Neue Buslinie: Testbetrieb soll Gemeinden näher an Bratislava bringen
Mobilität
Eine neue Buslinie zwischen Prellenkirchen, Edelstal, Kittsee, Berg und Bratislava könnte noch im Sommer Realität werden. Vertreterinnen und Vertreter der Region diskutierten in Kittsee über Route, Takt und notwendige Genehmigungen. Vorgesehen ist ein kostenloser dreimonatiger Testbetrieb.
Johann Köck (Bgm. Prellenkirchen), Johannes Hornek (Bgm. Kittsee), Horst Pelzmann (Bgm. Berg), Jozef Wallner (No Gravity), Šimon Juřík (BID), Martin Šulek (BID)
© NÖ.Regional
Das Informationstreffen im Schloss Kittsee brachte am Mittwoch erstmals alle beteiligten Stellen an einen Tisch. Die Organisation BID („Bratislava Integrierter Verkehr a.s.“) und baum_cityregion („Stadtregion Bratislava‑Umland“) stellten dort den aktuellen Stand der Planungen vor und sprachen gemeinsam mit den Bürgermeistern über mögliche Varianten. Die geplante Linie 902 soll die grenzüberschreitende Lücke zwischen den vier österreichischen Gemeinden und Bratislava schließen.
Die Partner verweisen dabei auf Erfahrungen mit der Buslinie 901, die Hainburg seit 2022 mit Bratislava verbindet. Dieses Angebot wird von der Slowakei aus betrieben und erreicht laut den Projektträgern seit Jahren stabile Fahrgastzahlen. Auf dieser Basis entstehen Überlegungen für eine zweite Verbindung. Finanziell ermöglicht wird der Test durch das Interreg-Projekt der EU NUTSHELL@CE.
Christian Berger vom Koordinationsbrüro NÖ.Regional unterstützt die Kommunikation zwischen den burgenländischen und niederösterreichischen Gemeinden und Projektpartnern. Er betont die Bedeutung einer verlässlichen Datenlage: „Umfragen durch BID haben gezeigt, dass großes Interesse von Seiten der potenziellen zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer bekundet wurde. Die größten Attraktionspunkte entlang der geplanten Buslinie sind dabei die Stadt Bratislava selbst und das Einkaufszentrum in Kittsee. Eine solche Buslinie hätte aber auch Bedeutung für den Freizeitverkehr und für Berufstätige aus der slowakischen Community, die aus den vier österreichischen Gemeinden nach Bratislava pendeln.“ Ob die Nachfrage auch in der Praxis gegeben ist, soll nun ein Testbetrieb zeigen.
Im Mittelpunkt des Treffens standen die Überlegungen zu Takt und Routenführung. Nach aktuellem Planungsstand soll der Testbetrieb in der zweiten Sommerhälfte beginnen und drei Monate lang kostenlos sein. Vorgesehen ist ein Intervall von zumindest zwei Stunden zwischen Montag und Samstag.
Die Linie 902 würde im Testbetrieb Prellenkirchen, Edelstal, Kittsee und Berg an eine Haltestelle der neuen Tramlinie 3 in Bratislava‑Petržalka anbinden. Wer ins Stadtzentrum weiterfahren möchte, steigt dort auf die in kurzen Abständen verkehrende Straßenbahn um. Noch offen sind Details wie Fahrplan, Zahl der Haltestellen und konkrete Linienführung. Die Projektpartner müssen in den kommenden Wochen die Genehmigungen für den grenzüberschreitenden Busverkehr einholen. Erst danach können endgültige Angaben gemacht werden.
Die vier Gemeinden bewerten den Vorschlag grundsätzlich positiv. Bergs Bürgermeister Horst Pelzmann spricht von einem lange ersehnten Angebot: „Die Gemeinde Berg ist nur sieben Kilometer Luftlinie von Bratislavas Zentrum entfernt, trotzdem gab es bisher keine direkte öffentliche Verbindung in die slowakische Hauptstadt. Ich freue mich, dass diese Initiative für den Test der Buslinie ergriffen wird. Besonders positiv ist außerdem, dass die Gemeinde Berg dadurch im Zeitraum des Testbetriebs auch öffentlich ans Einkaufszentrum Kittsee angebunden wird. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn es nicht nur bei einem Probebetreib bleiben würde.“
Auch Edelstals Bürgermeister, Landtagsabgeordneter Gerald Handig, hebt die funktionale Nähe zu Bratislava hervor: „Es ist ein langjähriger Wunsch der Gemeinde Edelstal, eine möglichst direkte öffentliche Anbindung an die Stadt Bratislava zu erhalten. Edelstal ist funktionell stark mit Bratislava verflochten, das Testen dieser Busverbindung ist meiner Ansicht nach absolut sinnvoll. Von Seiten der Gemeinden werden wir dieses Vorhaben unterstützen und unsere BürgerInnen und Bürger zur Nutzung des Testbetriebs motivieren.“
Von BID kommt ebenfalls Zustimmung. Projektvertreter Šimon Juřík sieht in der Pilotphase einen möglichen Schritt in Richtung dauerhafter Linie: „Das Team von BID freut sich sehr, dass wir im Rahmen des Projekts NUTSHELL@CE die Möglichkeit erhalten, diese Verbindung zu testen. Möglicherweise können wir dabei erste Schritte setzen, die auf eine dauerhafte Einführung der Linie abzielen, ähnlich wie im Fall der Busverbindung 901. Wir glauben, dass dieser Schritt die bisherige internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich weiterentwickeln und stärken kann.“