Auf ein Buttersemmerl und ein bisschen Theater im Gastgarten
Mit Krutzler unterwegs
Das Programm für die nächste Theatersaison in den Kulturzentren hat Christoph Krutzler als Künstlerischer Leiter auf die Beine gestellt – jetzt holt er die Leute ab. Wenn es sein muss, direkt von der Straße.
„Ich will die Leute bewegen. Und auch herausfordernd sein.“ Große Themen kann man auch bei Häferlkaffee und Semmerl besprechen.
© Wolfgang Millendorfer
Der Theatersheriff geht durch die Stadt, und wenn er Zeit hat, holt er sich in der Fußgängerzone einen Häferlkaffee mit Buttersemmerl. Dann reden ihn die Leute an, manche sagen: „Ich hab mir schon ein Abo bestellt!“ Christoph Krutzler ist einer, den man anreden kann, überhaupt mit so guten Nachrichten.
Seit wenigen Monaten ist der Schauspieler Träger eines neuen Titels: Künstlerischer Leiter der Sparte Erwachsenentheater in den Kulturzentren Burgenland. Und weil das ein wenig sperrig klingt, findet man Krutzler auf Instagram eben unter dem Namen Theatersheriff. Denn Spaß darf sein, auch und vor allem im Theater.
Wobei Christoph Krutzler beim Bestreichen der Semmel unterstreicht: „Billige Lacher abzuholen, ist meine Sache nicht! Lieber will ich bewegen. Und auch herausfordernd sein.“ Nicht zufällig steht ein Zitat von Claus Peymann dem Programm zur kommenden Spielsaison voran – das Theater „als moralische Anstalt“, und „die Erziehbarkeit des Menschen durch Kunst“ wird vorausgesetzt. Abschrecken darf und wird man sich nicht lassen, denn es wird zugleich höchst unterhaltsam.
© Wolfgang Millendorfer
Als Auszeit in einer stressigen Woche soll der Theaterbesuch angenehm herausfordern: „Man soll sich entspannen, hinsetzen, und wenn man will, darf man sich auch berieseln lassen. Es bleibt sowieso genug hängen“, sagt Christoph Krutzler.
„Gutes Theater beschäftigt die Menschen automatisch. Sie müssen nicht das Gefühl haben, dass sie dabei arbeiten müssen. Im Gegenteil, sie sollen entspannen … die Arbeit kommt dann eh von allein“, lacht Krutzler. „Und so eine Herausforderung kann reizvoll sein, das ist nicht immer Mühsal!“
Seine Antenne fürs Publikum funktioniert schon von der Bühne aus, das Gefühl hat ihn bei unzähligen Aufführungen nicht getäuscht. Und für die reizvolle Herausforderung im Zuschauerraum hat der Schauspieler ein aktuelles Beispiel.
„Meine Frau Johanna hat mir das Musiktheater intensiv nähergebracht. Da wollte ich auch immer sofort alles verstehen und intellektuell erfassen. Bis ich dann gesagt habe: Ich setz mich rein und lass mich davon berauschen – und auf einmal macht es Klick, und man ist dabei. Eine Oper spürst du noch nach einem halben Jahr in dir nachschwingen. Das soll beim Theater ganz genau so sein!“

© Rabenhof, Sophie Menegaldo Newman
Das Gute, Wahre und Schöne in den Kulturzentren
Einmal hält es Krutzler da noch mit dem früheren Burgtheater-Direktor Peymann: „Das Theater ist dazu da, Feste hervorzubringen, damit das Gute, Wahre und Schöne gefeiert werde.“ Im Burgenland wird das höchste Ziel ab Oktober – mit Beginn der nächsten Spielsaison – in den Kulturzentren umso mehr gelebt. Das Programm wurde jetzt veröffentlicht (siehe unten), die Abonnentinnen und Abonnenten sind informiert, und neue kommen laufend dazu.
Den Auftakt macht ganz bewusst die erste Eigenproduktion, und zwar im umgebauten KUZ Güssing (15. Oktober): Mit „Nincshof“ wird Johanna Sebauers Geschichte vom verträumt-verrückten Dorf erstmals auf die Bühne gebracht. Fabian Pfleger hat das Buch dramatisiert, Lisa-Maria Cerha führt Regie, die Musik kommt von Ferry Janoska.
Im Februar 2027 feiert dann der burgenländische „Faust“ in Eisenstadt Premiere. Christoph Kohlbacher wird inszenieren, an der Aufbereitung des Klassikers schlechthin wird ebenfalls bereits gearbeitet.
Es geht dahin, motiviert ist nicht nur der Künstlerische Leiter; die Mitwirkenden, die er aus allen Richtungen ins Land holt, spüren, dass hier etwas im Entstehen ist. Nichts weniger als „unser Theater“, wie es Krutzler schon bei seinem ersten KUZ-Auftritt und Antritt im Jänner gesagt hat.

