere Funktionen, unter anderem war er auch stellvertretender Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der burgenländischen Kroaten im Bundeskanzleramt.

„Die Anteilnahme des Landes Burgenland gilt in diesen schweren Stunden insbesondere seiner Familie und allen Angehörigen", schreibt Landeshauptmann Doskozil: „Martin Ivancsics wird dem Burgenland und vielen Menschen unvergessen bleiben.“ Landtagspräsidentin Astrid Eisenkopf erinnerte an Ivanciscs' „tiefes Verständnis für die Anliegen der Menschen“: „Seine Dialogbereitschaft und seine Handschlagqualität haben ihn stets über Parteigrenzen hinweg ausgezeichnet.“ Das Burgenland verliere mit ihm auch einen „Brückenbauer“.

Zagersdorfs Bürgermeister Ivan Grujic zeigt sich ebenfalls betroffen: „Ohne ihn als Unterstützer in seiner Position als Büroleiter von Landeshauptmann Hans Niessl würde Zagersdorf heute nicht so gut dastehen. Er war einer meiner größten Förderer in der Politik. Es macht mich persönlich sehr traurig, dass er nicht mehr da ist.“

Der grüne Landtagsabgeordnete und Volksgruppensprecher Philip Juranich betont, dass Martin Ivancsics mit seinem Einsatz „weit über die eigene Volksgruppe hinausgewirkt“ habe: „Er hat dafür gekämpft, dass unsere kulturelle Identität erhalten bleibt und dass Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt als Bereicherung gesehen werden. Dafür gebührt ihm großer Dank und Respekt.“

FPÖ-Mandatar und Volksgruppensprecher Thomas Grandits würdigte ebenfalls „das außergewöhnliche Engagement und die richtungsweisende Arbeit“ des Verstorbenen: „Martin Ivancsics wird dem Burgenland als engagierter Gestalter und beeindruckende Persönlichkeit in ehrender Erinnerung bleiben.“

Als Volksgruppensprecher der ÖVP zollte Landtagsabgeordneter Patrik Fazekas Ivancsics Respekt. Er unterstrich den Einsatz für Sprache „und für ein gutes Miteinander über Generationen hinweg“ und dankte auch auf Burgenlandkroatisch: „Hvala za dugoljetni angažman za narodne grupe u Gradišću.“

Die SPÖ-Landesgeschäftsführer Friedrich Radlspäck und Kevin Friedl erinnern daran, dass Ivancsics viele Jahre an zentraler Stelle in der politischen Arbeit des Landes tätig war: In der Funktion als Büroleiter „prägte er nicht nur Regierungsarbeit mit, sondern war auch ein wichtiger Teil jener politischen Schaltstellen, an denen Entwicklungen vorbereitet, Entscheidungen begleitet und die Zukunft des Burgenlandes gestaltet wurden“.

Als prägende Persönlichkeit des Landes werde Ivancsics in Erinnerung bleiben, sagen Radlspäck und Friedl: „Martin Ivancsics war eine jener Persönlichkeiten, die Politik nicht nur begleitet, sondern über Jahrzehnte aktiv mitgestaltet haben.“