Benjamin Gedeon und der große Traum vom Song Contest
„Tanzschein“
Der Halbturner Musiker Benjamin Gedeon alias COSMÓ steht im österreichischen Vorentscheid „Vienna Calling“ für den Eurovision Song Contest. Bestens vorbereitet auf eine große Show sagt er im BVZ-Interview: „Ich bin heute mehr (Rampen-) Sau denn je“.
Benjamin Gedeon alias Cosmo und Sandro Humitsch wollen die Bühne beim ESC -Vorentscheid gemeinsam rocken.
© ORF/Klaus Titzer, Klaus Titzer
Als sich Benjamin Gedeon 2022 bei der deutschen TV-Show „The Voice Kids“ mit Songs von Frank Sinatra bis ins Finale sang, war er 15 Jahre alt und galt als erstaunlich reifer Ausnahmekandidat. Vier Jahre später steht der Halbturner erneut an einem entscheidenden Punkt seiner noch jungen Laufbahn. Der heute 19-Jährige hat es in den österreichischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest geschafft, der 2026 in Wien stattfinden wird. Gemeinsam mit Gitarrist Sandro Humitsch tritt er unter dem Künstlernamen COSMÓ an.
Der Weg auf diese Bühne begann im selbst eingerichteten Studio im Kinderzimmer, führte über Konzerte in Ostösterreich und mündete in der bewussten Suche nach einer eigenen künstlerischen Identität. COSMÓ steht für Weltoffenheit und Zugehörigkeit – geprägt von einer Biografie zwischen Ungarn, Deutschland und dem Burgenland.
Der Wettbewerbssong „Tanzschein“ entstand aus dem Wunsch nach mehr Bewegung und Energie. Verfeinert wurde der Titel gemeinsam mit der Singer-Songwriterin Ella Stern, produziert von Elias Stejskal.
Aus rund 500 Bewerbungen wählte die ORF-Jury in einem Live-Casting schließlich zwölf Acts aus. Sie stellen sich am Freitag, dem 20. Februar, um 20.15 Uhr in ORF 1 Jury und Publikum. Für Gedeon ist es die Chance, einen lange gehegten Traum hörbar zu machen.
Benjamin, herzlichen Glückwunsch zu deinem Einzug in den österreichischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest! Wie bist du zu diesem Punkt gekommen, wie läuft die Vorauswahl ab?
Benjamin Gedeon: Ich habe mich Mitte Oktober mit meinem Song beworben und habe dann eine Einladung für das Live-Casting Ende November im ORF-Zentrum bekommen. Danach hieß es zwei Wochen zittern. Meine Nerven lagen wirklich blank – bis klar war, dass ich dabei bin.
Du trittst gemeinsam mit Sandro Humitsch als COSMÓ auf. Wer besetzt welche Rolle in diesem Duo?
Gedeon: Ich bin froh, dass Sandro diese Reise mit mir macht. Er ist seit drei Jahren Gitarrist in meiner Band und wir haben schon einiges miteinander erlebt. Bei meinem Auftritt wird er in eine schauspielerische Rolle als „Security“ schlüpfen und Gitarre spielen.
Welche Bedeutung hat dein neuer Künstlername „COSMÓ“?
Gedeon: COSMÓ ist eine Kurzform für Cosmopolitan und bedeutet weltoffen – offen für andere Kulturen sein und dafür, andere Orte zu entdecken. Cosmo vermittelt das Gefühl, überall daheim zu sein, ein Gefühl von Gemeinschaft über Grenzen hinaus. Vielleicht hat das auch mit meiner Familie zu tun: Mein Vater kommt aus Deutschland, meine Mutter aus Ungarn. Ich selbst bin in Budapest geboren und im Burgenland aufgewachsen.
Euer Song für den Vorentscheid trägt den Titel „Tanzschein“ – was ist die zentrale Botschaft des Liedes, und wie bist du auf diese Idee gekommen?
Gedeon: Ich war im August im Prater laufen und da ist mir einfach das Wort Tanzschein eingefallen. Zuerst war also das Wort, erst später ist die Geschichte drumherum entstanden. Der Tanzschein ist sowas wie ein Ticket für einen Club.
Die Konkurrenz im Vorentscheid ist hart. Was glaubst du, unterscheidet deinen Song von anderen und was ist dein Alleinstellungsmerkmal beziehungsweise deine Intention als Künstler?
Gedeon: Ja, es gibt eine starke Konkurrenz. Ich bin geehrt, mit so großen Acts auf der Bühne stehen zu dürfen. Unter allen Künstlern bin ich mit 19 Jahren der Jüngste, das ist schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal.
