Kaserne Güssing: Stabiler Faktor für Region und Sicherheit
Montecuccoli Kaserne
Zu Beginn war die Montecuccoli-Kaserne in Güssing umstritten. Heute ist sie einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region, sicherheitspolitisch relevant und gesellschaftlich fest verankert. Der ausverkaufte Garnisonsball am Wochenende hat das einmal mehr gezeigt und die Partnerschaft mit der Stadtgemeinde Güssing trägt Früchte.
Das Jägerbataillon 19 ist in der modernsten Kasernen Europas stationiert. Bei Vollbesetzung können bis zu 750 Soldat:innen in Güssing stationiert werden.
© JBT19 Schabhüttl
Als 2009 der Spatenstich für die Montecuccoli-Kaserne in Güssing gesetzt wurde, stand das Projekt sofort unter Beschuss. Zu teuer, zu groß, falscher Standort, falsches Material – die Kritik kam laut und anhaltend. Die Kaserne stand auch nach der Fertigstellung unter Dauerbeobachtung.
Heute ist die Diskussion eine andere. Die Kaserne ist angekommen – nicht nur baulich, sondern vor allem in der Region. Rund 700 Soldat:innen und Soldaten sind in Güssing derzeit stationiert, ausgelegt ist der Standort für einen Vollbetrieb mit bis zu 750 Personen. Damit ist die Kaserne ein wesentlicher sicherheitspolitischer Faktor und zählt zu den größten und verlässlichsten Arbeitgebern im Südburgenland.
„Das Stammpersonal kommt aus dem Südburgenland und aus der angrenzenden Steiermark“, sagt der mit der Führung beauftragte Bataillonskommandant Philip Krobath. „Aufgrund hervorragender Ausbildung und materieller Top-Ausstattung haben aber auch Rekrut:innen aus Wien Niederösterreich und Oberösterreich den Wunsch, in Güssing einzurücken“, sagt Krobath.
Was sich ebenfalls verändert hat, ist die Wahrnehmung des Bundesheeres insgesamt. Nach Jahren des Reduzierens und Hinterfragens ist das Heer wieder sichtbar präsent. Nicht abstrakt, sondern konkret. Bei Hochwasser, Katastropheneinsätzen und Unterstützungsleistungen zeigt sich, welchen Wert eine funktionierende militärische Infrastruktur vor Ort hat. In Güssing wird das nicht diskutiert, sondern gelebt. „Wir haben unterschiedliche Aufgaben, Punkt 1 ist die Landesverteidigung und dann haben wir auch subsidiäre Aufgaben, das ist Hilfe- und Katastrophenschutz. Wenn die Behörde um Leistungen fragt, sind wir natürlich verfügbar“, betont der Bataillonskommandant.
Das Bundesheer hat das Areal des ehemaligen Unternehmens Blue Chip Energy in Güssing übernommen und plant, dort künftig etwa 100 Panzerfahrzeuge des Typs „Pandur Evolution“ unterzubringen. Das Unternehmen, das einst Solarpaneele produzierte, musste im Jahr 2011 Insolvenz anmelden. Im September des Vorjahres ging das Gelände in den Besitz des Bundesheeres über und derzeit wird die ehemalige Produktionshalle für militärische Zwecke vorbereitet. Vorgesehen sind Flächen für Abstellung, Lagerung sowie Wartung und Reparatur der Fahrzeuge. „Die ersten Fahrzeuge befinden sich bereits im Zulauf. Die Fahrzeuge werden in Österreich gefertigt, da gibt es einen konkreten Plan“, erklärt Philip Krobath. „Die Fahrzeuge werden die nächsten sechs bis sieben Jahre eintreffen. Für uns ist es wichtig, die infrastrukturellen Voraussetzungen zu schaffen und das Personal dahingehend auch auszubilden“, so Krobath.
Auch auf kommunaler Ebene wird das Bundesheer wohlwollend gesehen. Bürgermeister Vinzenz Knor spricht von einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor und einem funktionierenden Miteinander zwischen Stadt und Kaserne. Die Partnerschaft zwischen der Stadt Güssing und dem Jägerbataillon 19 wurde schon vor knapp drei Jahren offiziell besiegelt und dass die Montecuccoli-Kaserne längst mehr ist als ein militärischer Zweckbau, zeigte sich am Wochenende beim Garnisonsball als gesellschaftlicher Fixpunkt. Der Ball bringt Bundesheer, Bevölkerung, Politik, Wirtschaft und Vereine zusammen und schafft Wertschöpfung für die Region.
„Ein wesentlicher Aspekt ist es, als Streitkraft in der Gesellschaft gut verankert zu sein. Kooperationen und Partnerschaften gehören dazu“, sagt Philip Krobath. „Zum einen ist da die Partnerschaft mit der Stadt Güssing als Garnisonsstadt, eine zweite Partnerschaft haben wir mit einem deutschen Jägerbataillon, um uns auszutauschen und Fähigkeiten auszubauen“.
Fazit: Die Geschichte der Kaserne Güssing ist damit auch eine Geschichte des Perspektivenwechsels. Die Kaserne ist wirtschaftlich relevant, sicherheitspolitisch notwendig und gesellschaftlich akzeptiert. Genau das macht sie heute zu einer Musterkaserne – nicht auf dem Papier, sondern im Alltag.
Die Montecuccoli-Kaserne in Güssing wurde 1967 nach Raimondo Graf von Montecuccoli benannt, einem bedeutenden General und Militärtheoretiker des 17. Jahrhunderts. Montecuccoli war kaiserlicher Feldherr in den Diensten der Habsburger und gilt als einer der wichtigsten Militärstrategen seiner Zeit. Mit der Namensgebung ehrt das österreichische Bundesheer diese historische Persönlichkeit und knüpft die moderne Garnison in Güssing an eine lange Tradition militärischer Führung in der bewegten Geschichte Mitteleuropas.