© Wolfgang Millendorfer
Da darf und muss man groß denken, lautet eine andere Devise. Die Fühler hat Christoph Krutzler ausgestreckt, unter anderem kommt auch das Wiener Rabenhof-Theater zum Gastspiel: Die legendäre Danzer-Revue „Jö schau“ bringen Krutzler, Oliver Welter, Lucy McEvil und Alf Peherstorfer zum 80. Geburtstag in Erinnerung an das Austropop-Genie. Und wieder gilt: Show trifft Tiefgang!
Die Komödien, die in den Kulturzentren immer ein Renner sind, wird es geben, sie kommen vielleicht nur ein wenig ruhiger um die Ecke: Schlaue Stücke mit Dialogwitz und großem Überbau, etwa wenn Wolf Bachofner als Gott persönlich bei Psychologin Katharina Stemberger auf der Couch liegt.
Im dunklen Saal ist man auch vorm Stress sicher ...
Kristina Sprenger ist auch wieder im Burgenland zu sehen („Alles, was Sie wollen“), und richtig herzerwärmend soll es dann kurz vor Weihnachten werden: Mona Sefried und Peter E. Funck werden im gleichnamigen Stück eingeschneit.
Gespielt wird das Stück am 20. und 21. Dezember. Wieder eine ganz bewusste Entscheidung, nämlich kurz vor dem Fest: „Gerade dann! Es ist ja jedes Jahr das Gleiche: Alle haben immer denselben Stress, da kann man froh sein, einmal Ruhe zu haben, sich hinzusetzen und ein gutes Stück zu genießen!“ Wo der Theatersheriff recht hat, da hat er recht.
Das Buttersemmerl im Gastgarten in der Eisenstädter Fußgängerzone ist gegessen, ein paar Leute mehr haben so nebenbei im Plauderton versichert, dass sie sich schon aufs Theater freuen, Mission erfüllt. Die neue Handschrift im Programm wird man erkennen, das soll so sein. Spüren wird man es spätestens ab Herbst, wenn man sich hinsetzt und sich einfach berauschen lässt. „Das wird super!“, sagt Krutzler, so ganz allgemein.

© Kultur Burgenland, Andreas Hafenscher, Andreas Hafenscher
Vorschau auf die kommende Saison: KUZ-Theater ab Herbst
Nincshof:Johanna Sebauers Erfolgsroman auf der Bühne! Mona Kospach, Johanna Mertinz, Christoph Krutzler, Gerald Votava und Skye MacDonald in der Geschichte des kleinen Dorfes, das vergessen werden möchte. Ab Oktober zu sehen in den Kulturzentren Güssing (Uraufführung am 15. Oktober), Mattersburg (16. Oktober), Oberschützen (22. Oktober) und Eisenstadt (6. November).
Faust – der Tragödie erster Teil: Goethes Klassiker als Eigenproduktion der Burgenländischen Kulturzentren: mit Stella Palino und vielen mehr, ab Februar 2027 in Eisenstadt (Premiere am 25. Februar 2027), Güssing(27. Februar 2027), Oberschützen (5. März 2027) und Mattersburg (6. März 2027).

© Kultur Burgenland, Andreas Hafenscher, Andreas Hafenscher
Eingeschneit: Herzerwärmende Komödie kurz vor Weihnachten: Mona Seefried und Peter E. Funck als Senioren im Schneesturm - in Güssing (20. Dezember) und Eisenstadt (21. Dezemmber).

© Gabriele Griessenböck
Oh mein Gott: Katharina Stemberger als Psychologin hilft Gott persönlich (Wolf Bachofner) in einer Sinnkrise, am 4. Dezember in Mattersburg und am 5. Dezember in Oberschützen.

© Daniela Matejschek
Alles, was Sie wollen:Kristina Sprenger und David Oberkogler in einer französischen Komödie über Beziehungen und das ganze Leben an sich. Zu sehen in Eisenstadt(16. April 2027) und Oberschützen (17. April 2027).

© Rabenhof, Sophie Menegaldo Newman
Jö schau: Die große Revue für Georg Danzer, der heuer seinen 80er gefeiert hätte. Ein Hit aus dem Rabenhof-Theater kommt ins Burgenland: mit Lucy McEvil, Christoph Krutzler, Alf Peherstorfer und Oliver Welter; in Güssing(12. Mai 2027) und Mattersburg (13. Mai 2027).
Theater-Abos, Infos und noch viele Veranstaltungen mehr online auf kulturzentren.at
Zur Person: Christoph F. Krutzler
Der Schauspieler aus dem Südburgenland (die Verbindung zu Kemeten ist noch immer eng) stand im Wiener Volkstheater, im Burgtheater, im Rahmen der Salzburger Festspiele („Die letzten Tage der Menschheit“) auf der Bühne, um nur einige zu nennen. Im Wiener Rabenhof Theater ist er ab 30. September wieder in „Jö schau“ zu sehen.
In Filmen (zuletzt „Kopftuchmafia“, „Uhudler-Verschwörung“, „Eierkratz-Komplott“ oder „Der Metzger“), in TV-Serien („Vier Frauen und ein Todesfall“, „Landkrimi“) und auf Netflix (auf „Freud“ folgte der internationale Erfolg der Serie „Crooks“) gilt Krutzler als Publikumsliebling.
Beim picture-on-Festival in Bildein ist Krutzler Intendant der Lesung am Pinkastrand. Mit Beginn 2026 übernahm er die Theater-Programmierung inklusive Eigenproduktionen in den Burgenländischen Kulturzentren.

© Andreas Hafenscher