Ich möchte mit meinem Song nicht nur meine Generation abholen. Ich will mit meiner Teilnahme auch den Wert meiner Generation übermitteln und zeigen, dass wir Respekt gegenüber anderen Menschen haben. Ich höre immer, wir seien faul und respektlos. Mit diesen Klischees möchte ich brechen. Wir haben klare Visionen und kümmern uns um unsere Zukunft.
Sandro und ich werden eine spektakuläre Show bieten. „Tanzschein“ wird sicher der Act sein, der am meisten in die Beine geht.
Der Song Contest ist bekannt für seine extravaganten Bühnenauftritte. Kannst du uns schon etwas über deine geplante Performance verraten?
Gedeon: Wenn ich als COSMÓ auftrete, trage ich einen großen blauen Stern im Gesicht. Dann bin ich nicht mehr der ruhige Ben, der Student, der in der Vorlesung für Zahnmedizin sitzt. Dann kommt eine ausgelassenere Seite von mir zum Vorschein. Dann werde ich zur Rampensau.
Du startest durch deine Teilnahme an „The Voice Kids“ mit einem gewissen Maß an TV-Erfahrung in den Vorentscheid. Wie viel hilft dir diese Erfahrung jetzt?
Gedeon: Ja, meine Erfahrungen von „The Voice Kids“ helfen mir auf jeden Fall. Zum Beispiel bei Interviewsituationen. Anfangs war ich immer sehr angespannt. Langsam fühle ich mich aber immer wohler, mich öffentlich zu präsentieren. Ich merke aber schon, dass es einen großen Unterschied zwischen einem Kinderwettbewerb und jetzt dem ESC-Vorentscheid gibt. Der Druck ist schon viel höher und alles geht viel schneller. Das Ausmaß und die Reichweite habe ich erst gemerkt, als bekannt gegeben wurde, wer beim Vorentscheid teilnehmen wird. Alle haben mir gratuliert und es haben mich sehr viele liebe Nachrichten erreicht. Ich bin tagelang am Handy gewesen, um zu reagieren. Da bin ich schon ein bisschen nervös geworden.
Die Teilnahme an „The Voice Kids“ hat dir sicherlich geholfen, ein breiteres Publikum zu erreichen. Wie hat sich dein Verständnis für Musik und Performance durch diese Erfahrung verändert und wie fließt das in deine aktuelle Vorbereitung auf den Vorentscheid ein?
Gedeon: Seit „The Voice Kids“ habe ich mich als „Rampensau“ sicherlich weiterentwickelt. Jetzt bin ich mehr „Sau“ als je zuvor (lacht). Sehr viel hat sich aber auch abseits der Bühne abgespielt. Ich habe mir die Fragen gestellt: „Wer möchte ich sein?“ oder „Wie möchte ich mich präsentieren?“ Dabei habe ich viele Konzepte entwickelt und auch wieder verworfen. Ich habe mich für den ESC-Vorentscheid noch als Benjamin Gedeon beworben, erst im Laufe des Castings habe ich meinen Künstlernamen „COSMÓ“ gefunden.
Der Eurovision Song Contest ist nicht nur ein musikalisches Event, sondern auch ein kulturelles Phänomen. Was macht deiner Meinung nach den Song Contest zu etwas so Besonderem?
Gedeon: Ich weiß es nicht so genau, aber ich sitze jedes Jahr vor dem Fernseher. Ich bin ein riesiger ESC-Fan. Als Kind habe ich gesehen, wie Conchita Wurst gewonnen hat. Bei JJs Sieg hab ich den Song Contest in der Budapester Wohnung meiner Oma mitverfolgt. Ich habe dabei so laut geschrien. Die Nachbarn müssen sich gedacht haben, dass ich einen Vogel habe. Eine ESC-Teilnahme ist ein Traum, der fast schon zu weit weg ist, aber gerade noch in greifbarer Nähe. Diese 1-Prozent-Chance möchte ich nutzen.
Welche Künstler oder Bands haben dich in deiner musikalischen Entwicklung beeinflusst und wie spiegelt sich das in deinem Songwriting wider?
Gedeon: Ganz klar, Billie Eilish und Cro. Bei Billie Eilish hat mich fasziniert, wie sie begonnen hat, Musik zu machen. Nämlich mit ihrem Bruder im Kinderzimmer. Da habe ich gesehen, dass man nicht unbedingt ein riesiges Studio braucht. Cro habe ich als Kind sehr viel gehört und er singt auch auf Deutsch. Das hat mich inspiriert.
Was erhoffst du dir von der ESC-Vorentscheidung und wie könnte sich deine Karriere durch diese Teilnahme verändern?
Gedeon: Ich wünsche mir, dass der Vorentscheid eine wunderschöne erste Erinnerung für etwas noch Größeres wird, ein „Stepping Stone“ für meine weitere Karriere.